Neues Leben im alten Steinbruch

Landschaftsgärtner Thorsten Kiepka (links) und Rolf Makowka, Leiter der Grünen Schule, führten die Besucher durch den Steinbruch.
Landschaftsgärtner Thorsten Kiepka (links) und Rolf Makowka, Leiter der Grünen Schule, führten die Besucher durch den Steinbruch.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein Besuch in der Grünen Schule im Lottental: Drei junge Uhus lernen fliegen. Ehemaliges Zechenareal ist heute auch Heimat seltener Amphibien

Stiepel..  Normalerweise kommt man hier gar nicht hin. Mehrere Schilder verbieten den Zutritt zur Grünen Schule im Lottental. „Der Steinbruch ist nicht ungefährlich“, erklärt Schulleiter Rolf Makowka. Darum sollte hier niemand querfeldein und schon gar nicht querhangauf laufen.

Auch weil an dem imposanten Steinhang derzeit drei junge Uhus herumkraxeln. „Schauen Sie. Dort oben haben die Uhus ihr Nest“, erklärt Makowka. Solange sie still sitzen, kann das Laienauge die Uhus nicht sehen, weil sie sich farblich in die Steine einfügen. „Aber wenn sie sich bewegen, sehen Sie sie auf jeden Fall.“ Die Jungen werden zwischen Januar und Februar geboren. Im Juni sind sie fast ausgewachsen und lernen fliegen.

Die Grüne Schule trägt ihren Namen, weil sie Berufsbildungen „im grünen Bereich“ anbietet. Zur Partei der Grünen besteht keine organisatorische Verbindung. Und weil viele Grüne die Grüne Schule gar nicht kennen, lud der Grünen-Ortsverband Süd ein zu einer Besichtigung des ehemaligen Zechengeländes, das nun ein Naturdenkmal ist. „Wir nehmen uns für unsere Monats-Treffen Ziele im Bochumer Süden vor“, erklärt Ortsverbandssprecher Klaus Kämper.

„Die Kinder wollten unbedingt die Uhus sehen, deshalb sind wir hier“, erklären Ruth und Lutger Leffek, die mit ihren Söhnen Sebastian (16) und Benjamin (13) gekommen sind. „Wir wohnen ganz in der Nähe, aber wegen der Verbotsschilder waren wir noch nie hier. Wie idyllisch das hier ist.“

Als es langsam dunkel wird, starrt Familie Leffek geduldig auf die Steinwand. Doch heute lässt sich kein Uhu blicken. Nur Steine sind zu sehen, die auch zum Bau von Zechenhäusern verwendet wurden. Einige große Steinbrocken sind zudem im Chinesischen Garten in Bochum zu sehen. „Nehmen Sie das hier mal in die Hand“, sagt Makowka und reicht ein kleines, eierförmiges Gebilde herum, das ungewöhnlich schwer ist. „Es sind Eisenknollen, die gelegentlich vom Hang herunterrollen.“

An den Seerosenteichen sind, wenn man genau hinhört, piepende Geräusche zu hören, wie die eines Handys mit schwachem Akku. „Das sind Geburtshelferkröten“, erklärt Simone Brückmann. Die Biologin verfasste ihre Masterarbeit über diese selten gewordenen Amphibien und unterrichtet nun an der Grünen Schule. „Die Tiere sind darauf angewiesen, dass der Mensch Teiche für sie anlegt“, sagt Brückmann. Weil gerade in der Stadt immer mehr Flächen versiegelt werden. „Zum Glück steigen mit der Versiegelung von Flächen auch die Abwassergebühren“, sagt Makowka. „Das lässt so manchen ökologisch umdenken.“