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Nicht nur Höhenkamm-Autoren

08.06.2007 | 05:51 Uhr

Die neue Doppelspitze der "Literarischen Gesellschaft" will den Wirkungskreis auf regionale und junge Schriftsteller erweitern. Schreibwettbewerb zum Thema "Geld"

Die Literarische Gesellschaft gehört zu den ältesten kulturellen Einrichtungen der Stadt. Im Laufe der Jahrzehnte haben sicherlich die meisten wichtigen deutschen Autorinnen und Autoren dort gelesen - doch in multimedialen Zeiten reichen alte Rezepte nicht hin. Das haben auch die beiden neuen Vorsitzenden der Gesellschaft, Ralph Köhnen an der Spitze und sein Stellvertreter Gerhard Rupp, erkannt. Und so soll in Zukunft die Angebotspalette, der Wirkungskreis der "Literarischen" erheblich erweitert werden. Köhnen tritt für diese veränderte Linie entschieden ein: "Die Mitglieder müssen das einsehen, sonst können sie ja austreten." Der Vorsitzende glaubt indessen nicht daran, dass durch die Neuerungen ein Aderlass bei den Mitgliederzahlen zu erwarten ist.

Zwar werde es weiterhin Autorenlesungen geben, doch es ist daran gedacht, diese klassische Form der Literaturvermittlung "interaktiv" zu gestalten: "Wir wollen stärker ins Gespräch mit dem Publikum kommen", so Köhnen. Neben den Autoren aus den Bestsellerlisten - die natürlich nach wie vor eingeladen werden - sollen nunmehr auch Schriftsteller aus der Region zu Wort kommen. Mit Michael Klaus aus Gelsenkirchen ist vor einigen Wochen in dieser Hinsicht ein Anfang gemacht worden, alsbald wird der Bochumer Hugo Ernst Käufer bei der "Literarischen Gesellschaft" seine Texte vorstellen.

Der Altersdurchschnitt der Mitglieder ist etwa bei 50 plus anzusetzen, Rupp und Köhnen wollen somit um jüngere Literaturfreunde werben: "Das Bildungsbürgertum stirbt aus", stellt Gerhard Rupp fest. Somit sind Studierende eine bevorzugte Zielgruppe der "Literarischen Gesellschaft. Für das neue Duo eine naheliegende Klientel, sind die beiden Vorsitzenden doch an der Ruhr-Universität tätig.

Gerhard Rupp vom Germanistischen Institut denkt sogar daran, von seinen Studenten Rezensionen über Autoren-Lesungen in der "Literarischen" schreiben lassen, die anschließend als Studienleistung gewertet werden.

Rupp: "Früher interessierten sich die Leute selbsttätig für Literatur, heute muss man sie zu ihrem Glück eher zwingen." Rupp erhofft sich von diesem noblen Angebot im übrigen "einen Effekt, der ausstrahlt".

Schülerinnen und Schüler: Das Interesse dieser Zielgruppe soll mit Lesungen der Kinder- und Jugendliteratur geweckt werden: "Hier kommt die Leseförderung ins Spiel." Ralph Köhnen kann sich eine Zusammenarbeit mit dem "Jungen Schauspielhaus" vorstellen. Das "Theater unter Tage", das sich seit geraumer Zeit als Veranstaltungsort eingebürgert hat, sei für die "Literarische Gesellschaft" ohnehin ein Glücksfall. Das Schauspielhaus als Ort des Wortes: durch die "Literarische" bekommt dieser Charakter eine zusätzliche Nuance.

Auch um jüngere Autorinnen und Autoren will sich die Doppelspitze bemühen: "So könnten arrivierte Autoren Partnerschaften für ihre jungen Kollegen übernehmen", ist eine Idee von Köhnen und Rupp.

Außerdem planen sie einen Schreibwettbewerb. Gesucht wird Kurzprosa von Autorinnen und Autoren aus dem Ruhrgebiet. Thema: Geld. "Wie reagieren die Autoren darauf, wie schreiben sie über so etwas?" Ralph Köhnen ist gespannt. Denn eines sei klar: "Zu diesem Thema hat eigentlich jeder etwas zu sagen." Der Schreibwettbewerb soll vom Juli bis zum September dauern. "Wir haben dafür Fördergelder beim Kulturbüro beantragt", so Köhnen. Eine Jury sucht die gelungensten Einsendungen aus: "Die zehn besten Autoren werden zu einer Lesung eingeladen, die 20 herausragendsten Texte in einer Publikation veröffentlicht werden", informiert der Vorsitzende. An die Freischaltung einer neuen Homepage ist ebenfalls gedacht.

Rupp und Köhnen streben also eine sinnvolle Mischung aus "Höhenkamm-Autoren" und einer qualitativen Breitenwirkung an. Dabei ist ihnen die Kooperation mit anderen Bochumer Kulturinstitutionen wichtig. Der Elfenbeinturm wird strikt verlassen.

Von Werner Streletz

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