Babysitter-ABC mit Puppen lernen

Zehn Mädels und ein Junge: im Bürgerhaus Hamme lernten sie die wichtigsten Grundregeln, um als Babysitter arbeiten zu können.
Zehn Mädels und ein Junge: im Bürgerhaus Hamme lernten sie die wichtigsten Grundregeln, um als Babysitter arbeiten zu können.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Kurs für Teenager in Hamme: Hier erfahren sie alles übers Wickeln, Spielen, Füttern. Erzieherin klärt Jugendliche auch über ihre Rechte auf.

Hamme. „Ihr habt eine schöne, aber auch schwierige Aufgabe vor Euch. Euch wird das wichtigste Gut anvertraut: Kinder!“, sagt Steffi Albrecht mit einem herausfordernden Lächeln zu den Teilnehmern des Babysitterkurses im Jugendfreizeithaus Hamme. Die 42-jährige Erzieherin erklärt, wie die Kleinsten und die schon etwas Größeren gepflegt, umsorgt und bei Laune gehalten werden.

Der 15-Jährige Brandon Kleine aus Grumme hat bereits Erfahrung mit Kindern. In seiner Freizeit trainiert er eine Fußballmannschaft für Zweitklässler. „Ich freue mich für Kinder, wenn sie sich freuen.“ Was die Allerkleinsten betrifft, hat er allerdings noch viele Fragen. „Gewickelt hatte ich vorher noch nie. Das war der Hauptgrund, weshalb ich hergekommen bin“, sagt Brandon. Babysitten möchte er gerne, auch um sich nebenbei etwas Geld zu verdienen. Ab fünf Euro aufwärts erhalten Babysitter pro Stunde. Abends eher mehr.

„Auf Familienfeiern schaue ich immer zuerst, wo kleine Kinder sind, und beschäftige mich dann mit ihnen“, sagt Dana Kanapin. „Kinder sind toll.“ Neben der Schule sei Babysitten eine tolle Abwechslung. „Außerdem lernt man, Verantwortung zu übernehmen“, so die 15-Jährige. „Das kann man später ja auch gut gebrauchen.“ Beruflich hat Dana Kanapin schon andere feste Pläne. „Ich möchte Immobilienkauffrau werden.“

Beim ersten Treffen mit den Eltern sollen die angehenden Babysitter nach den Schlaf- und Essgewohnheiten des Kindes fragen, nach Ritualen und Vorlieben, und danach, was zu Hause erlaubt ist und was nicht.

„Die Regeln der Eltern sollen weitergeführt werden“, hat Nina Hoffmann gelernt. Aber die angehenden Babysitter sollen auch eigene Regeln haben, Grenzen setzen. „Wir dürfen auch mal sagen: ‚Jetzt reicht’s!‘“, erklärt die 14-Jährige lachend. „Und wenn ein Kind zu Hause fernsehen darf, spricht nichts dagegen, wenn wir es mit Spielen ablenken, um den Fernsehkonsum einzuschränken.“

Wichtig ist, dass die Privatsphäre der Familien gewahrt bleibt. Ebenso wichtig jedoch ist, dass ein Babysitter nicht putzen oder die Wäsche machen sollte. Albrecht schärft den jungen Kursteilnehmern zudem ein, sich zu wehren, falls sie einmal von einem Elternteil angefasst oder belästigt werden. „Den meisten wird das hoffentlich nicht passieren, aber sie sollen natürlich vorsichtig sein, wenn sie zu Leuten nach Hause gehen, die erst einmal Fremde sind“, sagt Abrecht.

„Ich hoffe, dass die Familien, die ich kennenlerne, nett sind und mich nicht gleich rausschmeißen, wenn ich etwas falsch mache “, sagt Brandon Kleine. Im Jugendfreizeithaus Hamme ist er der einzige männliche Kursteilnehmer. „Es wäre schön, wenn mehr Jungs mitmachten“, sagt Albrecht. „Den meisten Kindern fehlen männliche Bezugspersonen im Alltag.“ Sie brächten andere Ideen ein, wenn es um Spiele geht. „Jungs schlagen eher vor, etwas zu bauen, zu konstruieren, Fußball zu spielen. Mädchen denken erst einmal an Basteln, Malen, Kochen. Das klingt jetzt sehr klischeehaft, ist aber so.“

Zum Schluss haben alle Teilnehmer einen Stapel aus Checklisten, Telefonnummern und anderen Hinweisen vor sich liegen. „Der ist ja dicker als mein Deutschheft in der Schule!“, ruft eine Teilnehmerin. Der Job als Babysitterin ist eben nicht zu unterschätzen.