Das aktuelle Wetter Bochum 18°C
Gesundheit

Wettlauf gegen die Zeit - Medizinforum informierte zum Thema Schlaganfall

27.05.2011 | 17:51 Uhr
Wettlauf gegen die Zeit - Medizinforum informierte zum Thema Schlaganfall
Prof. Dr. Uwe Schlegel (rechts) sprach zu Beginn des Nachtforums Medizin mit Ursula Dellbrügge, die während des Frühstücks einen Schlaganfall erlitt. Weil ihr Mann die Symptome richtig deutete und sofort einen Notarzt rief, sagt sie heute: „Ich bin wieder gesund.“Foto: Gero Helm

Bochum.Ein Schlaganfall erfordert eine schnelle Reaktion. Im Ernstfall zählt jede Minute. Experten informierten beim WAZ-Medizinforum über Symptome , Ursachen und Behandlungsmethoden .

Im Ernstfall zählt jede Minute. Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl, Seh- oder Sprechstörungen. Tritt nur eines dieser Alarmsignale auf, ist Eile geboten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen Schlaganfall. Dann hilft nur eins: Den Notruf 112 wählen.

Dr. Sabine Skodda führte in das Thema ein und informierte über die typischen Symptome. Foto: Gero Helm

Bis zu 200 000 Menschen in Deutschland erleiden pro Jahr erstmals einen Schlaganfall. „Das ist die häufigste Ursache für eine bleibende Behinderung“, sagt Prof. Dr. Uwe Schlegel, Direktor der Neurologie am Knappschaftskrankenhaus in Langendreer. Gemeinsam mit weiteren Experten der Klinik informierte er am Donnerstagabend auf dem WAZ-Nachtforum Medizin über typische Symptome, Ursachen und mögliche Behandlungsmethoden eines Schlaganfalls. „Früher war ein Schlaganfall ein Schicksalsschlag“, sagt Schlegel, „heute verlassen 50 Prozent aller Patienten das Krankenhaus ohne, oder nur mit einer unwesentlichen Behinderung.“

So wie Ursula Dellbrügge. Im November des vergangenen Jahres sitzt sie mit ihrem Mann am Frühstückstisch und trinkt Kaffee. Doch plötzlich reagiert sie nicht mehr. Sie kann sich nicht bewegen, sich nicht verständlich machen, Speichel fließt ihr aus dem Mund. Zum Glück bewahrt ihr Mann die Ruhe und ruft den Notarzt. Wenig später entfernen die Ärzte Ursula Dellbrügge in der Klinik ein Blutgerinnsel im Gehirn. Es hatte eine Arterie verschlossen. Nach dem Eingriff fühlt sie sich, „als wäre gar nichts passiert.“ Zwei Wochen später verlässt sie gesund das Krankenhaus.

Warnsignale
Woran erkenne ich einen Schlaganfall?

Viele Patienten könnten noch leben, hätten sie und ihre Angehörigen die Symptome für einen Schlaganfall richtig gedeutet. Doch auf welche Warnsignale muss ich genau achten? Woran erkenne ich eindeutig einen Schlaganfall? Welche Körperpartien geben mir Antworten?

Sprache

Je nachdem, welche der beiden Hirnhälften betroffen ist, kann es sein, dass der Betroffene undeutlich oder zusammenhanglos spricht, Schwierigkeiten hat, Worte zu finden, oder aber sein Gegenüber nicht mehr versteht.

Bewegung

Streckt der Betroffene beide Arme gerade nach vorne, ein Arm sackt aber nach wenigen Sekunden nach unten und die Hand dreht sich nach innen, ist auch dies ein typisches Alarmzeichen. Oft gehen Taubheitsgefühle oder Gefühlsverlust damit einher. Auch heftiger Schwindel und Gangunsicherheit sind möglich.

Gesicht

„Nicht jeder herabhängende Mundwinkel ist Ausdruck für einen Schlaganfall“, sagt Prof. Dr. Uwe Schlegel. Aber ein „schiefes Lächeln“, eine entstellte Mimik oder eine Zunge, die zu einer Seite kippt, sind ein gefährliches Zeichen. Da beim Schlaganfall die Durchblutung einer Gehirnhälfte gestört oder unterbrochen ist, kommt es häufig zu einer halbseitigen Lähmung von Arm und Bein mit Herabhängen des Mundwinkels.

