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Kultur

Die Lese(e)räuber

11.11.2009 | 13:27 Uhr

33 Kinder finden zum „Piratenfest” den Weg in die Stadtteilbibliothek Gerthe. Und hadern mit der geplanten Schließung.

Gerthe. „Ich bin dagegen, dass die Bibliothek geschlossen wird”, betonte Pirat Alexander Becker von der Klasse 4b der Hans-Christian Schule (HCA). Auch beim großen Piratenfest in der Stadtteilbibliothek an der Heinrichstraße aus Anlass der diesjährigen Nacht der Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen war die geplante Schließung der Bücherei im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes der Stadtverwaltung ein Thema.

Rette sich, wer kann: Kaum ein Buch konnte sich beim „Piratenfest” vor den Lesepiraten in Sicherheit bringen.

Warum der 10-jährige dieser Meinung ist, erklärte er so: „Einmal im Monat kommen wir Schüler aus der dritten und vierten Klasse aus der Schule hierher zum Vorlesen.” Für den Sachunterricht nutze seine Klasse zudem die Bibliothek. Das bestätigten auch die Piraten Astrid Richter und Jonas Neubauer aus derselben Schulstufe der HCA. „Die Bibliothekare stellen uns auch Bücherkisten zu unseren Unterrichtsthemen zusammen”, erklärt die Schülerin. Während der Kindergartenzeit sei ihre Gruppe zudem immer wieder zum Vorlesen bei Lesepatin Silvia Köpp gewesen, so Richter weiter.

Alle drei leihen sich selbst Bücher aus. Zum Beispiel die Geschichten von Privatdetektiv „Kwiatowski”, der seine Fälle löst nach dem Motto: „Miese Tricks und schwierige Typen.” Bei den Kindern kommt die Verwaltung derzeit wohl so ins Gerede. Das Piratenfest selbst fand bei drei Kids sowie den anderen 33 Kindern und 25 Erwachsenen, die ebenfalls mitmachten, großen Anklang. Zum Start hieß es natürlich Vorlesen für alle aus Piratenbüchern. Die Kinder ab sechs Jahre hörten da spannende Auszüge aus dem Buch „Die Piratenschule: Angriff auf hoher See”. Für die Erwachsenen las Bibliotheksleiterin Barbara Pötting aus dem Buch „Long John Silver” von Björn Larsson vor.

Nach der Stärkung mit (Schiffs-)Zwieback aus dem urigen Emailletopf sowie mit „Piraten-Bier” (Apfelsaftschorle) ging es dann auf Schatzsuche quer durch die Bibliothek. Mit Hilfe einer Schatzkarte, die wie eine historische Seekarte mit kleinen Inseln drauf aussah, mußten die Kinder ihren Schatz suchen. Versteckte Wegweiser waren da im Einklang mit der Karte Piratenköpfe, die an einzelnen Bücherregalen befestigt waren. Natürlich fanden die Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren schnell die Truhe mit einigen süßen Leckereien. Verschiedene Spielaktionen an sechs Stationen rundeten das Fest ab. Unter anderem waren das Piratenhüte basteln, Fehlersuche auf Piratenbildern sowie eine Piratentaufe.

Bibliotheksleiterin Pötting sowie die ehrenamtlichen Lesepaten waren sichtlich zufrieden mit dem Interesse an dem Fest. „Wir hatten noch weitere Anfragen für die Teilnahme, die wir aber leider aus Kapazitätsgründen absagen mußten”, so Pötting. Es scheint so, als ob das Interesse an und die Solidarität mit der Einrichtung angesichts der Situation spürbar wächst.

Wicho Herrmann

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