Neue Techniken fallen auf fruchtbaren Boden

Rund 190 000 Haushalte in Bochum beziehen Strom, Gas, Wasser oder Fernwärme von den Stadtwerken – damit ist das Unternehmen, das heute vor 160 Jahren gegründet wurde, ganz klar der Energieversorger Nummer eins in Bochum.

Die Treue zum lokalen Anbieter hat vermutlich mehrere Gründe: Erstens sind die Leistungen und Tarife des Unternehmens im Markt durchaus konkurrenzfähig, zweitens stärken die Stadtwerke durch geschickte Sponsoring- und Marketingaktionen ähnlich wie die Sparkasse seit Jahren die lokale Kulturszene, Vereine, Verbände und Initiativen. Trotz klammer Stadtkasse geht in Bochum daher noch vieles, was in anderen Kommunen des Ruhrgebietes längst dem Rotstift zum Opfer gefallen ist. Mit 750 Mitarbeitern gehört das Unternehmen zudem zu den großen Arbeitgebern Bochums.

In der Summe bewirken diese Faktoren, dass viele Bochumer Kunden der Stadtwerke sind und dabei nicht zwingend auf jeden Cent achten. Das änderte sich auch nicht nach der Atrium-Talk-Affäre, die SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück durch die Veröffentlichung seiner Nebeneinkünfte 2012 auslöste. 25 000 Euro hatte er fürs Plaudern mit Moderator Werner Hansch in Rechnung gestellt. Geändert wurden bei den Stadtwerken aber seitdem die Richtlinien für Sponsoring und Marketing und das Promischaulaufen im schicken Atrium am Ostring ist Geschichte.

Apropos Geschichte: die der Stadtwerke begann mit der Straßenbeleuchtung. Zur Einführung der öffentlichen Gasbeleuchtung fasste der Stadtrat im Februar 1855 den Beschluss zur Gründung der „Stadt Bochumer Gas-Anstalt“. Am 13. April nahm die Firma ihre Arbeit auf, 1856 brannten an Straßen und in einigen Privatwohnungen die ersten Gaslaternen. 1874 wurde die städtische Wasserversorgung integriert und Ende des 19. Jahrhunderts kam die Stromversorgung hinzu. 1914 brannten in Bochumer Haushalten bereits mehr als 65 000 Elektrolampen.

„Das Jubiläum der Stadtwerke Bochum lässt uns auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken“, sagt der Kaufmännische Geschäftsführer Bernd Wilmert. „Eine unserer größten Stärken war und ist die Versorgung der Kunden aus einer Hand.“ Zahlen und Daten ergänzt der Technische Geschäftsführer Dietmar Spohn: „Unser Stromnetz hat heute eine Länge von 4200 Kilometern. Zum Vergleich: 1966 waren es noch 1700 Kilometer.“

Stolz sind die Verantwortlichen auf ihre Vorreiterrollen bei neuen Trends. Bochum gehörte 1954 bundesweit zu den ersten Städten, die ein Fernwärmenetz aufbauten. Aber auch bei den Themen Elektroauto, Grubenwasser oder Ökostrom aus Windkraft „hatten wir die Nase vorn“, sagt Spohn. Die Stadtwerke setzten auch sehr früh auf Erneuerbare Energien. Der Anteil der Erneuerbaren am Strommix des Unternehmens liegt heute bereits bei 43 Prozent.