Mahnung an uns alle
09.11.2008 | 17:37 Uhr 2008-11-09T17:37:00+0100Über 200 Menschen nahmen an der zentralen Gedenkfeier in Erinnerung an die Zerstörung jüdischer Einrichtungen vor 70 Jahren teil
Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz betonte in ihrem Grußwort, wie wichtig es sei, sich auch nach 70 Jahren an die „Schandtaten der Faschisten” zu erinnern und die richtigen Lehren daraus zu ziehen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 waren überall im Deutschen Reich die Synagogen in Brand gesteckt und 30.000 jüdische Mitbürger verhaftet worden.
Verantwortung bewusst
„Wir haben aus der Geschichte gelernt”, so Ottilie Scholz, die auf die starken Proteste in Bochum gegen die NPD-Demo vor zwei Wochen verwies: „Wir sind uns unserer historischen Verantwortung bewusst.”
Eine Bereicherung
Die Gedenkstunde fand am Dr.-Ruer-Platz am früheren Standort der Synagoge unter Beteiligung des Chors der Jüdischen Gemeinde und des Rabbiners Dr. Moshe Navon statt. Sie wurde einmal mehr vom Kinder- und Jugendring koordiniert. Eine Schülerin der Hermann-Gmeiner-Schule verwies auf den ausgeprägten multikulturellen Zuschnitt ihrer Schule. „Der Kontakt und die Begegnung mit Kindern und Jugendlichen verschiedener Religionen und Nationalitäten ist für uns alle eine Bereicherung!”, stellte sie fest.
Überlebender des Holocaust
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Grigory Rabinovich, begrüßte mit bewegenden Worten Alfred Salomon unter den Zuhörer - Salomon, der das KZ überlebt hat, ist heute das letzte verbliebene Mitglied der alten Bochumer jüdischen Gemeinde.
Juristische Aufarbeitung
Die Gedenkrede hielt Dr. Ingrid Wölk vom Zentrum für Stadtgeschichte zum Thema „Und jetzt will es keiner gewesen sein - die Pogromnacht und ihre juristische Aufarbeitung in der Nachkriegszeit”. Die Historikerin wies nach, dass der Terror des 9. November 1938 zentral verordnet war, und dass keiner der lokalen Täter in den Bochumer Ermittlungen zu den Pogromen 1946-1949 zur Verantwortung gezogen wurde. „Was bleibt, ist Ratlosigkeit”, stellte Wölk angesichts des kollektiven Verdrängens der Nachkriegsjahre fest.
Erinnerungskultur pflegen
Aber auch dies sei gewiss: Die Erinnerungskultur und die Aufarbeitung der NS-Geschichte hätten gerade in den letzten Jahrzehnten viel bewegt. Die Einweihung der neuen Synagoge vor einem Jahr habe gezeigt, dass man auch in Bochum auf dem Weg hin zu einer neuen Normalität jüdischen Lebens in der Gesellschaft weit gekommen sei.

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