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Kirchengeschichte

Dank am lebendigen Altar

01.07.2011 | 14:02 Uhr
Dank am lebendigen Altar

Weitmar.  Pfarrer Theo Schwens hielt den traditionellen Gottesdienst zum Heimkehrer-Danktag in Heilige Familie

Jedes Jahr am Dreifaltigkeitssonntag treffen sich die Kriegsheimkehrer und ihre Angehörigen in ihrer Kirche in Weitmar, um der glücklichen Rückkehr vor allem aus der damaligen Sowjetunion zu gedenken und auch die in ihr Gebet einzuschließen, die dort den Tod fanden.

So wollte es Pfarrer August Halbe, der nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft in die Gemeinde St. Franziskus Weitmar diesen Plan mit seinen Freunden fasste. Mit großem Einsatz wurden die Voraussetzungen zur Realisierung dieser Idee geschaffen. 1959 wurde die Heimkehrer-Dankeskirche von Ruhrbischof Franz Hengsbach eingeweiht. Sie war gleichzeitig die Kirche für eine neue Gemeinde, der man den Namen der „Heiligen Familie“ gab. Dieser soll an die Heimkehr aus Ägypten erinnern.

Pfarrer Theo Schwens war von 1992 bis 2002 dort Pfarrer. Nach seiner Pensionierung wurde er Pfarrer im besonderen Dienst mit dem besonderen Auftrag des Bistums, sich weiter um die Heimkehrer und ihre Kirche zu kümmern. Dieser Pflicht kommt er auch von Gelsenkirchen aus nach. Er wolle das Erbe des ersten Pfarrers August Halbe, so schildert er, auch weiterhin würdig pflegen.

Am Rande
Führungen

Die Besichtigung der Kirche und der Krypta ist an jedem Sonntag nach dem Gottesdienst ab 11 Uhr möglich. In der Krypta befindet sich die Gedenkstätte mit einem kleinen Museum mit Gegenständen, die die Heimkehrer aus der Gefangenschaft mitgebracht haben. Alfons Stiewe,  47 15 25, und Christian Herker  47 34 53, bieten nach Rücksprache Führungen an.

Er feierte am Dreifaltigfaltigkeitssonntag traditionell mit den Heimkehren und der Gemeinde ein feierliches Dankamt, das vom Kirchenchor der Gemeinde musikalisch gestaltet wurde. Die Zahl der Heimkehrer ist gegenüber dem ersten Danktag 1960 natürlich kleiner geworden. Damals kamen noch 5 000 Menschen aus der ganzen Bundesrepublik. Die meisten von ihnen sind inzwischen verstorben oder in einem Alter, das eine weite Reise nicht mehr zulässt. Aber diejenigen, die eben noch können, sind nach wie vor dabei, so auch in diesem Jahr. 250 waren mit ihren Angehörigen angereist, teilweise schon mit den Enkeln und über weite Strecken. Pfarrer Theo Schwens begrüßte sie herzlich. „Sie sind hier keine Gäste. Das ist ihre Kirche. Sie haben die Kirche vor mehr als 50 Jahren erbaut. Sie sollen sich in dieser Kirche weiter wohl und zuhause fühlen.“

Mit der Heimkehrer-Dankeskirche besitzt Bochum einen deutschlandweit einzigartigen Sakralbau. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 war die Kirche spirituelle Kulturtankstelle im Bistum Essen. Sichtlich beieindruckt besuchte auch der neue Essener Bischof Franz-Josef Overbeck im Dezember die Kirche. Auch er kennt inzwischen August Halbe, den Initiator des Baus, und auch die Baugeschichte. Pfarrer August Halbe wollte – so formulierte er es damals – einen „lebendigen Dankaltar“ für die aus zweiten Weltkrieg zurückgekehrten Kriegsteilnehmer errichten. Und die Jugend soll nach dem Willen des Bistums dieses Generationenerbe weiter tragen.

Auch die Jugend des ganzen Bistums soll an das Erbe von August Halbe lebendig herangeführt werden. Dafür soll das Jugendpastorale Zentrum „Lichtblick“ in der Gemeinde in enger Kooperation mit den Verantwortlichen, zu denen vor allem Alfons Stiewe gehört, sorgen. „Lichtblick“ organisiert zur Zeit die große Diözesanwallfahrt der Jugend am 8. Oktober.

Gisbert Frömgen

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