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Neuer Anlauf für Einkaufsliste

03.02.2012 | 18:30 Uhr
Neuer Anlauf für Einkaufsliste
Foto: Olaf Ziegler

Bochum.  Die verkaufsoffenen Sonntage in Bochum sollen trotz einer ersten Ablehnung im Rat fortgeführt werden. Vermutlich wird es aber weniger Feiertags-Einkäufe geben.

Für die verkaufsoffenen Sonntage in Bochum ist nicht aller Tage Abend. Nach dem überraschenden Aus im Rat kündigen die Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Einzelhandelsverband einen neuen Vorstoß an. Auch die rot-grüne Mehrheitsfraktion will den Sonntag retten. Im Gespräch ist die Streichung von ein bis zwei Terminen.

Fassungslosigkeit, Genugtuung, Verbitterung, Glückseligkeit: Das knappe Ratsvotum entfacht zwiespältige Gefühle. 13 verkaufsoffene Sonntage (davon drei in der Innenstadt) hatte der Einzelhandelsverband für dieses Jahr beantragt. Der Rat versagte der Einkaufsliste mit 37:36 Stimmen erstmals seine Zustimmung.

Ob allen Nein-Sagern die Konsequenzen bewusst waren, ist fraglich. Der Fraktionszwang war aufgehoben. „Möglich, dass mancher dachte, die Mehrheit für den Antrag stehe auch ohne ihn“, grübelt OB Ottilie Scholz. Dass der Beschluss das (vorläufige) Ende für sämtliche Sonntagsöffnungen bedeutet, wurde am Freitag mancherorts als „Panne“ und „Betriebsunfall“ gewertet.

"Luft zum Atmen genommen"

Das Echo in der Wirtschaft ist verheerend. „Der Rat hat Bochum von der Karte der attraktiven Einzelhandelsstandorte gestrichen und damit nur einem gedient: der Wirtschaftsförderung der Nachbarstädte“, giften IHK und Einzelhandelsverband. Den Stadtteilzentren werde „die Luft zum Atmen genommen“ – u.a. in Linden, wo sich die Werbegemeinschaft in ihrer Arbeit „um Jahre zurückgeworfen“ sieht. „Wir werden den Beschluss so nicht hinnehmen. Es geht um die Zukunft unseres Stadtteils“, sagt Vorsitzender Karl-Heinz Schulte.

Die Geschäftsleute erhalten Rückendeckung von der CDU-Spitze. „Diese Entscheidung ist ein Schlag für den Bochumer Einzelhandel“, erklärt Klaus Franz, Vorsitzender der Ratsfraktion. Seine Fraktion habe „mit 80 Prozent“ für den Antrag gestimmt. „Die rot-grüne Koalition und die Linken haben dem Standort schweren Schaden zugefügt.“

Klaus’ Fraktionskollege Lothar Gräfingholt widerspricht vehement. Als Vorsitzender des Katholikenrates begrüßt er mit dem Evangelischen Kirchenkreis das Nein im Rat. Dies, so heißt es in einer Stellungnahme, bedeute „keinen Imageverlust“. Vielmehr befinde sich Bochum in „einer Vorreiterrolle“. Längst werde auch in anderen Städten über die Abschaffung bzw. deutliche Reduzierung der Sonntagseinkäufe diskutiert. Eine solche „Wertedebatte“ sei auch in Bochum notwendig.

"Verzicht schwächt die Wettbewerbsfähigkeit"

Das baldige Gespräch mit IHK und Einzelhandelsverband sucht OB Scholz. „Ich halte die Entscheidung für wenig glücklich. Manchen Argumenten der Gegner kann ich nicht folgen“, sagte sie gestern der WAZ. Bereits in der nächsten Woche soll über einen neuen Antrag beraten werden. Wie es heißt, soll die Liste verkürzt werden. Gestrichen werden soll u.a. ein Verkauf am Muttertag (13. Mai). Die SPD zeigt sich offen für Kompromisse. „Ein kompletter Verzicht schwächt die Wettbewerbsfähigkeit. Das darf nicht das letzte Wort gewesen sein“, betont Unterbezirksvorsitzender Thomas Eiskirch. „Wir haben dagegen gestimmt. Aber es kann nicht sein, dass Bochum gar keinen verkaufsoffenen Sonntag mehr zulässt“, ergänzt Wolfgang Cordes, Fraktionschef der Grünen.

Eile ist geboten. Der Sonntags-Reigen 2012 soll am 11. März im Rahmen der Gertrudiskirmes in Wattenscheid eröffnet werden. Dort bangt die Werbegemeinschaft um bis zu 20 000 Feiertags-Kunden.

