Museum wird ausgebremst
02.05.2008 | 17:30 Uhr 2008-05-02T17:30:00+0200Politik versetzt den lang gehegten Plänen von Direktor Hans Günter Golinski einen kräftigen Dämpfer.Im Kulturhauptstadtjahr 2010 soll nur die Fassade erneuert sein und das Allernotwendigste erledigt werden
Für den ehemaligen Kulturdezernenten Richard Erny ist es stets ein ungeschriebenes Gesetz gewesen, dass die einzelnen Kulturinstitute in der Stadt finanziell nicht gegeneinander ausgespielt werden. Will heißen: Keine kulturelle Einrichtung sollte zu Lasten einer anderen bevorzugt werden.
Diese löbliche Einstellung ist in Zeiten knapper Kassen brüchig geworden. Nun heißt es leider: Des einen Freud ist des anderen Leid. Damit das Planetarium ein neues, beinahe drei Millionen Euro teures Projektionsgerät bekommen kann, muss das Kunstmuseum Zukunftshoffnungen begraben. "Das Museum stand in Konkurrenz zum Full-Dome-Projektor im Planetarium", erläutert der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Fleskes. Der Musentempel an der Kortumstraße hat in dieser Hinsicht den Kürzeren gezogen.
Der Wunsch von Hans Günter Golinski und seinem Team, im Kulturhauptstadtjahr 2010 mit einem rundum erneuerten Gebäude glänzen zu können, wird unerfüllt bleiben. Eigentlich waren für diese Bemühungen insgesamt 7,5 Mio Euro vorgesehen. Diese Summe wurde während der aktuellen Etatberatungen kräftig abgespeckt.
In schöner Einigkeit verständigten sich SPD und Grüne darauf, im Haushalt 2008/09 eine Summe von 2,4 Mio. Euro für die dringende Fassaden-Erneuerung einzusetzen, "und 400 000 Euro für Renovierungen im Museum selbst", erläutert SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Fleskes.
Mit diesem Geld könne dann der arg ramponierte Teppich erneuert und die trübe Lichtsituation aufgemöbelt werden. "Die Pläne, den Eingangsbereich und das Cafe? zu verbessern, werden damit nicht zu stemmen sein", so Fleskes. Auch die "sehr teure Klimatisierung" werde warten müssen. Diese Maßnahmen könnten erst "nach 2010" greifen. Museumsdirektor Hans Günter Golinski ist angesichts dieser finanziellen Radikalkur "ratlos".
Zu lange wartet er schon darauf, dass das Museum ein zeitgemäßes Outfit erhält. Mit viel Einfallsreichtum und immensem Engagement ist es dem Team um Golinski in den letzten Jahren gelungen, dem Museum trotz begrenzter Finanzen überörtliche Strahlkraft zu verleihen. Natürlich hoffte der Museumschef, dass diese Bemühungen entsprechend honoriert werden.
Seine größte Sorge ist, dass das Museum im Kulturhaupt-stadtjahr durch eine Baustelle belastet sein könnte. Immerhin soll im Jahr 2010 im Altbau die ständige Ausstellung aus dem Eigenbesitz eröffnet werden - ein Kernstück der Museumspläne für "Ruhr 2010". Fleskes beruhigt, bis zu diesem Zeitpunkt sei der Altbau nicht mehr durch die Renovierungsarbeiten an der Fassade beeinträchtigt.
Im Hauptstadtjahr ist auf Anregung von "Pro Ruhrgebiet" im Museum eine Ausstellung mit Kunstbesitz aus den Ruhrgebiets-Unternehmen vorgesehen. "GEA und BP sollen das Konzept entwickeln", erzählt Golinski. Natürlich ist ihm daran gelegen, dass sein Haus einen tadellosen Eindruck vermittelt, wenn die Großkopferten des Reviers ihre Schmuckstücke im Museum zeigen werden.

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