Mehr Sicherheit in Bochumer Operationssälen
22.04.2009 | 06:09 Uhr 2009-04-22T06:09:00+0200
Mit einer Checkliste sollen Risiken für Patienten minimiert und Fehler vermieden werden.
Wird auch wirklich das verletzte Bein operiert? Ist das tatsächlich der richtige Patient, der auf dem OP-Tisch liegt? Und die Tupfer –, sind es nach der Operation so viele wie vorher, oder ist womöglich einer im Patienten vergessen worden? Es klingt vielleicht nach kuriosen Fragen, nach Selbstverständlichkeiten, aber genau darum geht es bei einer neuen Checkliste, die noch mehr Sicherheit in Bochumer Operationssäle bringen soll. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat einige Punkte zusammengestellt, die das Risiko bei einer OP minimieren und die Komplikationen so gering wie möglich halten soll.
Todesrate sinkt um die Hälfte
Bochumer Kliniken haben diese Liste übernommen – die meisten setzen sie bereits jetzt im Operationsalltag um. Beispiel Augusta Kranken-Anstalt: „Die Checkliste hat in einer weltweiten Testphase eine erfreuliche Reduzierung von Komplikationen und Todesfällen erbracht”, sagt Privatdozent Dr. Benno Mann, Chefarzt der Augusta-Chirurgie. Zahlen: Die Todesrate sei von 1,5 auf 0,8 Prozent gesunken, die Komplikationsrate von 11 auf 7 Prozent. Gehe man von 234 Mio Operationen weltweit aus, seien das 1,6 Mio weniger Todesfälle und 9,36 Mio weniger Komplikationen.
Die Checkliste wird von den Medizinern als einfach und handhabbar beschrieben. Alle OP-Beteiligten nehmen sich eine kurze Auszeit und überprüfen die Situation. Vor der Narkose wird die Identität des Patienten gecheckt, vor dem ersten Schnitt werden die Röntgenbilder überprüft, nach der OP wird kontrolliert, ob wirklich alle Instrumente entfernt wurden.
Die OP-Situation bewusst machen
„Diese Checkliste hat viel mit verbesserter Lebensqualität und mit einem zielgerichteten Umgang von Geldern zu tun”, sagt Kirsten Kolligs, Geschäftsführerin des St. Josefs-Hospitals Linden. Es sei entscheidend, dass sich die Mediziner die OP-Situation noch einmal bewusst machen, „gerade dann, wenn alles vermeintlich einfach und routiniert erscheint”, sagt Kolligs.
Der Operateur fange also nicht eher an, bis die Liste ausgefüllt ist. Auch weniger Aufsehen erregende Fehler, also nicht das falsche Bein amputiert oder die Klemme im Körper vergessen, sollen mit Hilfe der Checkliste noch häufiger vermieden werden. „Die neue Liste hilft, auch kleinere Pannen zu vermeiden”, sagt Dr. Holger Hasselbring, Chefarzt am Augusta.
Auch die Kath. Kliniken rund um das St.-Josef-Hospital in der Stadtmitte und das Bergmannsheil arbeiten bereits mit der Checkliste. „Schon seit einiger Zeit”, sagt Bergmannsheil-Sprecher Robin Jopp. „Wir haben die Checkliste leicht verändert und auf unser Krankenhaus zugeschnitten”, sagt Bernd Milde, Geschäftsführer des Josefshospitals. Auch im Knappschaftskrankenhaus Langendreer ist die WHO-Liste bereits im Gespräch, wann sie in den Alltag aufgenommen werden soll, stehe, so der stellvertretende Verwaltungsdirektor Michael Jost, noch nicht genau fest.
"Erwarten eine Null-Fehler-Toleranz"
Kirsten Kolligs vom St. Josefs-Hospital Linden sagt: „Wir erwarten eine Null-Fehler-Toleranz bei den Operationen.” Sie spricht damit etwas aus, was wohl alle Bochumer Krankenhäuser – und vor allem die Patienten – genau so unterschreiben würden.
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