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Kommentare
04.02.2012
19:29
Neuer Anlauf für Einkaufsliste
von Volksentscheid | #8

Einige Vertreter aus Rat der Stadt,inkl.der OB bezeugen mit diesen Äusserungen ein beängstigendes Demokratieverständnis.
Typisch Bochum..jetzt verstehe ich die ganze Tragweite des Slogans.

04.02.2012
17:08
Neuer Anlauf für Einkaufsliste
von Picard | #7

OKOK Die Wirtschaft/Einzelhandel hat gewonnen wir werden alle am Montag für Verkaufs offene Sonntage Protestieren allerdings unter der Bedingung das an diesen Sonntagen nur die Chefs mit ihren Familien Arbeiten dürfen statt sich nen Faulen aufn Sofa zu machen oder mit dem verzogenen Töchterchen Ponny reiten zu gehen

Ich für meinen teil werde jetzt nach dem so ein TamTam gemacht wird noch verstärkter im Internet einkaufen werde diesen voll Idioten wie Lenk und Co kein Geld mehr in den Rachen werfen

04.02.2012
17:07
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von Tomatenkiller | #6

klar, jetzt wird erst mal wochenlang tacheles geredet und
dann stimmt das dumme Ratsvieh wieder für die verkaufsoffenen Sonntage.

Schön ist übrigens das Foto mit den älteren Damen - sie haben sicher unter der
Woche keine Zeit zum Bummeln und Einkaufen ....

04.02.2012
16:51
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von robbel | #5

Wetten dass solange abgestimmt wird bis es dem Einzelhandel/der Wirtschaft gefällt.
So funktioniert Demokratie bei uns.

04.02.2012
16:47
Neuer Anlauf für Einkaufsliste
von Zecke | #4

Wie ernst kann man eigentlich Politiker nehmen, die in der einen Woche etwas beschließen, das in der nächsten Woche wieder durch eine neue Abstimmung "aufgeweicht" werden soll?

Die Entscheidung war richtig und wurde von vielen Bürgern positiv aufgenommen!

Die Argumente der Händler sind fadenscheinig.
Wer sonntags eingekauft hat, bleibt in der Woche zu Hause, statt einzukaufen.
Ihr Geld können die Kunden nur einmal ausgeben.

04.02.2012
10:03
Neuer Anlauf für Einkaufsliste
von PaulKersey | #3

Ja, Bochum ist ein Tollhaus!!
Erst die Loveparade, dann mehrfache Ausbrüche aus dem Knast und jetzt der verordnete Sonntagsbesuch in den Nachbarstädten!!!
Was haben die Blödiane denn noch so im Rohr?

Hier im Rat regieren nur noch Freizeitschwachmaten über uns Bürger.
Bochum ist schon längst zu einem provinziellen Rattenloch verkommen.
Aber Hauptsache man beschließt den Bau der Fidelbude.
Wenn mal eine Abstimmung voll in die Hose gegangen ist, wird das als peinlichen Betriebsunfall verharmlost. Was soll das?
Entweder man hat einen ***** in der Hose und steht zu einer demokratisch gefällten Entscheidung und nimmt sie so hin oder man verhält sich kleinkindisch und brüll laut los, dass man ja noch einmal über einen Kompromiss abstimmen wird.
Ich denke, die die für diese Entscheidung verantwortlich sind, sind auch gleichzeit diejenigen, die gerne im Urlaub über das schöne Flair des Südens staunen und glücklich sind, dass sie bis spät in die Nacht an jedem Tag einkaufen können.

WIR sind die Bürger von Bochum und so soll man nicht über unsere Stadt entscheiden.
Leute wacht auf!!! Wählt die SPD und die Grünen bei der nächsten Wahl ab. Die können sowieso nicht mit unserem Geld umgehen.

03.02.2012
19:42
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von jakov.efroni | #2

Ein Tollhaus , diese Stadt ! Da wird abgestimmt , genauso demokratisch wie aus meiner Sicht mit dem falschen Ergebnis , dann beim Erwachen stellen Rot und Grün fest , naja wir waren ja eigentlich mehrheitlich dagegen , aber so dagegen sind wir eigentlich vielleicht doch nicht ! Und der Vorsitzende des Kirchenrates macht gar eine neue "Wertedebatte" mit Bochum in der Vorreiterrolle aus , ein Tollhaus , dieses Bochum .

03.02.2012
18:55
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von LilaLatzhose | #1

Diese Art Politiker gibts leider viel zu viele....stimmen mal einfach gegen einen Antrag, auch wenn sie innerlich dafür sind, aber man will ja -wenn der Antrag durchkommt- tönen, dass man ja dagegen war, und so einem die Wähler und die eigene Partei nichts vorwerfen können.
Dann aber kommt es anders als gedacht und man steht gelackmeiert da.

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