Das aktuelle Wetter Bochum 14°C
Gesundheit

Neuer Tomograph zur Erforschung des Gehirns

15.12.2010 | 14:57 Uhr
Neuer Tomograph zur Erforschung des Gehirns
Selbst kleinste Nervenstrukturen und Gehirnzellen bei der Arbeit in hoher Qualitaet bildlich darstellen: Das kann der neue Kernspintomograph, den die Ruhr-Universität Bochum (RUB) und das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil angeschafft und am Dienstag, 14. Dezember 2010, in Betrieb genommen haben. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum. Die Ruhr-Universität und die Universitätsklinik Bergmannsheil haben einen neuartigen Kernspintomographen präsentiert. Das Gerät kann selbst kleinste Nervenstrukturen und Gehirnzellen bei der Arbeit in hoher Qualität darstellen.

Welche Bereiche im Gehirn benutzt werden, um zu sehen, zu fühlen oder zu hören, wurde längst erforscht. Doch wie diese Erlebnisse im Gedächtnis umgesetzt werden, und welche Areale in welcher Reihenfolge an der Speicherung dieser Informationen beteiligt sind, ist den Forschern noch weitgehend unklar. Um das zu ändern, hat die Ruhr-Universität Bochum (RUB) in Kooperation mit der Universitätsklinik Bergmannsheil einen neuartigen Kernspintomographen angeschafft.

Wissenswertes
Drei Tesla

Die Bildqualität hängt zum Teil mit der Stärke des Magnetfeldes zusammen, die in der Einheit Tesla ausgewiesen wird. In der Praxis sind heute Geräte mit bis zu 1,5 Tesla üblich. Der neue Kernspintomograph des Bergmannsheil verfügt über drei Tesla. Die Untersuchung im Gerät ist gesundheitlich unbedenklich.

Das Gerät, das am Bergmannsheil installiert wurde, kann selbst kleinste Nervenstrukturen und Gehirnzellen bei der Arbeit in hoher Qualität darstellen. Genutzt wird es für neurowissenschaftliche Forschungsprojekte der RUB sowie für klinische Untersuchungen am Bergmannsheil. Der 2,1 Millionen Euro teure Tomograph wurde mit 1,2 Millionen Euro von der RUB finanziert, die übrigen Kosten für die technische Infrastruktur, die Wartung und den Einbau trägt das Bergmannsheil. Hier soll das Gerät, das speziell für Untersuchungen des Kopfes und des Rückenmarks ausgelegt ist, bessere Diagnosen ermöglichen, sagt Prof. Dr. Volkmar Nicolas. „Der neue Tomograph erlaubt die genaue Untersuchung von Verbindungen zwischen verschiedenen Hirnregionen“, so der Direktor des Instituts für Diagnostische Radiologie, Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin des Bergmannsheil. Damit können die Ärzte Schäden nach schweren Hirnverletzungen und die Konsequenzen für den Verletzten im täglichen Leben besser einschätzen, und therapeutische Maßnahmen gezielter einsetzen.

Verständnis für Lernprozesse im Gehirn verbessern

In der Forschung wird der Hochfeld-Magnetresonanztomograph vor allem dafür genutzt, das Verständnis für die Arbeitsweise und die Verknüpfungen innerhalb des Gehirns zu verbessern. Dazu werden Probanden im Tomographen untersucht, während sie an bestimmten Aufgaben arbeiten. Davon erhoffen sich die Wissenschaftler nicht nur ein besseres Verständnis von Lernprozessen im Gehirn, sondern auch Antworten auf Fragestellungen aus der Schizophrenie-Forschung oder zu Krankheiten wie der Multiplen Sklerose, Epilepsie oder zu bösartigen Hirntumoren.

