Mit dem Rad von Bochum zum Baikalsee und wieder zurück

Nicola Haardt macht Pause vor dem Bergbaumuseum.
Nicola Haardt macht Pause vor dem Bergbaumuseum.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Nicola Haardt radelte eineinhalb Jahre nach Sibirien und zurück und legte dabei 20.000 Kilometer zurück. Jetzt ist ihr spannender Reisebericht fertig.

Bochum.. Von Bochum zum Baikal und zurück: Das sagt sich leichthin, aber wenn man länger über den Satz nachdenkt, merkt man erst, wie herausfordernd er ist. Denn der Baikalsee liegt in Sibirien, über 6000 Kilometer Luftlinie entfernt. Ihn zu erreichen, wäre schon mit dem Auto oder dem Zug eine Herausforderung. Nicola Haardt hat das noch getoppt. Sie fuhr tatsächlich von Bochum zum Baikal und zurück – mit dem Fahrrad!

Wie kommt man auf so eine Idee? „Ich bin eben abenteuerlustig“, sagt die 43-Jährige. Und sie war schon immer gerne auf/mit dem Rad unterwegs, hatte Touren durch Deutschland und Europa absolviert, als sie ihren großen Plan fasste. „Mein Weg sollte mich durch Polen und das ehemalige Königsberg, der Geburtsstadt meiner Mutter, über den Ural bis nach Zentralasien führen“, blickt Nicola Haardt zurück. Es war ihr großer Traum, den Trip zu machen. Schließlich war sie soweit, den Traum wahr werden zu lassen.

Nicola Haardt hat die Erfahrungen in einem Buch niedergeschrieben

Ein halbes Jahr lang radelte die Bochumerin durch Osteuropa, das Baltikum und Russland, bis sie den Baikal erreicht hatte. Was sie erlebte, lässt sich in einem Buch nachlesen, das Nicola Haardt sich als Reisebericht von der Seele geschrieben hat, um diesen so sonderbaren wie wunderbaren Abschnitt ihres Lebens festzuhalten. Denn mit dem Ankommen in Sibirien war noch lange nicht Schluss.

„Ich war so überwältigt von allem, was ich gesehen und erlebt hatte, dass ich mich spontan entschloss, dort zu überwintern“, erzählt Haardt. Irgendwann ging es dann aber doch wieder zurück nach Westen. „Letztlich war ich eineinhalb Jahre unterwegs, und habe alles in allem 20.000 Kilometer zurückgelegt“, sagt Nicola Haardt. Eine sagenhafte Leistung.

Aber für sie vor allem eine sagenhafte „Ost-Erfahrung“. So heißt das Buch über ihre Fahrt ins Abenteuer. Dabei erlebte Haardt einen Osten, der so ganz anders ist als das Bild von Russland, das uns gemeinhin vor Augen geführt wird.

Überwältigende Gastfreundschaft

Sie erzählt von den verrücktesten Dinge und Begegnungen, wie sie sich quasi über die Grenze nach Kaliningrad stiehlt, wie sie in Irkutsk zur Untermiete in einer fremden Wohnung überwintert, wie sie zum Eishockey-Spiel mitgenommen wird („für einen 21. November war es mit - 4° wirklich warm“) und dabei an den VfL denken muss, wie sich die Suche nach einem neuen Tretlager für ihr Rad zu einem Lehrstück russischer „Beschaffungskultur“ im Alltag entwickelt.

Immer streng persönlich und immer mit einer guten Portion Humor beschreibt Nicola Haardt ihre Eindrücke und die überwältigende Gastfreundschaft, die ihr überall entgegenschlug.

Der Leser kann bei der Lektüre abtauchen in eine andere Welt, die es aber tatsächlich gibt, wenn auch nicht gerade vor der Bochumer Haustür. Sondern tief im Osten, Nicolas fernem Sehnsuchtsort.