Medizin-Studenten aus Bochum zeigen Schülern die Gefahren des Rauchens
29.03.2011 | 16:55 Uhr 2011-03-29T16:55:00+0200
Bochum. Medizin-Studenten der Ruhr-Uni Bochum haben ein Projekt entwickelt, um Schüler vor dem Rauchen zu warnen. Sie zeigen etwa, wie sich Haut, Lunge und Zähne bei Rauchern verschlechtern. „Und deine Zukunft verraucht?!“, ist das Projekt überschrieben.
Assem heute: ein properer Mittzwanziger mit frischem Teint. Assem als Rentner: ein faltenreicher Graukopf mit tief eingefallenen Wangen. Der Computer macht’s möglich: Eine virtuelle Zeitreise dokumentiert, wie sich das Gesicht eines Rauchers im Vergleich zum Nichtraucher binnen 40 Jahren verändert.
Assem Aweimer stand für die Animation nicht zufällig Modell. Es war der Medizin-Student der Ruhr-Universität, der vor drei Jahren mit Kommilitonen ein Anti-Nikotin-Projekt entwickelte. Unter dem Titel „Und deine Zukunft verraucht?!“ zeigt es Schülern die Gefahren des Paffens auf. Nicht im Frontalunterricht. Sondern lebendig, vielfältig, direkt erleb- und erfahrbar.
Projekt hinterlässt Eindruck
Rauchen ist für die meisten Jugendlichen out. Nur noch 13 Prozent der
12- bis 17-Jährigen greifen zur Zigarette. Der historische Tiefstand gibt Anlass zur Freude – aber keinesfalls zum Innehalten. Kampagnen tun weiterhin not, um noch mehr Jungen und Mädchen vor den Folgen des blauen Dunstes zu warnen. Projekte, wie sie die Medizinstudenten der Ruhr-Uni entwickelt haben, sind besonders effektiv. Ohne erhobenen Zeigefinger, dafür plastisch, alltagsnah und multimedial werden Schülerinnen und Schüler von nur wenig älteren Studierenden über die Konsequenzen des Qualmens informiert. Aufklärung auf Augenhöhe: der beste Weg, um die viel beschworene Nachhaltigkeit zu erzielen.
Gut, dass auch die immer beliebter werdende Wasserpfeife entzaubert wird. Deren Gefahren werden allzu häufig unterschätzt.
Jürgen Stahl
Mit Unterstützung von Dr. Jörg Walther, Lungenspezialist am Bergmannsheil, entstand ein einzigartiges Info- und Mitmachkonzept. Viermal wurde es seit 2009 umgesetzt, u.a. für die Goethe- und Hildegardis-Schule. „Über den Erfolg gibt es keine Untersuchungen. Die Rückmeldungen auch im Internet deuten aber darauf hin, dass unser Projekt bei so manchem jungen Raucher Eindruck hinterlassen hat“, weiß Dr. Walther.
Kein Wunder, sind die Darstellungen nicht nur plastisch, sondern mitunter drastisch. Eine präparierte Raucherlunge zeigt die verheerenden Langzeitschäden der Glimmstängel. Ein Messgerät ermittelt den Kohlenmonoxidanteil in der Ausatemluft. Bei Nichtrauchern liegt er bei 1 bis 2 ppm; trauriger Rekord bei einem starken Raucher waren 26 ppm. „Damit steht er auf einer Stufe mit einem Brandopfer“, so Dr. Walther. Zahnfarbtafeln geben Aufschluss, um wie viel gelber und hässlicher die Zähne beim Qualmen werden. Die vorschnelle Alterung der Haut spiegelt die PC-Gesichts-Animation wider.
Bei der fünften Auflage des Präventionsprojekts waren es am Dienstag 90 Berufsschüler des Klaus-Steilmann-Kollegs, die von den Medizin-Studenten über die Risiken des Rauchens aufgeklärt wurden. Erstmals dabei: Ulrich Demes. Nach 35-jähriger „Raucherkarriere“ musste dem krebskranken Bochumer vor 15 Jahren der Kehlkopf entfernt werden. Mühsam erlernte er die Ruktusstimme durch die Speiseröhre. Als Vorsitzender des Bezirksvereins des Bundesverbandes der Kehlkopflosen schilderte er den Berufsschülern gestern sein schweres Schicksal: Minuten, in denen es im Hörsaalzentrum des St. Josef-Hospitals ganz still war.
Wasserpfeifen genauso schädlich wie Zigaretten
Nicht minder gefährlicher als Zigaretten sind Wasserpfeifen. Auch ihnen gilt die deutliche Warnung der Studenten. „Die Shisha, meist mit Fruchtaromen, wird bei Jugendlichen immer beliebter. Viele glauben, sie sei unschädlich. Ein verhängnisvoller Irrtum“, betont Dr. Walther. Das Wasser diene nicht der Filterung, sondern allein der Abkühlung. „Die giftigen Inhaltsstoffe werden ungefiltert aufgenommen – darunter Glyzerin, das auch zur Verwendung von Handcreme verwendet wird und bei der Wasserpfeife als Feuchthaltemittel dient. Ekelhaft“, schüttelt sich der Facharzt.
Anfragen für das Anti-Rauch-Projekt gibt es reichlich. „Mehrere Schulen auch in Witten oder Dortmund haben Interesse“, berichtet Studentin Ricarda Wüstefeld. Doch mehr als zweimal im Jahr sei der Info-Tag nicht zu stemmen. „Wir müssen dazu die Semesterferien nutzen.“ Die Bochumer Kommilitonen hoffen deshalb, dass auch andere Revier-Unis einsteigen. „Bedarf gibt es allemal.“

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