Das Gerät, das am Bergmannsheil installiert wurde, erzeugt aufgrund einer Magnetfeldstärke von drei Tesla und einer hochaufläsenden 32-Kanal-Kopfspule sehr detail- und kontrastreiche Bilder bei deutlich verkürzter Untersuchungszeit.Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Genutzt wird der Kernspintomograph, der rund um die Uhr in Betrieb sein soll, von allen Wissenschaftlern, die zum Forschungszweig Neurowissenschaften gehören. Die Direktorin des Instituts für Neurophysiologie, Prof. Dr. Denise Manahan-Vaughan, spricht von einem „starken Impuls für die klinische und Grundlagenforschung an der Ruhr-Universität“.

Der Geschäftsführer des Bergmannsheil, Hans-Werner Kick, ist sieht in der Zusammenarbeit mit der Universität „ein Beispiel für eine gelingende Kooperation“, die „den Standort Bochum nach vorne bringen“ soll. Er sei froh und stolz, das Projekt gemeinsam mit der Uni geschultert zu haben. Kick: „Das müssen uns andere Kliniken erst mal nachmachen.“ Auch für RUB-Rektor Prof. Dr. Elmar Weiler ist es „ein besonderes Anliegen der Uni, Forschungsprogramme gemeinsam aufzubauen.“

Unbefristete Stiftungsprofessur für neurologische Bildgebung

Um die Bedeutung des Tomographen zu unterstreichen, verleiht das Bergmannsheil zudem eine unbefristete Stiftungsprofessur für neurologische Bildgebung.

Die detail- und kontrastreichen Bilder, die der Tomographen liefert, werden erzeugt durch eine Magnetfeldstärke von drei Tesla und eine hochauflösende 32-Kanal-Kopfspule. Prof. Dr. Martin Tegenthoff, Direktor der Neurologischen Klinik des Bergmannsheil: „Das Gerät entspricht aufgrund seiner hohen Feldstärke derzeit dem Goldstandard in der Kernspintomographie.“

Andreas Bartel



Kommentare
Aus dem Ressort
Bei den Bochumer Symphonikern schauen alle auf den Solisten
Musik
Mit dem Solo-Violinisten Raphael Christ in der Rolle des Orchesterleiters beginnt eine neue interessante Reihe der Bochumer Symphoniker: Sonntags heißt es fortan fünf Mal: „play and conduct“.
Die Horrorzentrale von Querenburg
Halloween
Familie Hartings verwandelt sich an Halloween in „die Schlotters“ und lädt zur Familienzusammenkunft ein. Grausige Gestalten wie Vampire, Zombies, Leichen, Geister und lebende Mumien bevölkern das Haus und bringen entsetzliche Speisen mit. Architektin im Dekofieber richtet Gruselparty detailverliebt...
In Altenbochum entsteht neues Haus der Generationen
Mehrgenerationenhaus
Die frühere Montessori-Schule in Altenbochum wird zu einem Haus der Generationen umgebaut. Vor allem für junge Familie ist dort noch – auch bezahlbarer – Platz. Nach einem Jahr Bauzeit soll an der Liebfrauenstraße neues Leben einziehen – gerne mit Kindern. Noch sind Wohnungen zu haben
Ein Tag zu spät gemeldet: Knappschaft streicht Krankengeld
Kankenkasse
Ein 58-jähriger Bochumer hat die Knappschaft verklagt. Die Kasse hat ihm gekündigt und die weitere Zahlung des Krankengeldes gestoppt. Grund: Der Riemker hat seine AU-Bescheinigung einen Tag zu spät verlängern lassen.
Gemeinsam alt werden im Ehrenfeld
Senioren
Zwei Ehrenfelderinnen, Barbara Jessel und Dagmar Bartsch, beide 59 Jahre, wollen eine Nachbarschaftshilfe im Viertel gründen. Treffen ist am nächten Mittwoch im Seniorenbüro Mitte. Barbara Jessel: „Wir wollen das Quartier für Ältere nutzen.“
Fotos und Videos
Mitgliederversammlung beim VfL
Bildgalerie
VfL Bochum
Messe Handmade
Video
Video