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Vom Zauber des Selber-Machens

24.01.2014 | 17:56 Uhr
Vom Zauber des Selber-Machens
Das Vinyl-Café verbindet Musik und Geschichten. Im Bild die Initiatoren Pancho Assoluto und Nina Selig am Moderatoren-PultFoto: t

Langendreer.  Das „Vinyl-Café“ im Endstation Kino widmete einen Abend dem „Heimwerken“. Von der Baumarkt-Anekdote bis zur Singenden Säge aus Skandinavien

Die weiten Welten des Heimwerkens sind unergründlich. Das Vinyl-Café, ein Show-Format im Kino Endstation im Kulturbahnhof, hat versucht, sie zu erkunden. Heraus kam ein Abend, benannt „Needles & Pins“, der neben viel thematischer Musik auch vage Erkenntnisse über die „unterschwellige Erotik der Handkreissäge“ und die moderne Wegwerfgesellschaft brachte.

Nina Selig und Pancho Assoluto, die mit der monatlichen Veranstaltung sogar schon einjähriges Jubiläum feierten, begrüßten ausgewählte Gäste mit Beiträgen zur Do-It-Yourself-Kultur, zum Hobby-Basteln und -Schrauben und zur weiten Baumarkt-Galaxie.

Erste Gäste des Abends waren die Jungs von Labor.org.. Das sind Studierende von Bochumer Hochschulen, die sich zusammengetan haben, um defekte Elektronik zu reparieren. Zugrunde liegt ihrem Engagement die Erkenntnis, dass viele Geräte vorschnell zu Müll erklärt werden, auch wenn nur Transistoren, Schalter oder andere Kleinigkeiten kaputt sind. Deshalb bietet der Verein an, Besitzern solcher Geräte bei der Reparatur zu helfen. Im Kinofoyer besetzten sie mit einem Repair-Café – quasi „Event-Reparieren“ den gesamten ersten Stock und nutzten auch gleich die Gelegenheit, die flackernde Außen-Leuchtreklame des kleinen Lichtspieltheaters zu reparieren.

Die volle Bühnenreife hatte Baumarkt-Mitarbeiter Christian noch nicht erlangt, litt sein Auftritt doch stark unter einer Nervositäts-Attacke, die sein geplantes Pianospiel verunmöglichte. So musste er unbegleitet Anekdoten aus dem Heimwerker-Paradies Baumarkt zum Besten geben, die von den Schlüpfrigkeiten eines Kreissäge-Werbevideos bis hin zur tragischen Verwechslung von Estrich und Esstisch reichten. Nicht immer pointensicher, doch für seinen begleitenden Fan-Tross aus dem Baumarkt nebenan Grund zur Freude.

Zuletzt, nach gut zweieinhalb unterhaltsamen Stunden – auch mit von Besuchern mitgebrachter Musik zum Thema, von Neil Young bis zu Der Plan – dann der tolle Abschluss: „Die sägenhaften Gettys“ Brüder, Sven-Daniel und Stafan, spielten extrem schöne Musik, die um eine wunderbar gespielte Singende Säge arrangiert war. Stafan brillierte dabei auf der schwedischen „Sandvik Stradivarius“. Das ist, die Brüder erläuterten es im Interview, nur auf den ersten Blick ein klassischer Fuchsschwanz. Die Gettys haben die Virtuosität auf dem Werkzeug-Instrument von ihrem schwedischen Großvater ererbt und transportierten den schwebenden Sound ganz wunderbar ins Heute. Wer bis zu dieser Veranstaltung „Heimwerken“ für das Gegenteil von Glamour hielt, wurde eines besseren belehrt.

Tom Thelen



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