Mit Gedenktafel an jungen Piloten erinnern

Altenhundem..  Es hat in der Rückschau auf ein inzwischen historisches lokales Ereignis selten eine derart großes Resonanz gegeben wie nach unserer Berichterstattung im Juni 2014 über den 50. Jahrestag des Kampfjet-Absturzes in Altenhundem. Während die einen unverhohlen von jugendlichen Leichtsinn des Piloten sprechen, wollen andere dem jungen Mann ein Denkmal oder zumindest eine Gedenktafel am Biertappen setzen, weil er sein Leben geopfert habe, um Hunderte von Kindern und Lehrern im Städtischen Gymnasium und auf dem gefüllten Pausenhof zu retten.

Dramatische Bilder

Die Augenzeugen von einst haben aber offenbar auch bis zum heutigen Tage die dramatischen Bilder aus dem Jahre 1964 vor Augen. Dieses Erlebnis hat sich eingebrannt. Auch wenn all diese Erinnerungen Diskrepanzen aufzuweisen haben.

Es gibt verschiedene Schilderungen der Begleitumstände. Daraus resultieren offenbar auch die unterschiedlichen Bewertungen des schrecklichen Unglücks. Einige der Zeitzeugen sind sich absolut sicher, dass die beiden Kampfjets durch das Lennetal hinab aus Richtung Saalhausen kamen und praktisch um den Altenhundemner Kirchturm herum eine Kurve in Richtung Hohe Bracht flogen – die wenige Sekunden später explodierte Maschine allerdings viel zu tief. Eine zweite Version: Die beiden niederländischen Düsenjäger hätten den Auftrag gehabt, die alte Hundembrücke (inzwischen durch eine Fußgängerbrücke an der Bahnunterführung ersetzt) zu fotografieren. Eine dritte Variante: Die beiden Maschinen seien aus Richtung Meggen das Lennetal hinauf geflogen, die eine der beiden allerdings sehr niedrig. Daraus abgeleitet resultieren dann die unterschiedlichen Einschätzungen des Verhaltens des jungen Piloten: tragischer Unglücksfall, jugendlicher Leichtsinn oder heldenhafte Selbstaufgabe, um Hunderte von Menschen zu retten. Oder war der Jagdbomber nur an seine technischen Grenzen geraten, wie das ein profunder Kenner der internationalen Militärflugzeug-Szene vermutet.

Gerhard Berghoff aus Bonzel erinnert sich: „Damals ging ich als 16-Jähriger in Theten in die Lehre. An jenem Tag hörten wir zuerst ein komisches Geräusch, dann gab’s einen Riesen-Bums.“ Er sei sofort aufs Fahrrad gestiegen und in Richtung der Detonation gefahren. Auf der Straßen zur Hohen Bracht habe er dann das Bugrad des abgestürzten Kampfjets gesehen. Es habe sich eindeutig um eine F 86 gehandelt.

Kein Starfighter

Unsere weiteren Recherchen haben ergaben, dass es sich zweifelsfrei - und nicht, wie sogar von Luftwaffenkreisen bestätigt – bei dem abgestürzten Kampfjet um einen Lockheed F 104 Starfighter gehandelt hat, sondern um die wesentlich kürzere und nur halb so schnelle Republic F-84 Thunderstreak. Auf Grund von Zeugenbeobachtungen ist auch eine Maschine des Typs North American F-86 Sabre oder F-100 Super Sabre ausgeschlossen.

Ab 1957 wurden insgesamt 450 Flugzeuge des Typs F84 F auch an die deutsche Luftwaffe geliefert. Bei den Piloten war der Jet wegen seines nicht unproblematisch Flugverhaltens gefürchtet. Für das relative hohe Gewicht war die Thunderstreak „untermotorisiert“. Dadurch kam es bei extremen Flugmanövern, beispielsweise bei schnellem Hochziehen – leicht zum gefürchteten Strömungsabriss. 170 der deutschen F 84F und 32 der „Schwester-Jets“ Thunderflash, die als Aufklärer fungierten, wurden als „Totalschaden“ verzeichnet. Heißt auf Deutsch: Fast die Hälfte aller Maschinen stürzten ab.

Das deckt sich auch mit den Kenntnissen eines Kirchhundemers: „In der US Airforce stürzte rund ein Drittel dieses Kampfjets ab. Deshalb wurde die Maschine auch sehr schnell ausgemustert. Während sie – wie im Fall der Unglücksmaschine von Altenhundem, in anderen Luftwaffen wie der 322. Staffel der Niederländischen Luftstreitkämpfe – auch im Jahre 1964 immer noch - zum Einsatz kamen. Mit den entsetzlichen Folgen für den jungen niederländischen Piloten. Und so gewinnt der Wunsch, ihm ein Denkmal, auf jeden Fall aber eine Gedenktafel an der Unglücksstelle zu widmen, erneut an Bedeutung. Wie schrieb doch ein Augenzeuge von damals: „Ich danke für ein Stück festgehaltener Zeitgeschichte, die ansonsten in einigen wenigen Jahren in Vergessenheit geraten wäre.“