Spannende Erzählungen über Hornhaut
30.11.2007 | 17:16 Uhr 2007-11-30T17:16:00+0100
Hornhautverpflanzung - ein neues Fenster für das Auge: Unter diesem Titel erlebte man spannende Informationen über die Hornhaut
Wussten Sie, dass die Hornhaut des menschlichen Auges 150 Jahre alt werden kann? Oder wie eine Transplantation funktioniert? Und wie lange nach dem Tod des Spenders seine Hornhaut noch verwendet werden kann? Und was Papst Benedikt davon hält? - All dies und noch mehr erfuhren rund 150 Besucher beim Start des neuen "WAZ-Nachtforum Medizin" in der Cafeteria des Knappschaftskrankenhauses Langendreer am 27.September 2007.
Zur Premiere der Reihe, von WAZ-Redaktionsleiter Werner Conrad moderiert, wurde die Hornhautverpflanzung als "neues Fenster für das Auge" von vier Experten aus unterschiedlicher Sicht dargestellt. "Sie nehmen teil an einer Premiere," sagte Conrad. Das "WAZ-Nachtforum Medizin", eine Kooperation mit dem Knappschaftskrankenhaus, solle als "Brücke zwischen Medizinern und Bürgern" dienen. Wobei auch Gäste und Patienten zu Wort kommen.
"Windschutzscheibe" des Auges
"Eine Reise in eine ganz ganz neue Welt," versprach Prof. Dr. Burkhard Dick. Der Direktor der Uni-Augenklinik im Knappschaftskrankenhaus verstand spannend zu erzählen: Ein Rückblick galt den heilkundigen und später heilig gesprochenen Zwillingen Cosmas und Damian, anno 289 zu Tode gefoltert, weil sie verdächtigt wurden, Christen zu sein. Auch den Nobelpreisträger Alexis Carrel, der 1910 einem Hund ein Bein transplantierte, erwähnte Dick.
Dann beschrieb er die Anatomie des Auges und seiner "Windschutzscheibe", der Hornhaut. Jährlich werde in Deutschland 5000 mal eine verpflanzt. Erfolgsquote: 90 Prozent. Wie eine Spender-Hornhaut für die Verpflanzung ausgestanzt und später im Auge des Patienten eingesetzt und vernäht wird, zeigte Dick augenfällig per Videofilm. Da hielten Besucher den Atem an. Auch, als Astrid Willert, Fachärztin an der Augenklinik, per Video eine Hornhaut-Transplantation mit Hilfe eines Lasergeräts (Femtosekundenlaser) vorführte.
Mangelnde Spendenbereitschaft
Problematisch, so Prof. Dick, sei die mangelnde Spendenbereitschaft: "6000 Patienten warten in Deutschland auf eine Spenderhornhaut, aber nur acht Prozent der Bundesbürger besitzen einen Organspenderausweis." Jeder Verstorbene sei ein "potenzieller Hornhautspender" - bis zu 72 Stunden nach dem Tod des Spenders könne sie noch entnommen werden.
Nach EU-Recht habe man nur 48 Stunden Zeit, ergänzte Martin Börgel, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation. Pro Jahr würden 1000 Transplantate aus dem Ausland (USA)importiert. Er warb für mehr Spendenbereitschaft.
Ethische Fragen klären
Was die Menschen ängstigt, lotete Theologie-Professor Peter Dabrock (Sozialethik, Uni Marburg) aus: Ist der Organspender wirklich tot? Und: Ist das Entscheidungsverfahren wirklich korrekt oder wird über meinen Kopf hinweg entschieden? Wichtig sei, dass der künftige Spender die Angehörigen in seine Spenden-Entscheidung einbeziehe, um sie in der Stunde seines Todes damit nicht zu überfordern.
"Haben Sie einen Spenderausweis?" erkundigte sich WAZ-Mann Werner Conrad nach dem "nachdenklich stimmenden Vortrag". "Ja", sagte Dabrock, "schon länger." Wie dankbar die Empfänger sind, wurde klar, als zwei Patienten schilderten, wie ihre Sehkraft nach der Hornhaut-Verpflanzung zunahm. Bei Bratwurst und Getränken nahmen sich viele Gäste anschließend Zeit, um mit den Experten zu plaudern.
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