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Literatur kommt auf Zehenspitzen daher

16.08.2011 | 16:25 Uhr
Literatur kommt auf Zehenspitzen daher
Die Rotunde/ehemaliger Katholikentagsbahnhof ist Schauplatz der Reihe Macondo - Die Lust am Hören.

Bochum. Die verdienstvolle Reihe Macondo - Die Lust am Hören bot mit dem Schweizer Schriftsteller Daniel Zahno am Montagabend einen alten Bekannten als Lesegast auf.

Zahno, der zuletzt für seinen Debütroman „Die Geliebte des Gelatiere“ viel Beifall bekam, hatte schon vor Jahren, als er noch nicht bekannt war, literarische Texte zu den Bochumer Macondo-Heften beigesteuert, wie Her-ausgeber Frank Schorneck vor Beginn von Zahnos Lesestunde in der Rotunde/Katholikentagsbahnhof verriet.

Der 1963 geborene Zahno lebt und schreibt in Basel und New York. Der Durchbruch gelang ihm 2009 mit „Die Geliebte des Gelatiere“, der melancholisch-schwebenden Geschichte des venezianischen Eismachers Alvise. „Alle lieben Alexia“, sein aktuelles Buch, stellte der Autor am Montagabend vor.

„Alle lieben Alexia“ ist ein mosaikartiger Novellen- und Erzählband, der einen Reigen um acht Männer spannt, die alle dieselbe Frau, besagte Alexia, lieben. In acht Episoden entführt Zahno seine Leser/Zuhörer in Opernproben und Träume, in Gefängniszellen und in die Gedankenwelt jener Romantiker, die an die Liebe auf den ersten Blick glauben. Dabei, wen wundert’s, werden vorrangig männliche Befindlichkeiten und Unsicherheiten gespiegelt, weniger das Porträt der besungenen Frau gezeichnet.

Zahnos Literatur kommt auf Zehenspitzen daher, das ist keine lautstarke Prosa, vielmehr ein behutsames Tasten durch perfekt geharkte Satzgärten. Der Autor beherrscht das Spiel der Andeutungen und Verweise, es erklingen acht Stimmen über Alexia, die sich über das Mysterium des Künstlertums ebenso auslassen wie über grüblerische Nächte im Dunkeln des leeren Zimmers, als die geliebte Frau offenbar gerade bei einem anderen im Bette weilt.

Zahno erzählt charmant und raffiniert, man hört ihm gerne zu, aber man würde sich auch wünschen, dass er beim Verfassen seiner kunstvollen Prosa etwas mehr Blut in der Tinte gehabt hätte. Auch wegen des Singsangs des Vorlesers geriet der Leseabend am Ende leicht ermüdend.

Jürgen Boebers-Süßmann

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