Musiker aus Norwegen spielt auf dem Horn des Ziegenbocks
11.10.2007 | 18:45 Uhr 2007-10-11T18:45:12+0200Karl Seglem bietet mit seiner Band im Kultur-Bahnhof ein bezauberndes Programm.
Norwegen scheint gegenwärtig sehr angesagt. 2008 trägt Stavanger den Titel Europäische Kulturhauptstadt. (Steven Sloane ist dort Chefdirigent des Stavanger Symphony Orchestras). Nächste Woche eröffnet im Red Dot Design Museum in Essen eine Ausstellung "Nicht nur Lachs und Würstchen", die hundert Jahre deutsch-norwegische Beziehungen in den Mittelpunkt stellt, das kostenlose Musikmagazin "Intro" hat in diesem Monat einen Schwerpunkt zu Norwegen. Und im Bahnhof Langendreer spielte Karl Seglem mit seiner Band am Mittwochabend seine bezaubernde Musik.
Auf den ersten Blick changieren die Kompositionen des Tenorsaxophonisten Karl Seglem zwischen nordischem Folk und skandinavischem Jazz. Natürlich meint man die Berühmtheiten des norwegischen Jazz wie Jan Gabarek oder Terje Rypdal in den elegischen Melodien herauszuhören. Seglem spielt nichts, was wir nicht auch schon bei dem Pianisten Bugge Wesseltoft, der Sängerin Sidsel Endresen oder dem Trompeter Nils Petter Molvaer gehört hätten, aber er verfügt trotzdem über eine eigene musikalische Sprache. Instrumentales Markenzeichen ist sicherlich das Bukkehorn, ein traditionelles aus dem Horn des Ziegenbocks gefertigtes Blasinstrument. Es sieht gar nicht groß aus und hat doch einen warmen voluminösen Klang, mit dem Seglem sein Konzert im Kulturbahnhof eröffnete.
Das erste Stück war unendlich langsam, eine wunderbare Entschleunigung all dessen, was uns alltäglich so treibt. Immer wieder im Laufe des Abends schlug die Band dieses langsame Tempo an, paarte es mit den scheinbar einfachen, aber überaus prägnanten Melodien und entwickelte darin eine starke musikalische Ausdruckskraft.
Mit Hakon Hogemo an der Hardanger Fiddle, dem wohl bekanntestem Folkinstrument Norwegens, klingt eine weitere traditionelle Farbe im Ensemble mit. Dazu spielt Helge Norbakken ein Perkussionsset, das aus Elementen des Schlagzeugs, traditionellen Trommeln und auch Autofelgen zusammengesetzt ist. Er ist in Norwegens Musikszene ein sehr gefragter Perkussionist und bekam in Bochum viel Applaus, nicht zuletzt für seine solistischen Einlagen. Der Gitarrist Olav Torget überzeugte nicht nur als solcher, sondern spielte auch Instrumente der afrikanischen Musik wie eine Konting genannte Laute oder das hier besser bekannte Daumenklavier.
Gjermund Silset an Kontrabass und E-Bass tat das, womit Bassisten uns glücklich machen: einfach vor sich hingrooven.
Karl Seglem ist übrigens kein Newcomer. Er kann auf zahlreiche CD-Produktionen verweisen, darunter auch eine mit dem am Schauspielhaus gerne gespieltem Dramatiker Jon Fosse. Von Seglems Musik hingegen war in Deutschland bislang wenig zu hören. Das wird sich nun sicher ändern, denn die Besucher im Bahnhof Langendreer waren begeistert von dem Konzert und scharten sich nach der Zugabe in großer Zahl um den CD-Verkauf.

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