Die Sicht des Menschen
15.07.2011 | 14:33 Uhr 2011-07-15T14:33:00+0200
Linden. Gemeinsame Ausstellung zeigt ganz unterschiedliche Ansätze und Perspektiven im Atelier kgt
„Jede/jeder von uns stellt ihre/seine künstlerische Sichtweise auf den Menschen dar.“, betont Künstlerin Karin Templin-Glees zur Ausstellung „menschKunstmensch” in ihrem Atelier ktg. Diese zeigt neben eigenen Arbeiten der Künstlerin auch Werke der Maler Gosia Richter aus Köln und Jens Hunger aus Berlin. Alle drei wirken in der 2009 gegründeten Künstlergruppe „crossart“ mit, die derzeit 227 Mitglieder in Deutschland hat.
Was aber zeichnet einen Menschen aus? Für Richter ist das vor allem dessen Körper, den sie mal als Portrait, mal als Akt darstellt. Das Besondere bei ihr liegt in der Präsentation und am Material. So erfolgt der Blick auf ihre Arbeiten – als Voyeur - wie durch ein Schlüsselloch, weil die Bilder sehr klein gehalten sind und ein dicker, nach außen gewölbeter Rahmen sie einfasst. Dann wieder schweben ihre auf die weiblichen und männlichen Grundstrukturen reduzierten Figuren fast, da sie rahmenlos an einem Gitter hängen. „Meine Personen erhalten so zusammen mit dem verwendeten Material mehr Plastizität“, erklärt Richter dazu.
Die Künstlerin nutzt ein Spezialpapier für ihre Arbeiten. Dort ritzt sie ihre Figuren und deren Ausformung hinein. Der Clou ist dann, dass sie das Papier von hinten mit bordeaux-roter Pigmentfarbe bemalt. Das fertige Bild präsentiert damit nur die Konturen der menschlichen Figur.
Die Arbeite
Die Ausstellung der drei unterschiedlichen Positionen im Atelier ktg, Hattinger Straße 689, ist bis Samstag, 30. Juli, zu sehen. Öffnungszeiten sind freitags von 18 bis 20 Uhr und am Samstag von 18 bis 21 Uhr, eine Besichtigung ist möglich nach Vereinbarung unter 58 61 964.
n von Hunger, die sich stilistisch dem Surrealismus und der Popart annähern, sind da plastischer. Auch das Material ist vielfältiger, reicht von Ölfarbe bis hin zu Feder, Tusche und Filzstift. Gleichwohl stellen sich auch seine Werke dem Betrachter entgegen, indem sie etwa durch symbolhaft verwendete Tiere Eigenschaften des Menschen darstellen. So zeigt das Bild „Die heilige Familie“ zahlreiche Affen, die den Betrachter eingehend beschauen. Damit spiegelt es die menschliche Sensationslust, wie sie vor allem bei Großveranstaltungen erlebbar ist. „Mich interessiert die innere Beschaffenheit des Menschen“, erklärte Hunger dazu.
Templin-Glees widmet sich wiederum in Ausschnitten dem menschlichen Körper, wie auf den ersten Blick die Arbeiten Akt I bis III sowie „menschlich“ zeigen. Nachdenklich stimmt jedoch, warum ein in Rottönen gehaltener Bauchnabel das Zentrum eines Torso ist oder auch ein in braun-grau gehaltener Kopf abgebildet ist. „Ich setze mich mit Leben und Tod auseinander“, begründet die Künstlerin. So wird der Bauchnabel quasi zum Nabel zur Welt, indem symbolhaft die Geburt zum Ausdruck kommt. Der Kopf thematisiert das Welken im Alter.
Die Vernissage eröffnete Autor und Grafiker Wolfgang Sternkopf mit Lyrik aus seinen Büchern. Sternkopf näherte sich gleich mehrfach den ausgestellten Arbeiten an. Er trug Gedichte vor, die sich mit menschlichen Eigenschaften auseinandersetzen. Seine Lyrik bringt er häufig grafisch zu Papier, so dass dabei auch symbolhaltige Bilder entstehen. Deutlich wurde das beim Gedicht „Vorstellung“. „Ich bin gespannt, wie wir uns finden“ hieß es da. Gemünzt auf die Ausstellung heißt das: „Wie finden wir das, uns mit uns konfrontiert zu sehen?“

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