Besuch im Bochumer Zoo weckt versteckte Erinnerungen

Sehen und Fühlen vereint: Während vor ihnen die Schwarzspitzen-Riffhaie ihre Bahnen ziehen, betasten die Seniorinnen die Haut eines Haifischs.
Sehen und Fühlen vereint: Während vor ihnen die Schwarzspitzen-Riffhaie ihre Bahnen ziehen, betasten die Seniorinnen die Haut eines Haifischs.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Bewohner des Altenzentrums am Stadtpark erhalten besondere Führung durch den Tierpark. Demenzerkrankte blühen im Kontakt mit den Tieren auf.

Mitte..  Mit leuchtenden Augen und hoch interessiert steht die Gruppe Seniorinnen vor dem Terrarium der Lisztaffen im Tierpark. Die Damen sind Bewohnerinnen des evangelischen Altenzentrums am Stadtpark. Ein paar Augenblicke später springen vier kleine, nur etwa 25 Zentimeter große Äffchen zur Fütterung aus ihren Verstecken hervor und reihen sich artig auf einem niedrig gelegenen Ast direkt vor der Scheibe und dem Tierpfleger auf, der sie mit Käferlarven und Weintrauben füttert.

„Die Tiere können die einzelnen Pfleger unterscheiden: bei dem, der ihnen immer das Essen bringt, springen sie sofort herbei, kommt allerdings der, der sie normalerweise einfängt und zum Tierarzt bringt, lassen sie sich nicht blicken“, erklärt Zoobegleiterin Nicole Uhrmeister. „Und da sag noch einer ,blöder Affe’“, staunt Gerda Rediger. Auch die anderen Seniorinnen der Gruppe sind beeindruckt.

Insgesamt 85 Seniorinnen und Senioren des Katharina-von-Bora- und des Martin-Luther-Hauses besuchten an zwei Tagen den Tierpark und bekamen eine auf sie zugeschnittene Führung. „Wir liefern nicht zu viele Informationen, sondern arbeiten mehr mit den Sinnen“, sagt Uhrmeister. So trägt jeder Zoobegleiter eine Tasche mit Utensilien bei sich, darunter Federn, Wolle, aber auch eine Haihaut und Haizähne. „So können die Senioren das, was sie gerade sehen, auch anfassen und fühlen.“

Der Großteil der Rentner ist an Demenz in unterschiedlichen Stadien erkrankt. „Es ist schön zu sehen, wie einige hier wieder aufblühen und lichte Momente erleben“, freut sich Bärbel Abrolat vom Sozialen Dienst des Katharina-von-Bora-Hauses.

Dass der Kontakt mit Tieren den alten Menschen gut tut, weiß sie bereits durch die Arbeit mit Therapiehunden, die zweimal die Woche die Bewohner der beiden Häuser besuchen. „Auch diejenigen, die sonst eingesunken in ihren Rollstühlen sitzen, heben den Kopf, wenn der Hund kommt“, so Abrolat. Der Besuch im Zoo knüpft an diese positiven Erfahrungen an.

„Das ist eine gute Erinnerungsarbeit“, bekräftigt Robert Hirtes, Leiter des Altenzentrums. „Gerade der Streichelzoo hat einen hohen Wiedererkennungswert.“ Doch nicht nur Ziegen und Schafe können die Senioren bei ihrem Besuch hautnah erleben, bei einem Abstecher in die Zooschule wartet Kornnatter Lola auf die Gruppe. Nicht jeder traut sich, die lebende Schlange mit ihrer braun-orangen Färbung zu berühren. „Nein, beim besten Willen nicht“, schüttelt sich die 85-jährige Rediger. „Manche Abneigungen und Assoziationen, vor allem Ekel, bleiben eben immer bestehen“, so Hirtes.