Lesen lernen in der Hasenschule in Bochum

Lehrerin Hanna Klusmeier überprüft die Lesefähigkeiten ihres Schülers Hristo.
Lehrerin Hanna Klusmeier überprüft die Lesefähigkeiten ihres Schülers Hristo.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Kinder lernen mit Fingerzeichen, die zu Buchstaben gehören. Sonderpädagogin entwickelte frühen Förderunterricht als Hilfe vor der Nachhilfe.

Bochum.. Lange war nicht klar, was Fabian fehlt. „Rückblickend habe ich es eigentlich schon früh gemerkt. Fabian hat nie gerne Geschichten gehört“, sagt seine Mutter Isabelle Schmitz.

Seit der dritten Klasse besucht er wegen einer Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) die Hasenschule in Steinkuhl. Der Zwölfjährige lernt hier flüssiges Lesen und übt die Schönschrift. „Das ist wichtig für die Schule, um bessere Noten zu bekommen“, weiß er selbst.

In der Hasenschule unterstützen ihn Schulleiterin Andrea Bürkner (51) und ihr Team, das aus zwei hauptamtlichen Lehrkräften und vier Ehrenamtlichen besteht. „Viele Kinder kriegen das Zusammenbinden der Silben nicht hin. Welche Schwierigkeiten das Kind hat, ermitteln wir in einer Lernstandserhebung“, sagt Bürkner. Sie höre dabei viel auf das Mutterherz. Oft wisse eine Mutter schon früh, wenn es bei ihrem Kind in der Schule nicht gut laufe, weiß sie.

Leseförderung seit 2011

Die gemeinnützige Hasenschule in Bochum, die sich hier seit 2011 der Leseförderung widmet, aber auch Rechtschreiben und Rechnen unterrichtet, ist eine von sechs ihrer Art in Deutschland. Die Idee einer besonderen Leseförderung stammt von der Sonderpädagogin Katrin Rabanus. Herzstück der Rabanus-Methode sind die so genannten Fingerzeichen in Anlehnung an die Gebärdensprache des Essener Lehrers Franz Joseph Koch. Zu jedem Buchstaben-Laut gehört ein Fingerzeichen. „Die Kinder benutzen die Fingerzeichen als Krücke“, sagt Bürkner.

Kinder mit Leseproblemen sind keine Seltenheit. Die so genannte Iglu-Studie (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) ergab 2006, dass in Deutschland 34,8 Prozent der Grundschüler zumindest Leseschwierigkeiten haben, 12,5 Prozent sind leseschwach, sie können auch einfache Texte nicht flüssig lesen. Die Forscher stellten fest, dass leseschwache Kinder häufiger Gewalterfahrungen in der Schule machen.

Ängstliche Grundhaltung durch Leseschwäche

Sie vermuten, das liegt daran, dass Kinder durch Leseprobleme Misserfolge erleben und darum eine ängstliche Grundhaltung einnehmen, die sich auch in der Körpersprache ausdrückt, so eine Mitteilung der Uni Bayreuth. In der Hasenschule setzen die Lehrer da an, wo die Schulprobleme beginnen und bevor die Noten mit Nachhilfe gerettet werden müssen.

Seit Fabian in der Hasenschule das Lesen übt, gehe es in der Schule eindeutig besser, bestätigt seine Mutter:„Er hat in der Schule sogar an einem Leseprojekt teilgenommen, in dem er laut vorlesen muss. Das hätte er sich vorher nicht getraut.“ Die Hasenschule, die in dem Privathaus des ehemaligen Lehrers Wilfried Schalk errichtet wurde, ist ein einladender Ort, hübsch hergerichtet mit Zeichnungen aus dem Kinderbuch „Die Häschenschule“. Die Kinder sehen fröhlich aus. Der achtjährige Hristo steht am Pult, liest vor und zeigt die Buchstaben in Windeseile mit seinen Fingern. Lehrerin Hanna Klusmeier (63) gibt ihm dafür als Lob einen Klebepunkt auf seine Lesekarte. „Das Wichtigste ist“, sagt Bürkner, „dass die Kinder hier mit einem positiven Gefühl rausgehen. Auch wenn es mal nicht so gut läuft, müssen wir etwas finden, um das hinzukriegen.“