Nähe, Nachbarschaft und Heimat spielen eine große Rolle

Kindergeräusche dringen vom benachbarten Grundstück herüber ins Büro von Christian Mohr, durch die große Fensterfront blickt der Firmenchef direkt auf die angrenzende Sonnenschule. „Mich stört die Lautstärke nicht“, sagt er. „Ich bin dort selbst zur Grundschule gegangen, so wie meine Kinder jetzt auch.“

Direkt neben dem Betrieb, so wie früher, als der Junior-Chef schon mit 14 aushalf und überhaupt zwischen Farben und Pinsel aufwuchs, wohnen die Mohrs zwar nicht mehr. Aber ihr Zuhause in Weitmar ist auch jetzt kaum mehr als einen Steinwurf entfernt. Nähe, Nachbarschaft, Heimat hat immer eine große Rolle in der mittlerweile 92-jährigen Geschichte des Familienunternehmens gespielt.

Nicht umsonst hängt hinterm Schreibtisch von Christian Mohr ein eindrucksvolles Ölgemälde von Hänner Schlieker. Es zeigt in tiefen, satten Farben die Silhouette der Stadt in den 1960er oder 1970er Jahren – von den leuchtenden Hochöfen Stahlhausens hinweg über die halbe Stadt und viele Kirchtürme hinweg. Fast an und in jeder Kirche zwischen Wattenscheid und Langendreer, zwischen Riemke und Stiepel hat das Unternehmen schon gearbeitet.

Wer eintaucht in den verschachtelten Firmensitz an der Ecke Kohlenstraße/Weitmarer Straße, der im Laufe der Jahre immer wieder erweitert wurde, der durchschreitet im Zentrum einen im Stil der 1950er Jahre gehaltenen Flur mit Fotos besonders gelungener Arbeiten. Aufträge, die für Christian Mohr und seinen Vater Dr. Gerd-Bernd Mohr weit mehr sind als das Produkt profanen Gelderwerbs. „Das sind die schönen Sachen“, sagt Christian Mohr, der selbst einst eine Malerlehre absolvierte, seinen Meister machte und nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre Mitte der 1990er Jahre zuerst das Tochterunternehmen im sächsischen Mittweida leitete.

Firmengeschichte. Dokumentiert ist sie in einer aufwändigen, liebevoll gestalteten Chronik, die Senior- und Junior-Chef zum 90. Bestehen des Unternehmens 2013 erstellen ließen und die in eindrucksvoller Weise die vielfältige Kompetenz der Firma zeigt. Die Rückschau selbst hat schon Tradition, vor allem Gerhard Mohr hat als Kenner der Wappenkunde und Experte für Kirchenrestaurierungen große Freude daran, die Fußstapfen des eigenen Unternehmens zu dokumentieren. Zum 50. Geburtstag ist ein Buch entstanden, zum 75. „Und bis zum 100. wollten wir nicht warten“, sagt Christian Mohr.