"Wir sind nicht reine Bildergucker"
15.09.2008 | 14:22 Uhr 2008-09-15T14:22:00+0200
"Von der Locke bis zur Socke": Radiologische Spurensuche deckt kranke Stellen im menschlichen Körper auf, etwa Tumore im Gehirn oder im Dickdarm.Experten zeigten auch Bilder von Raucherlungen und drohenden Verschlüssen in Bauch und Beinen.
"Wir wollen zeigen, dass wir nicht reine Bildergucker sind," meinte Prof. Dr. Lothar Heuser gutgelaunt beim WAZ-Nachtforum Medizin. Eine Menge Besucher waren gekommen, um am Donnerstagabend, 4.September 2008, im Knappschaftskrankenhaus Langendreer aus erster Hand zu erfahren, mit welchen Mitteln die Radiologen heutzutage den menschlichen Körper erkunden können.
In seiner Einführung erzählte Werner Conrad, Redaktionsleiter der WAZ Bochum und Moderator des Abends, was ihn mit Röntgen verbindet: Er stammt aus dem Dörfchen Stützerbach, in dem die erste Röntgenröhre hergestellt wurde.
Wilhelm Conrad Röntgen, Nobelpreisträger (Physik) von 1901, war der Urvater der Radiologen, wie Prof. Heuser in Erinnerung rief. Der Direktor des Instituts für diagnostische Radiologie spannte den Bogen von der modernen Radiologie bis hin zu Röntgen, dem einst sensationelle Aufnahmen von der Hand seiner Frau gelangen - mit seiner Erfindung der medizinischen Bildgebung.
Die verschiedenen Verfahren vom Ultraschall bis zur Computertomographie zählen inzwischen zu den wichtigsten etwa bei der Mammographie: "95 Prozent der Krebserkrankungen" in der weiblichen Brust werden dabei entdeckt, sagte Heuser. Auch für Früherkennung seien die Methoden wertvoll. Und findet sich ein Tumor, habe man bei einer OP gestochen scharfe Bilder von der Quelle des Übels.
1973 gab es den ersten Computertomographen. Heuser, der damals früh in London damit arbeiten konnte: "Bis dahin konnte man den Menschen nicht in den Kopf schauen." Heute gebe es "die Röhre" praktisch in jedem Krankenhaus, in kurzer Zeit könne man damit etwa Gerinsel einer Hirnblutung erkennen oder einen Tumor. Der Professor geizte nicht mit technischen Hinweisen, erwähnte etwa, dass bei der Kernspintomographie Radiowellen und nicht Röntgenstrahlen bei den Bildern zum Einsatz kommen.
Aufschlussreich Bilder, die zeigten, wie die Radiologen nicht nur den Tumor im Gehirn aufspüren, sondern auch Nervenbahnen oder Bereiche für Motorik, Sprechen, Sehen, Hören. So haben die Neurochirurgen die Übersicht, um Folgeschäden zu vermeiden.
Wie man auch kleinste Schäden an der Wirbelsäule damit sieht, schilderte Oberarzt Dr. Eckhart Mielke: "Wir schauen in die Waffenkammer, was wir auf Lager haben," sagte er. Das Röntgenbild sei immer noch "der Mittelpunkt der einfachen Diagnose". Bei Bedarf werde anderes Geschütz aufgefahren, zumal das Knappschaftskrankenhaus Unfalldiagnostik als Schwerpunkt hat. Mielke beschrieb, wie nach der Diagnose Wirbelkörper stabilisiert werden, um die Schmerzen zu beenden.
"Das Gehirn kann man nicht austauschen wie irgendein Organ," betonte Leitender Oberarzt Dr. Gernot Schulte-Altedorneburg anschließend. Aber man könne dank der erwähnten Technik "viel sehen" - den "unblutigen Schlaganfall bei Durchblutungsstörungen", auch den "blutigen Schlaganfall, wenn Blutgefäße platzen. Da gelte es eine "schnelle Wiederöffnung" zu erreichen.
"Fangen wir mal mit der Lunge an," sagte Oberarzt Dr. Reinhard Wiebringhaus in seinem Beitrag. Schockbilder von Raucherlungen zeigten, wo der Tumor die Lunge zer-frisst. Mit einer "virtuellen Darmspiegelung" wandte sich der Arzt dann Ausbuchtungen im Dickdarm zu. Moderator Conrad sammelte Fragen aus dem Publikum, die umgehend beantwortet wurden. Etwa: "Wie gefährlich sind die Strahlen?"oder "Was zahlt die Kasse?" Es gab viel Beifall, wohl auch, weil die Experten sich nicht auf Diagnose beschränkten, sondern die jeweiligen Behandlungsmethoden zeigten.
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