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Der Wettlauf mit dem Tod

11.06.2008 | 13:11 Uhr
Der Wettlauf mit dem Tod

Im Knappschaftskrankenhaus Langendreer ging es am 5.Juni 2008 um die Transplantation von Nieren und Bauchspeicheldrüse.Da fragte das Publikum auch nach Organhandel und Käuflichkeit beim Warten auf eine Spenderniere.

6.6.08 WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer zum Thema Niere. Dr. Peter Schenker und Patient Hermann Blömer. Foto: Michael Korte

Die Fenster der Cafeteria im Knappschaftskrankenhaus Langendreer waren Donnerstagabend malerisch verhängt, damit die Sonne kein Unheil anrichten konnte. Denn so vermochte das Publikum beim WAZ-Nachtforum Medizin besser die Ultraschallbilder auf der großen Leinwand zu erkennen. Die zeigten als Live-Show, was im Körper eines Nierenpatienten gerade los war - drei Wochen nach der Transplantation einer Niere.

6.6.08 WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer Prof. Dr. Viebahn. Foto: Michael Korte

Es sah beruhigend aus. Prof. Dr. Richard Viebahn, Chefarzt der Chirurgischen Universitätsklinik, konstatierte zufrieden: Die neue Niere zeige sich gut durchblutet, besser geht's nicht.

6.6.08 WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer zum Thema Niere. WAZ-Redaktionsleiter Werner Conrad. Foto: Michael Korte

Das freute die vielen Gäste, darunter auch etliche jüngere. Werner Conrad, Redaktionsleiter der WAZ Bochum, steuerte wiederum als Moderator durch das Nachtforum. Gleich zum Auftakt enthüllte er, wie der Steilpass beim Thema "Steilpass Organtransplantation: Neue Niere - neuer Anfang" zu deuten sei. Nämlich analog zum Fußball, wo ein Steilpass in den gegnerischen Strafraum die Wende bringen könnte. Aber, sprach Conrad ein todbringendes Problem an, es seien viel mehr "Steilpässe" nötig, denn die Spendernieren reichen nicht aus.

6.6.08 WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreerzum . Prof. Dr. Bernhard Krämer. Foto: Michael Korte

Den dramatischen Wettlauf mit dem Tod durch Nierenversagen unterfütterte Prof. Dr. Bernhard Krämer, Direktor der Medizinischen Klinik I des Marienhospitals Herne, mit herber Statistik: In Deutschland gibt es rund 70 000 Nierenkranke (und jedes Jahr 5 Prozent mehr), die zur Dialyse (Blutwäsche) müssen, viermal die Woche, jeweils für mehrere Stunden. 10 000 von ihnen stehen auf der Warteliste für eine Spenderniere. Doch nur 3 000 werden pro Jahr transplantiert, weil Nieren fehlen.

Dabei ist man nicht nur auf Lebendspenden angewiesen, die laut Transplantationsgesetz von Nahestehenden wie Partner und Verwandte kommen können. 80 % aller Spendernieren werden Menschen nach ihrem Tod entnommen.

Wie Krämer darlegte, werde bei der Dialyse zwar vorübergehend das Blut gereinigt, aber es gebe "eine enorme Sterblichkeitsrate bei Dialyse-Patienten". Die Lebenserwartung sei ungleich kürzer als bei jenen, denen eine Niere transplantiert wurde, was erst seit 1963 geschieht, im Transplantationszentrum des Knappschaftskrankenhauses Langendreer seit 15 Jahren.

6.6.08 WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer zum Thema Niere;. Oberarzt Andreas Wunsch. Foto: Michael Korte

Wie leidvoll das Schicksal von Dialyse-Patienten sein kann, vertiefte Oberarzt Andreas Wunsch vom Knappschaftskrankenhaus. Die neue Niere sei da wie ein neues Leben. Wunsch schilderte, wie das System mit dem Datenzentrum Eurotransplant in Leiden funktioniert. Wo etwa die Empfänger- und Spenderdaten gemeldet sind. Zu den Wartezeiten bemerkte er, dass Kinder bevorzugt behandelt werden, auch "Patienten mit vielen Antikörpern".

Vielen war neu, dass es mittlerweile gelingt, Nieren zu transplantieren, obwohl die Blutgruppen von Spender und Empänger verschieden sind. Natürlich kam auch die Frage auf, ob Spendernieren nicht auch Sache der Brieftasche sei. Worauf Prof. Viebahn erinnerte, Organhandel sei in Deutschland verboten.

6.6.08 WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreer. Dr. Peter Schenker. Foto: Michael Korte

Über "Ist Zuckerkrankheit heilbar?" sprach Dr. Peter Schenker und damit über die "Volkskrankheit Diabetes", wegen der 5,7 Millionen Menschen in Deutschland in Behandlung seien und wegen der es zu Nierenversagen komme. Er sagte, wie deshalb Bauchspeicheldrüsen transplantiert werden, oft zusammen mit einer Niere. "Wo kommen die Organe her?" - Dieser Frage widmete sich im WAZ-Nachtforum Medizin Prof. Viebahn, bevor er Patienten zu Wort kommen ließ und selbst ein aktuelles Beispiel nannte: Eine Spenderniere aus Klagenfurt sei vor 18 Stunden auf den Weg geschickt und "heute morgen, 4.30 Uhr," dem Empfänger im Knappschaftskrankenhaus implantiert worden.

6.6.08 WAZ-Nachtforum im Knappschaftskrankenhaus Langendreerzum Thema Niere. Patient Marc Hammacher berichtet. Foto: Michael Korte

Vorlagen und Informationen aus den Vorträgen finden Sie hier

Von Rolf Hartmann

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Kommentare
07.06.2008
14:22
Der Wettlauf mit dem Tod
von Geierlein | #1

Auch ich war ein interessierter Zuhörer, warte ich doch selber auf ne Niere und gehöre zu den KfH- Dialysepatienten in der Riemker Cruismannstraße. Leider erfülle ich noch nicht alle Kriterien für die Transplantation - ich muss noch einige Kilos abnehmen. Aber dann hoffe ich auch gute Arbeit vom Team von Prof. Viebahn!

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