Musikalische Fingerabdrücke
15.05.2008 | 20:55 Uhr 2008-05-15T20:55:19+0200Beim "Tatort Jazz" im Kulturhaus Thealozzi gab Musiker Claas Ueberschär gemeinsam mit der Hausband ein grandioses Konzert
Die vier Gesuchten sind männlich und über 30 Jahre. Ihr Profil passt auf professionelle Wiederholungstäter im Bereich Jazzmusik und explosiver Improvisation. Vorsicht ist geboten, denn sie spielen ungemein gut!
Letztmalig hinterließen sie ihren "musikalischen Fingerabdruck" beim Tatort Jazz im Kulturhaus Thealozzi. So oder ähnlich würde die Fahndung nach der Hausband von Tatort Jazz aussehen, wobei ihr Steckbrief diesmal durch den Hamburger Spitzen-Trompeter Claas Ueberschär ergänzt werden müsste.
Ueberschär brillierte im Tatort abwechselnd an der Trompete sowie am Flügelhorn und versetzte das Publikum durch seine sehr ausdrucksstarke und lautmalerische Spielweise in reges Entzücken. Gespielt wurden Jazzstandards sowie Eigenkompositionen von Ueberschär, die das knisternde musikalische Etwas haben, um auch in der Jazzbibel - dem so genannten "Realbook" - aufgenommen zu werden.
Die Titel zeigten, dass alltägliche Themen die Entstehung der Stücke prägten und Kompositionen wie "Shuk" oder "Coffee Green" vermittelten durch lyrische Melodien und bunte Klangfarben einen lebendigen Eindruck der Inspiration Ueberschärs.
Die Hausband des Tatort Jazz-Projekts begleitete den Trompeter emotionsgeladen: Alex Morsey "tanzte" verträumt mit seinem Kontrabass während seiner lyrisch expressiven Soli, in denen er sogar ein Zitat aus Stings "Walking on the moon" einbaute oder sie mit dadaistischem Gesang zusätzlich würzte. Auch Martin Scholz überzeugte am Klavier mit fetziger Begleitung und schnellen Soli während ihn Uwe Kellerhof mit rocklastigen Drumbeats begleitete.
Neben swingenden Standard-Tunes präsentierte die Combo auch sphärische Stücke wie "Unterwassermusik" oder "Hamburger Marathon", die ebenfalls aus der Feder Ueberschärs stammen. Dank der harmonischen Verflechtungen und der rhythmischen Gefüge entwickelte sich eine Atmosphäre, die das Publikum an schöne Momente erinnerte, in freudige Überschwänglichkeit oder in Trance versetzte.
Beim Schlussapplaus waren die Zuschauer des Klatschens nicht müde und gewannen den Musikern Zugaben ab. Als nach zwei Stunden der Tatort Jazz verlassen werden musste, war jedem klar, dass man soeben Zeuge eines einzigartigen "Verbrechens" geworden war.

01:01
Die lautmalerischer Spielweise des Hamburger Trompeter erweckte den Eindruck, dass die norddeutschen den Jazz stürmischen Wetterkapriolen gleichsetzen. Die Homepage des Künstlers spiegelte die eher ruhige Einstellungen zur Musik wieder. Komischerweise ist nur ein Rockiger Titel dabei und ausgerechnet
der heißt a little bit from claas.
Das war eine gemütlicher Tatort, den ich im Nachhinein trotzdem nicht hätte verpassen wollen.