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Kulturhauptstadt 2010

Lesemarathon in der Villa Marckhoff

03.04.2010 | 14:20 Uhr
Lesemarathon in der Villa Marckhoff

Bochum. Die Vorbereitungen für die Sieben-Tage-Nonstop-Lesung vom 3. bis 10. September haben begonnen. Bücherfreunde sind aufgerufen, mit ihrer Lieblingslektüre mitzumachen oder Texte vorzuschlagen, die in dem 168- Stunden-Lesemarathon vorgestellt werden.

Der Ort des Geschehens wird ein ganz besonderer sein: die Villa Marckhoff, der Altbau des Kunstmuseums. Museumschef Hans Günter Golinski war von der Idee der Nonstop-Lesung so angetan, dass er der Literarischen Gesellschaft als dem Veranstalter anbot, dafür die Räume hinter der dann gerade renovierten Fassade der Villa zu nutzen.

Zwischen Tag und Traum

Spontane Zusagen auch von anderen Seiten: Der Schauspieler Joachim Hermann Luger wird mitmachen, ebenso Theaterchefin Sibylle Broll-Pape, die mit der Prinz-Regent-Bühne sogar ein ganzes Abendprogramm bestreiten will. Für die Zeit zwischen Traum und Tag - etwa vier Uhr morgens - hat sich schon Arno-Schmidt-Experte Reinhard Finke angesagt, der Passagen aus dem Werk seines bevorzugten Autors lesen wird. Und und und... Doch noch viele, viele werden gesucht, die mitmachen wollen in jenen sieben langen Tagen und Nächten.

„Stadt des Wortes“

Wenn schon die meisten der großen qualitativen Initiativen des Kulturhauptstadtjahres auf Eis liegen (Stichwort: Haushaltssperre), so will die Literarische Gesellschaft dafür sorgen, dass Bochum zumindest als „Stadt des Wortes“ funkelt. Die Nonstop-Lesungen steht unter dem weiten Thema „Tugend und Laster“. Dazu kann wohl jeder etwas vorlesen, die Literatur hält in dieser Hinsicht reichlich Stoff bereit. Auch mit Geschichten, in denen sich beide Lebenssichten untrennbar mischen.

Den 24-Stunden Fernsehbildern, der unablässigen Flut an visuellen Eindrücken, sollen also im September sieben Tage und Nächte lang die Bilder im Kopf entgegen gestellt werden; jener für den Außenstehenden unsichtbare Film, der immer dann entsteht, wenn eine Geschichte vorgelesen wird.

Vielfalt an Möglichkeiten

Und jeder Zuhörer macht sich dazu seine eigenen Bilder, eine Vielfalt an Möglichkeiten, die weder Kino noch TV zu leisten imstande sind. Stell Dir vor, es wird vorgelesen - und alle gehen hin.

Literatur kann Regeln für das Zusammenleben geben und manchmal Ratgeber sein – sie kann aber auch genau das Gegenteil tun – und riskantes, schönes oder auch böses Spiel sein. Sie gibt Auskunft über das, was der Mensch wünscht, was er kann oder wünscht zu können und auch über das, was er fürchtet und was er verdrängen möchte.

Horizonte ausgeleuchett

Mit Gesängen, Epen, Gedichten oder Dramen haben Rhapsoden, Schauspieler oder AutorInnen ihren Standort ausgependelt und Horizonte ausgeleuchtet. Solche Nachrichten vom Menschen sind es, die in der Rund-um-die-Uhr-Lesung von sieben Tagen und sieben Nächten gegeben werden sollen.

Um Zahlenmystik soll es allerdings weniger gehen, sondern vielmehr darum, was mit Literatur gemacht werden kann. Besser gesagt: Wer was machen kann – in Bochum, der Stadt, die im Wappen ein Buch führt, das nur noch geöffnet werden muss. Angesprochen sind alle Interessierten aus allen Bereichen und Altersgruppen: aus Schule und Hochschule, von Hobbylesern, Literaturfans und professionellen Literaturanbietern, A-, B-, C- oder Nullprominenten werden Angebote zum Lesen erwünscht. Institutionen sind ebenso angesprochen wie private Lesekreise.

Mit Bühnenbild

Ein Bühnenbild wird in der Villa Marckhoff die Lesungen begleiten, die gesamte Veranstaltung wird per Livestream im Internet übertragen.

Einzelvorträge werden die Regel sein, szenische Lesungen zu zweit oder mehreren sind aber möglich. Texte sollen - wie schon erwähnt - von den Lesenden selbst vorgeschlagen werden. Vorausgesetzt, sie passen in das Thema und liegen in Form einer Buchveröffentlichung vor, können sie aus der Antike, dem Mittelalter, der Frühen Neuzeit, der Moderne und der Gegenwart stammen, sind also epochal und auch räumlich nicht festgelegt und müssen auch nicht deutschsprachig sein.

Eine Jury entscheidet dann über die Teilnahme; vergeben werden Zeitblöcke von ca. 30 oder 60 Minuten.

Werner Streletz

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