Nach acht Jahren Haft droht neue Langzeitstrafe
15.09.2010 | 15:38 Uhr 2010-09-15T15:38:00+0200Bochum.Nach acht Jahren im Gefängnis wegen Geiselnahme und Lösegelderpressung hat ein 40-jähriger Bochumer am Mittwoch zugegeben, ein Mädchen jahrelang sexuell missbraucht zu haben. Jetzt drohen erneut viele Jahre im Gefängnis.
Im Jahr 2000 war der Angeklagte nach acht Jahren Haft freigekommen. Der Bochumer ist erst 40 Jahre alt - doch nachdem er am Mittwoch am Landgericht weitere Verbrechen zugegeben hat, den sexuellen Kindesmissbrauch eines Mädchens, drohen ganz akut viele weitere Jahre hinter Gittern.
Der Mann und ein damals 26-jähriger Komplize hatten vor 18 Jahren für großes Aufsehen gesorgt. Sie hatten einen Gärtner (damals 33) der Stadtwerke Bochum entführt und im finsteren Keller einer alten verlassenen Werkshalle an eine Heizung gefesselt und geknebelt. Damit erpressten sie die Stadtwerke. Zehn Millionen Mark forderten sie für sein Leben. Vorher hatten sie als Druckmittel zwei Stadtwerke-Trafos angezündet. Zwischenzeitlich hatten sie auch einen Supermarkt zu erpressen versucht, mit der Drohung, Kindernahrung zu vergiften. Alle Versuche aber, Millionär zu werden, scheiterten noch vor einer Geldübergabe. Ende 1992 wurden die Täter gefasst. Zwei Tage nach der Einkerkerung wurde die Geisel befreit - sie war ohne Essen, Wasser und Kälteschutz zurückgelassen worden.
Die Täter bekamen zehneinhalb bzw. zehn Jahre Haft. Erst 23 Jahre war der jetzt Angeklagte damals. Die Strafe musste er nur bis zum Jahr 2000 verbüßen.
„Papa, er hat mir erzählt, wenn ich etwas sage, bringt er uns alle um“
Den Kindesmissbrauch hatte er am Dienstag noch bestritten. Deshalb musste das Mädchen (heute 14) in den Zeugenstand. Am Mittwochmorgen aber gab er vor der 3. Strafkammer dann doch alles zu. Laut Anklage soll er sich von 2002 bis 2008 in 57 Fällen an dem Kind vergangen haben, meist ganz besonders schwer. Es ist die Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin. Der Angeklagte hatte sie in einem Hafturlaub kennengelernt und war mit ihr und dem Kind in Bochum zusammengezogen. Erst im Mai 2009 hatte sich die 14-Jährige offenbart. Ihr Vater (43), bei dem sie heute lebt, zitierte sie gestern, zum Grund ihres langen Schweigens befragt: „Papa, er hat mir erzählt, wenn ich etwas sage, bringt er uns alle um.“
Ein Urteil folgt in Kürze. Auch Gewalt gegen die Kindesmutter ist angeklagt.

23:04
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