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Literatur sucht Superhelden

22.06.2010 | 17:06 Uhr
Literatur sucht Superhelden
Patrick Strattners Superheld

Bochum.Die neueste Ausgabe des Bochumer Magazins Macondo widmet sich eindrucksvoll dem Thema „Helden“. 33 Autoren und 16 Fotografen beschäftigen sich auf 108 Seiten mit diesem ewig aktuellen Thema.

Haben Helden gerade Konjunktur? In Zeiten der Weltmeisterschaft etwa, wo ein einziger versenkter Ball über die Gemütslage ganzer Nationen entscheidet? Nein, trotzdem nicht, muss festgestellt werden. Denn Helden gab und gibt es schon immer. Und die Literatur hat sich immer mit ihnen beschäftigt. Das beginnt bei den Homer'schen Heldenepen und endet noch lange nicht bei den gezeichneten Superhelden der Comicwelten. Von den vielen Maulhelden des medialen Alltagsmülls mal ganz abgesehen.

Neuer Einsenderekord

Grund genug also, dass sich die von Petra Vesper und Frank Schorneck in Bochum herausgegebene Literaturzeitschrift Macondo diesem Sujet widmet. Die Edition 23 des publizistischen Liebhaberstückes präsentiert auf 108 schwarz-weiß gehaltenen Seiten Prosa, Lyrik und Fotografien zum Thema, dazu wieder einen umfangreichen Serviceteil mit Rezensionen zu Belletristik, Bildbänden, Kinderbüchern und Hörbüchern.Die ungebrochene Popularität der Helden sorgte für einen neuen Einsenderekord. Über 400 Zuschriften erhielt das Herausgeberpaar, darunter sogar welche aus China, Argentinien, Russland und Japan. Versammelt sind nun 33 Autoren und 16 Fotografen mit höchst differenzierte Herangehensweise an das Thema.

Spiderman im Supermarkt

Schon das Cover wirft ein schräges Licht auf den Helden. Spiderman, ansonsten permanent dem großen Druck der Verantwortung ausgesetzt, die große Macht nun einmal mit sich bringt, macht es sich vor der Glotze gemütlich. Mit Snacks und einem Bier. Patrick Strattner hat mit „just a hero“ eine Bilderstrecke geschaffen, die den Superhelden in langweiligen Alltagssituationen zeigt: Beim Kauf von Tiefkühlpizza, beim Rauchen und in der Badewanne. Damit illustriert er auch glänzend die Tatsache, dass viele der Autoren ihre Helden im Alltag oder in der Familie finden. „We can be Heroes - just for one Day“, wusste dazu ja schon David Bowie.

Neben literarischen Debütanten ist auch wieder ein Schwergewicht vertreten. Der Hamburger Autor Frank Schulz, Autor der titanischen Hagener Trilogie hat eine Kurzgeschichte beigesteuert, die ursprünglich für sein letztes Buch „Mehr Liebe - Heikle Geschichten“ geschrieben wurde. Held darin ist, wenn man so will, ein Punkrocksong.

Echte Helden

Doch auch „echte“ Helden feiert das Magazin. So sind Fotos des Friedensnobelpreisträgers Nelson Mandela zu sehen, die der südafrikanische Fotopionier Jürgen Schadeberg schon in den 50er-Jahren vom jungen Anwalt gemacht hatte, genauso wie sein berühmtes Porträt, das den 1994 frei gewählten Präsidenten beim Besuch in dessen langjähriger Gefängniszelle auf Robben Island zeigt.

Seine öffentliche Präsentation in Bochum erfährt das Heft - wie könnte es anders sein - in jener Woche, in der die Stadt „Local Hero“ des Kulturhauptstadtjahres ist. Am 14. Juli,wird es eine Präsentation in der Rotunde des Katholikentagsbahnhofs direkt am Bermudadreieck geben.

Tom Thelen

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