„Mein Mann hat eine Geliebte“

„Mein Mann hat eine Geliebte. Was soll ich tun?“ Prof. Dr. Georg Juckel bewährte sich am Mittwoch als Eheberater. Bei der WAZ-Telefonsprechstunde zum Thema Trennung und Scheidung war sein psychologischer Rat als Ärztlicher Direktor des LWL-Universitätsklinikums gefragt.

Eine verzweifelte Ehefrau zählte am Nachmittag zu den Anrufern in der WAZ-Redaktion. Ihr Mann habe ihr nach 25 Ehejahren eröffnet, eine Affäre mit einer Kollegin zu haben. „Er sagt, er liebt sie und will die Trennung. Wir hätten uns auseinandergelebt. Haben wir noch eine Chance?“ Wohl kaum, glaubt Prof. Juckel. Sieht er tatsächlich keine Zukunft mehr für die Ehe, solle sie die Trennung nicht nur annehmen, sondern als Chance begreifen und einen Neuanfang wagen. Psychologischen Beistand könnten dabei die Evangelische Beratungsstelle oder niedergelassene Fachärzte leisten. Professionelle Hilfe dürfte die Leserin in jedem Fall nötig haben: Die Tochter des Ehepaares – sie ist im Teenager-Alter – weiß noch nichts von der bevorstehenden Trennung ihrer Eltern.

Getrennte Wege will auch eine Seniorin gehen. Ihr Partner (Mitte 70), mit dem sie seit zehn Jahren zusammenlebt, zwinge sie, mehr eigenes Geld in die Beziehung einzubringen, indem sie selbstgefertigtes Kunsthandwerk auf Märkten verkauft. Das hatte sie bislang immer nur als Hobby, nicht aber als Nebenerwerb zur Rente betrachtet. „Dann verlasse ich ihn eben.“ Eine Partnerschaft sei immer auch Kompromiss bekräftigt Prof. Juckel. Er empfiehlt ein Paargespräch, bei dem ein neutraler Dritter als Vermittler fungiert und versucht, den Streit ums Geld zu schlichten. „Wenn jeder ein Stück weit von seiner Position abrückt, kann man wieder zueinander finden.“

Grundsätzlich gelte: „Psychologischer Rat ist in Krisen oft nützlich. Sonst ist alles schnell zu spät.“