Norbert Lammert will nicht ins Schloss Bellevue

Bürgernähe (hier mit Carina Gödecke bei einem Benefiz-Grillen im Sommer in der Bochumer Innenstadt) zeichnet Norbert Lammert aus. Für das Amt des Bundespräsidenten sei er aber „nicht der richtige Kandidat“, erklärt der 67-Jährige.
Bürgernähe (hier mit Carina Gödecke bei einem Benefiz-Grillen im Sommer in der Bochumer Innenstadt) zeichnet Norbert Lammert aus. Für das Amt des Bundespräsidenten sei er aber „nicht der richtige Kandidat“, erklärt der 67-Jährige.
Foto: Joachim Haenisch
Was wir bereits wissen
  • Hartnäckig wurde Norbert Lammert bis zuletzt als Bewerber für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt
  • Seit Mittwoch steht fest: Der Bochumer will und wird nichts ins Schloss Bellevue einziehen
  • Gegenüber der WAZ beendete der CDU-Politiker die Spekulationen über eine angebliche Kandidatur

Bochum/Berlin..  Bis zuletzt wurde er als Kandidat gehandelt – noch am Mittwoch vom Linken-Politiker Bodo Ramelow. Doch gleichfalls seit Mittwoch, nach einer WAZ-Recherche, scheinen die letzten Zweifel ausgeräumt: Das Amt des Bundespräsidenten wird ab dem nächsten Jahr von keinem Bochumer bekleidet. Norbert Lammert tritt nicht an.

Zwar hatte der Bundestagspräsident zu Wochenbeginn seinen Rückzug aus dem Bundestag angekündigt (wir berichteten). Er werde 2017 nach vier Jahrzehnten „Abschied aus der aktiven Politik“ nehmen, heißt es in einer Erklärung des Bochumers mit Wohnsitz in Werne. Dennoch wurde der 67-jährige, über alle Parteigrenzen hinaus anerkannte und hoch geschätzte CDU-Politiker hartnäckig genannt, wenn in der Hauptstadt in den vergangenen Tagen und Wochen überparteiliche Gauck-Nachfolger genannt wurden.

„Ohne Wenn und Aber“

Ein Interview der WAZ Bochum vor einem Jahr dürfte die Spekulationen nun beenden. Damals hatte Lammert auf die Frage, ob er 2017 als Bundespräsident kandidieren würde, geantwortet: „Ich glaube, dass das für mich nicht das richtige Amt ist und ich für das Amt nicht der richtige Kandidat bin.“ Gleichfalls auf WAZ-Anfrage ließ er am Mittwoch über sein Berliner Büro erklären, „ohne Wenn und Aber“ zu dieser Aussage zu stehen. „Seine damalige Einschätzung gilt weiterhin in vollem Umfang. Er hat dem nichts hinzuzufügen“, teilte Sprecher Ernst Hebeker am Nachmittag mit. Weitere öffentliche Erklärungen zur „B-Frage“ werde Lammert nicht abgeben.

Für seine Parteifreunde in Bochum ist die nunmehr wohl endgültige Absage keine Überraschung. „Ich würde Norbert Lammert zwar zu 100 Prozent für einen geeigneten Kandidaten halten. Darüber hinaus wäre ein Bochumer im höchsten Amt des Staates natürlich herausragend“, sagt der CDU-Vorsitzende Christian Haardt. Im Kreisverband habe man die Erklärung vom vergangenen Montag aber als eindeutigen und kompletten Abschied in den politischen Ruhestand gewertet. „Dass das andere Leute anders interpretiert haben, war Kaffeesatzleserei“, so Haardt.

An der fachlichen und menschlichen Eignung Lammerts für das Schloss Bellevue lässt auch der Bochumer SPD-Vorsitzende Karsten Rudolph im Gespräch mit der WAZ keinen Zweifel. Spätestens nach seiner Ankündigung, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen, sei eine Kandidatur aber unmöglich geworden. „Er hätte damit ja zum Ausdruck gebracht, dass das Amt des Bundespräsidenten ein passives politisches Amt ist.“