Gedenken an Heimatdichter Heinrich Kämpchen
02.03.2012 | 13:50 Uhr 2012-03-02T13:50:00+0100
Linden. Vor 100 Jahren starb der Bergmann, Heimatdichter und Streikführer Heinrich Kämpchen in Linden. Etwa 3000 Menschen nahmen damals an dem Trauerzug des verstorbenen Bergarbeiterdichters in Linden teil.
Vor 100 Jahren, am 6. März 1912, starb der Bergmann und Heimatdichter Heinrich Kämpchen . Etwa 3000 Menschen nahmen an dem Trauerzug des verstorbenen Bergarbeiterdichters in Linden teil.
Heinrich Kämpchen entstammte einer alten Bergmannsfamilie, wurde am 23. Mai 1847 in Essen-Burgaltendorf geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er dort. Eine große Liebe verband ihn mit seiner Großmutter, von der er in die regionale Märchen- und Sagenwelt eingeweiht wurde. In vielen seiner Gedichte klingt das immer wieder an.
Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts verzog die Familie Kämpchen nach Linden-Dahlhausen. Der Vater wurde „gewerkschaftlicher“ Obersteiger auf der Zeche Maria Anna und Steinbank im benachbarten Höntrop. Heinrich Kämpchen besuchte wohl die Volksschule in Eppendorf. Später ließ ihn sein Vater zusätzlich durch einen Privatlehrer unterrichten.
In Dahlhausen begann dann auch für Heinrich Kämpchen sein Berufsleben als Bergmann auf der Zeche Hasenwinkel, die sich ab 1864 im Umbruch vom Jahrhunderte alten Stollenbetrieb zur modernen Tiefbauzeche befand. Der junge Heinrich Kämpchen erlebte so auch den sozialen Absturz des mit staatlichen, „königlichen“ Privilegien ausgestatteten und sozial abgesicherten, wohlangesehenen Bergmannes zum industriellen Bergarbeiter.
Kämpchen hat sich schon früh mit diesen Fragen befasst und das in Gedichten zum Ausdruck gebracht. 1889 wurde er so beim großen Bergarbeiterstreik einer der Streikführer und Belegschaftsdelegierter der Zeche Hasenwinkel. Nach diesem Streik wurde er gemaßregelt, kam auf die schwarze Liste der Behörden und der Zechenbesitzer und fand keine Arbeit mehr. Bis zu seinem Tode lebte er in Linden von einer kärglichen Knappschaftsrente und von kleinen Honoraren für abgedruckte Gedicht.
„Seid einig ... „ rief der sterbende Heinrich Kämpchen seinen Kameraden vor Beginn des Streiks 1912 zu, als die Bergarbeiterschaft in verschiedenen Richtungsgewerkschaften zerstritten war. Noch auf dem Sterbebett diktierte er Freunden „Seine letzte Mahnung“. Darin beschwor er nochmals die Bedeutung der Solidarität unter den Arbeitern. Wenige Tage später, am 11. März 2012, begann der große Bergarbeiterstreik im Ruhrgebiet, bei dem mehr als 200 000 Streikende die Arbeit niederlegten.
Am 6. März 1912 starb Kämpchen. Er wurde unter riesiger Anteilnahme der Bevölkerung und seiner Ruhrkumpel auf dem katholischen Friedhof in Linden an der Nöckerstraße beerdigt. Etwa 3000 Menschen nahmen an dem Trauerzug teil.
Über sein privates Leben ist nur wenig bekannt. Kämpchen lebte eher zurückgezogen und seiner kargen Rente geschuldet auch sehr einfach in seiner Dachgeschosswohnung an der Dr.-C.-Otto-Straße. Er blieb wegen einer unglücklichen Liebe Junggeselle.
Auch 100 Jahre nach seinem Tod ist Kämpchen noch im Stadtteil präsent: An ihn erinnern die Heinrich-Kämpchen-Straße, sein Grabmal auf dem Friedhof an der Nöckerstraße, die Heinrich-Kämpchen Schule, eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus Kämpchens, Dr.-C.-Otto-Straße 46, und an der Hasenwinkeler Straße eine Tafel auf dem Bergbauwanderweg, die an den Schacht Golgatha erinnert. Ihm widmete Kämpchen ein Gedicht, das sich auf der Informationstafel mit einem Bild des Autors wiederfindet.

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