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Hier spielt die Farbe mit hinein

06.02.2012 | 12:33 Uhr
Hier spielt die Farbe mit hinein

Weitmar.  Im Klaviergarten des Evangelischen Familienzentrums sitzen schon Dreijährige an den Tasten

23 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren spielen seit Dezember Klavier in der „Matthäus-Kindertagesstätte - Evangelisches Familienzentrum Weitmar“. Damit sollen im Rahmen des Musikprojekts „Klaviergarten“ jedoch nicht die Klaviervirtuosen von morgen – so wie Mozart – gefördert werden.

„Nein!“, erklärt Einrichtungsleiterin Sylvia Sprung lachend. „Im Zentrum dieses ganzheitlichen Bildungsansatzes steht vielmehr die spielerische Beschäftigung mit Musik“, erklärt sie. Mit Hilfe von Fachberaterin Dagmar Reuter, Evangelische Kindergartengemeinschaft im Kirchenkreis Bochum, und der Folkwang Hochschule für Musik in Essen brachte sie das Projekt auf den Weg. Das Klavier von der Firma Bechstein sponserte zudem Mercedes Lueg.

„Das Klavier-Festival Ruhr holte das Konzept unter dem Titel „Little Piano School“ 2006 ins Ruhrgebiet“, so Sprung weiter. Unterstützt von der Folkwangschule, die das Konzept zuerst nutzte und dabei auch Anleiterinnen ausbildete, wächst nun der Bekanntheitsgrad. Kim Monika Wright, eine italienische Klavierpädagogin amerikanischer Abstammung, entwickelte es.

In der Praxis sieht dieses spielerische Kennenlernen von Musik so aus: Anleiterin Alexandra Chernitysna kommt zwei Mal pro Woche einen Vormittag lang in die Einrichtung und leitet vier Kleingruppen nach dem Konzept an. Das Familienzentrum gibt einen Raum dafür frei. Die Eltern der Kinder übernehmen die Kosten.

Chernitysna bereitet den Raum zwischen den einzelnen Gruppenstunden vor. Sieben Bären mit verschieden farbigen Schleifen auf ebenso farblich abgesetzten Stuhllehnen erwarten die Kinder. Farbige Punkte auf den Klaviertasten nehmen zudem die Farben der Schleifen und Stuhllehnen auf. „Diese Farben stehen für die Tonleiter mit „Do, Re, Mi, Fa, So, La, Si, Do“, erklärt die 30-jährige Anleiterin. Dann kommen schon die vier Dreijährigen, Oskar, Finia, Julian und Levin, in den Musikraum. Sie zeigen der gebürtigen Russin, die Musik auf Lehramt in Dortmund studiert, dabei fröhlich ihre ebenfalls bunt lackierten Fingernägel. „Das Rot ist bei mir abgegangen“, erklärt Oskar ungeduldig und möchte das am liebsten sofort erneuert bekommen. „Rot steht für das „Do“, betont Chernitysna.

Mit der Tonleiter beginnt es auch, nachdem die Kinder sich ihre Bärenfreunde ausgesucht und hingesetzt haben. Chernitysna spielt die Töne auf dem Klavier und die Kinder singen die Tonhöhen in ihrer Reihenfolge mit. Weitere Elemente des spielerischen Umgangs mit der Musik folgen: Die Kinder springen und errennen ihre Musik auf bunten Teppichquadraten. Sie spielen die Töne – einer nach dem anderen - selbst auf dem Klavier nach. Die bunt lackierten Fingernägel kommen nun zum Zuge: Mit dem jeweils passenden Finger lassen die Kinder konzentriert die Töne erklingen.

Wicho Herrmann

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