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Kein Raum für die Kunst

29.08.2009 | 15:00 Uhr

Anne Ulrich konnte schon nach einem Jahr die Kosten für die Galerie „art_reservart” nicht mehr stemmen.

Weitmar-Mark. Eine Galerie für Menschen, die künstlerisch aktiv sind, dies jedoch nicht vermarkten wollen, sollte die Galerie „art_reservat” sein. Dieses Ziel setzte sich Künstlerin Anne Ulrich, als sie im Frühjahr 2008 den „Laden” im Einkaufszentrum des Stadtteils an der Karl-Friedrich-Straße eröffnete. Der Name war damit zugleich Programm für das Projekt. Zum 1. August schloss Ulrich die Galerie, in der es Kunst zu sehen, aber nicht zu kaufen gab.

„Ich hätte gerne weitergemacht, wenn jemand mit eingestiegen wäre”, erklärt Ulrich nun nachträglich, „Ich konnte die Kosten aber nicht mehr allein stemmen.” Das Geld für etwa zwei bis drei Urlaube habe sie in das Projekt eingebracht.

Zum Konzept hinter „art_reservat” steht die studierte Künstlerin und Designerin trotzdem auch heute noch. „Für künstlerische Arbeiten braucht es Orte, an denen man seine Werke einem Publikum vorstellen können, ohne dafür gleich einen Markt finden zu müssen”, beschreibt sie. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Künstler unter Produktionszwang gerate. Folge: nicht die Arbeit und dessen Botschaft würden das Maß der Dinge, sondern der Geschmack der Kunden. Die Künstlerin zog daraus auch ihre eigene Konsequenz: ihren Lebensunterhalt verdient sie durch Arbeit in einer Behörde.

Ulrich entwickelte infolgedessen gerne die Ausstellungen, die sie in den letzten 18 Monaten in dem Raum zeigte. Die erste hatte im November 2008 das Thema „Naive Malerei”. In 2009 folgten eine Fotopräsentation sowie zwei Bildausstellungen. Zuletzt war das die Werkschau von Pfarrer Ingo Menzler aus Oberdahlhausen zum Thema „Bildwechsel”.

„Alle Künstler konnten ihre Arbeiten so präsentieren, wie sie wollten”, blickt Ulrich zurück. „Ich stellte nur den Raum zur Verfügung, von denen es viel zu wenige gibt.” Für sie war es dabei immer wieder ein Erlebnis, wie sehr der Raum selbst sich dadurch veränderte. Spannend fand sie zudem, dass durch die Ausstellungen, Kunstschaffende zum einem Netzwerk fanden. Sie profitierte selbst davon, als sie Anfang Mai zusammen mit Textilgestalterin Katherine Tinteren-Klitzke und anderen an der Ausstellung für textile Kunst „Fadenlauf” in Essen-Kettwig teilnahm.

Die Arbeiten dafür - Bilder und textile Objekte - fertigte Ulrich ebenfalls im „art_reservat” an und gestaltete damit immer wieder das Schaufenster. Die Bürger im Stadtteil schauten ihr damit beim Werkprozess durch das Fenster zu und kommentierten die Arbeiten. „Zwei ältere Frauen würdigten beispielsweise die Qualität meiner handwerklichen Technik, als sie die zusammengenähten und gefüllten Objekte betrachteten”, erinnert sie sich. Andere hatten nur ein Kopfschütteln dafür übrig. Die meisten aber waren neugierig, was da in dem Laden geschah, und suchten das immer wieder Gespräch mit ihr. „Mein Laden gehörte damit am Ende mit zur Einkaufspassage”, lacht Ulrich. WH

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