Blick in die Zukunft des Waldes
16.01.2010 | 10:00 Uhr 2010-01-16T10:00:00+0100
Bei der traditionellen Begehung im Chursbusch erläutert Stadtförster Marcel Möller die geplanten Pflegemaßnahmen.
Lutz Tomala
Linden. Über Stock und Stein ging es bei der traditionellen Waldbegehung der Bezirksvertretung in Linden. Bei tief stehender Sonne und Tauwetter trafen sich Politiker, aber auch Interessierte an der Ferdinand-Krüger-Straße/Ecke Laarmannstraße. Die Führung übernahm Stadtförster Marcel Möller, leicht als solcher zu erkennen an der waldtauglichen Kleidung. „Ziel der Begehung ist es, Ihnen die geplanten Maßnahmen näherzubringen”, leitete er die Begehung ein.
Geplant ist eine komplette Durchforstung des Chursbusches in diesem Jahr. „Dabei sind wir natürlich vom Wetter abhängig”, räumte Möller ein, „wenn die Bäume früh austreiben und die Vögel schon zu brüten beginnen, können wir erst im Herbst anfangen”. Anfangen, womit? Durchforstung hat das Ziel einen gepflegten, artenreichen Wald zu schaffen. Dafür ist es nötig, kranke Gewächse – oder solche, die andere stören – zu fällen. Auch Bäume, die den Verkehr an der Ferdinand-Krüger-Straße oder Spaziergänger gefährden, müssen weg.
Für den ausführenden Technischen Dienst waren an den Bäumen schon weiße und rote Markierungen angebracht. „Weiß sind die so genannten Zukunftsbäume”, führte Möller aus, „die sollen noch 20 bis 100 Jahre stehen bleiben”. Die Roten sollen gefällt werden. „Diese zwei Lärchen sind zwar völlig gesund”, meinte Möller auf die Nadelbäume deutend, „aber weil sie diesen Zukunfts-Ahorn stören, müssen sie weg”. Kranke Gehölze machen im Chursbusch nur etwa fünf Prozent aus.
Auch so genannte Lichtschächte müssen geschaffen werden. Damit nicht nur lange, dünne Buchen mit kleiner Krone im Wald stehen, muss auch Sonnenlicht bis zum Boden vordringen. Um die dort sprießenden Pflanzen muss man sich aber auch kümmern. „Dort hinten am Gegenhang mussten wir jede Menge Brombeersträucher wegnehmen”, berichtete Möller.
So wird nicht nur versucht die Vielfalt im Wald zu erhalten, sondern auch Strukur hineinzubringen. Ein Mischwald mit Eichen und Buchen ist das Ziel. Dabei wird in großen Zeitmaßstäben gedacht. „So einen schönen Waldrand zu schaffen kann schon mal 100 Jahre dauern.”
Eigentlich sollte die Durchforstung schon im letzten Jahr beginnen, „aber der Technische Betrieb war noch mit einer anderen Aufgabe beschäftigt”, so Möller. Sobald es aber in diesem Jahr losgeht, sollen die Stämme der gefällten Bäume größtenteils aus den Wäldchen geborgen werden. „Wo ein Abtransport über die vorhandenen Wege nicht möglich ist, müssen sie halt liegenbleiben”, so Möller, ein wenig Totholz im Wald sei immer gut.
Aber nicht nur der Wald liegt dem Förster am Herzen, auch um die Sicherheit der Fußgänger ist er bedacht. „Diese morschen Bäume direkt am Wegesrand müssen natürlich weg”, meinte er, allerdings gebe es in manchen Spechthöhlen, so dass nicht unbedingt alle gefällt werden könnten. Auch die Sitzbänke sollen erneuert werden um den Chursbusch zu einem vollwertigen Naherholungsgebiet zu machen.
Mit viel Interesse folgten die Bezirksvertreter den Ausführungen Möllers und stapften durch nassem Schnee und Unterholz. Zur Belohnung gab es am Ende der Waldbegehung auch eine kleine Stärkung. Neben einem kleinen Feuer konnten sich die Wanderer mit Gulaschsuppe, Tee und Kaffee wärmen. Besonders Interessierte folgten dem Förster hinterher noch zur Brücke an der Aar. Die ist nach ihrer Erneuerung nun endlich wieder begehbar.

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