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Gedenkfeier

Volkstrauer in Werne

15.11.2010 | 14:01 Uhr
Volkstrauer in Werne

Werne. Kranzniederlegung am Mahnmal an der Boltestraße. Lothar Gräfingholt fordert Abbau der Vorurteile im Stadtteil.

„Das Erinnern an die Opfer von Krieg und Gewalt in der Welt am Volkstrauertag hat bei uns in Deutschland nun wieder ein Gesicht.“ Das betonte CDU-Ratsmitglied Lothar Gräfingholt, der in diesem Jahr die politische Ansprache am Werner Mahnmal (Ecke Bolte-/Heinrich-Gustav-Straße) übernahm.

Gräfingholt erinnerte damit zugleich daran, dass der Krieg in der Welt nun auch wieder in Deutschland direkt angekommen ist. „Unsere Soldaten sterben bei Friedensmissionen in Afghanistan und im Kosovo“, erklärte er dazu. Der Volkstrauertag sei damit nicht mehr ein anonymes Gedenken an Krieg und Gewalt und deren Opfer in der Vergangenheit. Er habe vielmehr ein Gesicht, in den jungen Menschen, die dort gefallen seien sowie die Trauer von deren Eltern, Freunde und Verwandte.

Anteilnahme
Die lokalen Vereine

Gut 150 Menschen waren bei der diesjährigen Feierstunde zur Volkstrauer dabei. Natürlich stellten auch die Traditionsvereine aus dem Stadtteil ihre Abordnungen für den Zug zum Mahnmal bereit. Das waren unter anderem die Freiwillige Feuerwehr Werne, die Knappen vom „St. Barbara Knappenverein Bochum-Langendreer-Werne 1896“ und von „Glück-Auf Bochum-Werne“, die „Kyffhäuser- und Sportschützenkameradschaft Bochum-Werne von 1871“ und die „Lützower Jäger“. Der „MGV Einigkeit 1879 Werne“, der „MGV Cäcilia“ sowie der „CVJM-Bläserkreis“ übernahmen die feierliche musikalische Begleitung des Festaktes. Das Fanfarenkorps „Trompetenklänge Harpen“ spielte zudem jeweils beim An- und Abmarsch zum Mahnmal.

Neu daran sei jedoch gegenüber den Toten der Weltkriege, so der Tenor des Ratsmitgliedes, dass die Soldaten im Einsatz für den Frieden der Menschen und Völker untereinander sterben würden. Gräfingholt: „Ob Graf von Stauffenberg 1944 oder Obergefreiter Martin Brunn heute: jedes Opfer von Krieg und Gewalt ist eines zu viel!“ Vielmehr sei es deshalb wichtig, dass alle Menschen – auch die Leute im Stadtteil – dazu beitrügen, die Vorurteile zwischen Rassen und Religionen abzubauen und lernten für die Zukunft miteinander umzugehen.

Beim Aufarbeiten des II. Weltkrieges sei das gelungen, so Gräfingholt. „Am 14. November 1942 fielen deutsche Bomben auf Coventry. 1944 zerstörten Bomben Bochum.“ Heute sei man „gut Freund“. Es sei deshalb die Zeit gekommen, einen europäischen Volkstrauertag zu schaffen, so sein Fazit: „Wir können so gemeinsam dauerhaft für Frieden, Völkerverständigung und Menschlichkeit eintreten.“

Diakon Christoph Göbel von der katholischen Kirchengemeinde übernahm die ökumenische Andacht. Ausgehend von der biblischen Geschichte von der Sintflut erinnerte er dabei daran, dass Gott – trotz des fortdauernden Unfriedens und der Gewalt unter den Menschen – dort zugesagt habe, dass nie wieder das Leben auf der Erde von seiner Seite her ausgelöscht werden solle. Für Deutschland gelte dieses Ziel nun auch, so Göbel: „Wir haben in unserer Demokratie nun einigermaßen gelernt, Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen.“

Der Volkstrauertag gemahne zudem, so der Diakon weiter, in Gottes Wort an das Gute im Menschen zu glauben. Die Geschichte von Noah sei dadurch nicht nur eine aus der Vergangenheit, sondern auch eine für die Zukunft. Göbel: „Das ist die Hoffnung, dass Gott uns trägt, weil er immer wieder auch das Gute in uns sieht.“ Das gelte am Volkstrauertag vor allem auch für die Opfer in dieser Welt, die dadurch, dass sie nicht vergessen würden, ein Stück Gerechtigkeit – also ein Stück zum Guten hin – erführen.

Die Gedenkstunde endete mit einem gemeinsamen Gebet von Göbel und Pfarrerin Gisela Estel.

Wicho Herrmann

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