Auch wenn man sich nicht ganz sicher ist oder die beschriebenen Symptome nach einigen Minuten wieder verschwinden, gilt der Leitsatz: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig zum Arzt zu gehen. Beim Schlaganfall zählt jede Minute.

Entscheidend war der Faktor Zeit. Denn: „Der Infarkt wächst, Hirngewebe geht irreversibel kaputt“, sagt Dr. Sabine Skodda, Leitende Oberärztin der Neurologie. Ein Schlaganfall sei nichts anderes als eine Durchblutungsstörung im Gehirn, die plötzliche Ausfallerscheinungen auslöst. Wird es nicht rasch wieder mit Blut, und dadurch mit Sauerstoff versorgt, stirbt das Gehirn ab.

Häufigste Ursache für einen Schlaganfall ist ein Gefäßverschluss, nur in etwa 15 Prozent der Fälle ist es eine geplatzte Arterie. Der häufigere, sogenannte unblutige Schlaganfall wird in der Regel mit blutverdünnenden Medikamenten und mit Hilfe eines Katheters behandelt. Diesen schieben die Ärzte von der Leiste aus bis ins Gehirn und entfernen dort das Gerinnsel, das den Blutstau verursacht hat. Das alles passiert binnen weniger Minuten. Komplizierter wird es bei einem „blutigen“ Schlaganfall. Hier kann eine Operation helfen, bei der Teile der Schädeldecke entfernt werden. Jedoch müssen Nutzen und Risiken im Einzelfall abgewogen werden. Doch was sind überhaupt die Ursachen, die zu einem Schlaganfall führen können? Es sind die üblichen Verdächtigen: Rauchen, Bluthochdruck, Cholesterin, Diabetes, oder Herzrhythmusstörungen – darunter vor allem das Vorhofflimmern, das zur Bildung von Blutgerinnseln im Herzen führen kann und bis zu 30 Prozent aller Schlaganfälle auslöst. Das Problem: „Viele dieser Ursachen tun nicht weh, deshalb werden sie oft zu spät erkannt“, sagt Uwe Schlegel. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle beim Hausarzt besonders wichtig, auch wenn man sich im hohen Alter noch fit fühlt. Herzrhythmusstörungen können zum Beispiel in den meisten Fällen durch die Gabe von Aspirin oder Marcumar beseitigt werden.

Schlaganfall

Kommt es trotz allem zu einem Schlaganfall, kann ein Zögern fatale Folgen haben. „Die einzig richtige Entscheidung ist, sofort und ohne Verzögerung den Notruf zu wählen“, sagt Sabine Skodda. Der Rettungsdienst informiert dann vorab das Krankenhaus, das im besten Fall über eine Schlaganfall-Station, eine sogenannte „Neuro-Stroke-Unit “ verfügt. In Bochum sind das neben dem Knappschaftskrankenhaus auch das St.-Josef-Hospital und das Bergmannsheil.

Andreas Bartel

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4698976/create

Aktuelle Fotos und Videos
19. WAZ-Nachtforum Medizin
Bildgalerie
Fotostrecke
Bluthochdruck - der lautlose Killer
Bildgalerie
Fotostrecke
Intensivmedizin
Bildgalerie
Fotostrecke
Live-Bilder aus dem Darm
Bildgalerie
WAZ-Nachtforum Medizin
Aus dem Ressort
Bei Durchfall Finger weg von Cola und Salzstangen
Gesundheit
Das WAZ-Medizinforum Kindergesundheit informierte über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten bei Durchfall. Die Klinik-Fachärztinnen Dr. Schmidt-Choudbury und Dr. Denisa Pilic gaben Tipps für Eltern und Großeltern.
Durchfall muss nicht harmlos sein
WAZ-Medizinforum...
Durchfall kommt bei Kindern häufig vor. Die Ursachen sind meist harmlos, können aber Folge einer chronischen Erkrankung sein. Aufklärung leistet das WAZ-Forum Kindergesundheit am Donnerstag, 22. September, im Hörsaalzentrum des St. Josef-Hospitals.
Text