Anrufe gegen die Vereinsamung

Schulung der Ehrenamtlichen für den telefonischen Besuchsdienst der Bochumer Seniorenbüros; die Teilnehmer (vorne v.l.) Sabine Kwiatkowski, Ilse Zaydowicz, Michael Haiduk und Roswitha Koch sowie (hinten v.l.) Norbert Rose und die Seniorenbüro-Mitarbeiterinnen Ilka Genser (Mitte, Diakonie Ruhr, Kathrin Engel (Ost, DRK) und Christine Drüke (Mitte, Diakonie Ruhr) Foto: Jens-Martin Gorny / Diakonie Ruhr
Schulung der Ehrenamtlichen für den telefonischen Besuchsdienst der Bochumer Seniorenbüros; die Teilnehmer (vorne v.l.) Sabine Kwiatkowski, Ilse Zaydowicz, Michael Haiduk und Roswitha Koch sowie (hinten v.l.) Norbert Rose und die Seniorenbüro-Mitarbeiterinnen Ilka Genser (Mitte, Diakonie Ruhr, Kathrin Engel (Ost, DRK) und Christine Drüke (Mitte, Diakonie Ruhr) Foto: Jens-Martin Gorny / Diakonie Ruhr
Foto: Diakonie Ruhr
Was wir bereits wissen
Telefonischer Besuchsdienst der Seniorenbüros ist angelaufen. Ehrenamtliche Mitarbeiter pflegen Kontakt zu älteren Alleinstehenden, die sich melden können.

Mitte. Die Idee der Seniorenbüros Mitte und Ost, einen telefonischen Besuchsdienst ins Leben zu rufen, fiel auf fruchtbaren Boden. Nach dem ersten Aufruf meldeten sich viele Freiwillige, die zu alleinstehenden älteren Menschen regelmäßig Kontakt pflegen wollen.

„Telefonischer Besuchsdienst“, so haben die Büros im Griesenbruch und in Langendreer dieses Angebot getauft. Die Idee stammt aus Essen und Leverkusen, wo dies bereits erfolgreich angenommen wird. Adressaten sind ältere Menschen, die allein leben und nur noch selten ihre Wohnung verlassen. Viele Senioren vereinsamen zu Hause, ihnen fehlen Kontakte und jemand, der ihnen zuhört. „Dies erleben unsere städtischen Mitarbeiter ständig, die für die Seniorenbüros in der Einzelfallhilfe unterwegs sind, aber auch die Pflegedienste“, erklärt Ilka Genser vom Büro Mitte.

Die Ehrenamtlichen, die sich bislang gemeldet haben, sind zwischen Ende 20 und Mitte 70 Jahre alt. Sie wurden in diesen Tagen in einem ersten Anlauf bereits geschult, lernten etwa bei der Stimmbildnerin Ursula Jansen-Bardach, wie man angenehm spricht und dabei die Stimme schont.

Hinzu bekommen die Freiwilligen Tipps, wie man leichter ins Gespräch kommt und mit verschiedenen Themen umgeht. Auch, wenn die Ehrenamtlichen des telefonischen Besuchsdienst keine seelsorgerischen Aufgaben übernehmen können, gilt bei den Initiatoren das Angebot als wichtiger Beitrag. Die Telefonseelsorge ist mit im Boot und wird bei der Schulung der Ehrenamtler helfen.

Pfarrer Werner Posner ist deren stellvertretender Leiter. Er weiß durch die Kripo: „40 Prozent aller Selbstmorde in Bochum werden von Menschen über 60 Jahren verübt. Dieses neuen Angebot ist Suizidprophylaxe.“ Sobald jemand wieder soziale Kontakte pflege, spüre er mehr Lebensqualität: „Das erleben wir auch in der Telefonseelsorge; der Bedarf ist da.“

Ilka Genser vom Büro Mitte: „Wir bekommen Hinweise auf vereinsamte Senioren von den Kollegen, die vor Ort sind. Auch von der Telefonseelsorge wissen wir: Da rufen oft Leute an, die einfach nur mal eine Stimme hören wollen. Denen übermitteln die Mitarbeiter nun unser neues Angebot.“ Ab sofort können sich Senioren melden, die ein solches regelmäßiges Gespräch wünschen. Die Seniorenbüros Mitte und Ost koordinieren die Wünsche für Menschen, und zwar aus allen Stadtteilen, und bringen sie mit den Ehrenamtlichen zusammen. Genser: „Wir gehen jetzt in die Akquise für die Nutzer des Services. Zunächst wird das Gespräch mit den Ehrenamtlichen, dann mit den Senioren geführt, um möglichst passende Partner zu finden.“ Die lernen sich im Vorfeld übrigens nicht kennen, vereinbaren jeweils Termine für ihre Telefonkontakte einmal pro Woche.

Ein halbes Dutzend ehrenamtlicher Gesprächspartner wird noch gesucht. Ilka Genser: „Doch eigentlich warten alle nur darauf, dass es losgeht.“