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Haushaltskosolidierung

„Eins, zwei, drei, wir wollen unsere Bücherei"

18.11.2009 | 12:16 Uhr
„Eins, zwei, drei, wir wollen unsere Bücherei"

300 Eltern und Kinder protestieren gegen Schließung der Stadtteilbibliothek Gerthe. Diese sieht das Haushaltssicherungskonzept bislang für 2015 vor.

Gerthe. „Eins, zwei, drei. Wir wollen unsere Bücherei. Fünf, sechs, sieben, acht. Warum wird sie zugemacht?”, riefen Schüler im Alter von etwa zwölf bis 14 Jahren vor dem Amtshaus-Nord aus Anlass der Beratungen der Bezirksvertretung zum städtischen Haushaltssicherungskonzept (HSK). „Alle Kinder lernen lesen, nur in Gerthe kehrt der Besen”, signalisierte zudem ein Spruch auf einem Transparent.

Künstlerin Heidrun Reymann (Bild) trug ihren Teil zum Protest bei.

Die Protestaktion der etwa 300 Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen aus der Region war damit eindeutig: diese Bibliothek soll auch zukünftig bleiben. Wir sind gegen die geplante Schließung der Stadtteilbibliothek an der Heinrichstraße in 2015 im Rahmen des städtischen Haushaltssicherungskonzeptes.

Die Fraktionssprecher der Koaltion von SPD und Grüne Karl-Otto Mey und Christian Schnaubelt - ebenso wie die anderen Fraktionen im Bezirk bei der Anhörung - befanden das auch. Die beiden nahmen jedoch nicht nur die Protestlisten gegen die Schließung entgegen, mit denen innerhalb von drei Wochen 2300 Unterschriften für die Bibliothek gesammelt wurden. Sie machten auch deutlich, dass sie so viel bürgerschaftliches Engagement beeindruckt. Dasselbe gelte für die Aktivitäten in der kombinierten Schul- und Stadtteilbücherei, die die Mitarbeiter der Einrichtung aus aktuellem Anlass zusammenstellten.

Mey ging in einer Presseerklärung seiner Fraktion noch weiter. Ob Schule, Bücherei oder Kindertageseinrichtungen: gemäss der Wahlforderung in die Zukunft der Kinder zu investieren, müßten dort alle bisherigen Haushaltsansätze erhalten bleiben. Mey: „Wir erwarten, dass bis 2015 ein tragfähiges Konzept vorgelegt wird, das eine Schließung überflüssig macht!”

Die jüngst gewählte Bezirksvorsteherin Susanne Mantesberg sah sich wiederum dem Problem gegenüber, dass es aufgrund der Situation keine Alternative zum derzeitigen Konzept gibt. „Die Bibliothek ist und bleibt eine freiwillige Leistung der Stadt”, machte sie auf WAZ-Rückfrage deutlich.

Info
Künstlerischer Protest

HEIDRUN REYMANN

Künstlerin Heidrun Reymann machte ihrem Ärger mit einer Kunstaktion Luft: sie fertigte eine Kopie des historischen Bochumer Stadtwappens an und schnitt das Buch heraus. Das hat dort als Zeichen für Bildung nichts mehr zu suchen, wenn im Bochumer Norden durch die Bibliotheksschließung die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche drastisch eingeschränkt werden, so ihr Tenor zur Aktion.

Die 366 000 Euro, die Stadtkämmerer Manfred Busch mit der Schließung einspare, seien somit ein Faktum. „Ich vermisse jedoch eine detaillierte Auflistung der Kosten von Seiten der Verwaltung”, monierte sie. Die Zahlen würden zudem den Blick auf die in der Bibliothek geleistete Arbeit verstellen. Als Beispiel dafür nannte sie die Bibliothek als Bestandteil eines Ganztagkonzeptes der beiden Schulen im Schulzentrum sowie die Einrichtung eines Selbstlernzentrums für Schüler in Zusammenarbeit mit den Schulen, das für 2010 geplant ist. Ihr Fazit: „Wir suchen mit der Verwaltung einen Weg, die Bibliothek nicht zu schließen, um deren kulturellen Beitrag für den Stadtteil auch zukünftig zu erhalten.” Ihre Hoffnung dabei: bis 2015 hat sich die Haushaltslage soweit verbessert, dass eine Schließung nicht notwendig ist.

Am 17. Dezember beschließt der Stadtrat über das Haushaltssicherungskonzept, einschließlich der Bibliotheksschließung. Der Protest, so die Aktiven vor Ort, soll bis dahin weitergehen.

Wicho Herrmann

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