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310

Stresstest für die Anwohner

23.10.2012 | 18:06 Uhr
Stresstest für die Anwohner
Ein Bus hält im Baustellenbereich auf Höhe der Rudolf-Steiner-Schule– sofort staut sich der Verkehr.Foto:Gero Helm

Langendreer.   310-Baustelle: Bogestra mit Start zufrieden, einige Betroffene sehen das anders

Seit zweieinhalb Wochen wird auf der Hauptstraße zwischen Elster- und Rampenstraße gebuddelt und gebaggert. Mit schwerem Gerät wird der umstrittenen Straßenbahnlinie 310 der Weg durch Langendreer bereitet. Autofahrer können hier nur einspurig in Richtung Witten durch. Klar, dass sich zur Hauptverkehrszeit Rückstaus bis zur Unterstraße bilden. Erst recht, wenn noch ein Bus im Baustellenbereich hält. Doch ansonsten, so ein erster Eindruck, läuft’s einigermaßen rund.

Und so ist die Bogestra mit dem bisherigen Verlauf der Baustelle auch recht zufrieden. „Es läuft nach Plan“, stellt Pressesprecher Christoph Kollmann fest. Der Verkehr werde gerade jetzt, nach den Herbstferien, genau beobachtet, um gegebenenfalls noch etwas zu optimieren. Wie bereits geschehen an der Kreuzung Unter-/Hauptstraße. Kollmann: „Dort wurde nach Problemen die Ampelprogrammierung für die Linksabbieger Richtung S-Bahnhof angepasst.“ Mit Baufirma, Stadt und Polizei befinde man sich im ständigen Austausch, so Kollmann, um bei Problemen schnellstmöglich reagieren zu können. So seien die Arbeiten an den Versorgungsleitungen auf Höhe der Rudolf-Steiner-Schule nach Hinweisen der Schüler bewusst in die Herbstferien gelegt worden, um den Schulbetrieb so wenig wie möglich zu stören.

Gestört fühlen sich dagegen viele Anwohner. „Ich weiß nicht, wo ich parken soll“, klagt eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Durch die Baustelle sei es sehr unruhig, sagt sie. „Uns es stinkt so sehr nach Teer, dass ich die Fenster nicht aufmachen kann.“ Laut findet es auch Margarete Klose (82). Jeden Tag geht sie hinüber auf den Friedhof, um sich um das Grab ihres Mannes zu kümmern. „Der Weg ist jetzt sehr beschwerlich“, sagt sie. Hilde Herr, die seit 24 Jahren hier lebt, hält nicht nur die Baustelle, sondern das ganze 310-Projekt für „eine einzige Katastrophe“. Sie befürchtet vor allem wirtschaftliche Folgen: „Wenn die Händler verschwinden, dann hat man ja gar nichts mehr hier.“ Irmgard Kornfeld, die seit 1986 hier wohnt, beklagt die schlechte Baustellenbeschilderung und die nun fehlenden Parkmöglichkeiten. Peter Stass, der ein paar Meter weiter Richtung Dorf wohnt, sorgt sich um all die alten Leute, die hier wohnen: „Was ist in einem Notfall? Wie soll ein Krankenwagen hierhin kommen?“, fragt er.

Buchhändlerin nimmt Baustelle mit viel Gelassenheit und Humor hin

Es gibt auch andere Töne. Gelassen und mit Humor sieht Dagmar Ruckdeschel von der Bücherstube „Lese-Zeichen“ das Treiben auf der Baustelle. Sie hat sogar das Schaufenster passend dekoriert: mit kleinen Baufahrzeugen und Plakaten, auf denen „Das Leben ist eine Baustelle“ steht. Sie freut sich, dass ihr Geschäft auch weiterhin gut zugänglich ist.

Gernot Noelle


Kommentare
25.10.2012
21:39
Donnerwetter!
von radfahrer.ruhr | #6

Wahnsinn, wie schnell die Uhren in Langendreer ticken oder auch nicht.

Eine Baustelle macht Krach!
Welch ein hintersinniger Anschlag der Bogestra und der Stadt auf die Dorfbewohner des unterdrückten Langendreer!

Teer stinkt nach Teer!
Unverschämheit, warum riecht der Teer nicht nach einem Bochumer Pils? Das wäre doch bei den Kosten für die Bahn drin gewesen!

Die Händler ziehen weg!
Der Untergang von Langendreer steht bevor, diese öko-ideologische böse Zwangsbahn (== #5) wird die Händler vertreiben.

Irre, warum schließen dann auch schon seit Jahren die Läden z.B. in Werne, Langendreer West, wo überhaupt keine Bahn gebaut werden soll?

Keine Parkplätze!
Uii, da kocht die Dorfseele über, aber liebe Dörfler es gibt kein Menschenrecht auf einen Parkplatz vor der Haustür, ein wenig die eigenen Füße benutzen hat noch keinem geschadet , auch nicht in Langendreer. Ich habe selber dort schon Fahrten von Dörflern von etwa 400 Meter gesehen, von der Wohnung zum Bäcker und zurück ...

25.10.2012
09:55
So langsam dämmerts
von Comedian | #5

Wir in Langendreer wissen schon längst, daß der Straßenbahnbau verkehrstechnisch überflüssig ist, den öffentlichen Schuldenberg inflationär steigen läßt und von der Mehrheit der Bevölkerung Ablehunung erhält.

Nun kommen in den Kommentaren hier also die wahren Gründe für den Bau zum Vorschein: Die Straßenbahn soll demnach als öko-ideologische Zwangsmaßnahme zur Parkplatzvernichtung in unserer Nachbarschaft dienen.


7 Antworten
Stresstest für die Anwohner
von franzx | #5-1

Straßenbahnbau ist verkehrstechnisch das sinnvollste und klügste, das man tun kann, denn: Busse sind laut, langsam und verbrennen Öl, um sich fortzubewegen. Straßenbahnen sind dagegen elektrisch, sauber und schneller. Zudem steigen auf Schienenstrecken die Fahrgastzahlen erfahrungsgemäß immer gegenüber Busverkehr. Busverkehr (am besten Obus oder Elektrobus) ist gut für Zubringerstrecken, nicht aber für Haupt-Achsen.

Ich habe prinzipiell nichts gegen Parkplätze. Ich will auch nicht zwanghaft welche vernichten, aber diese übertriebene Parkplatzangst- und sorge ist schon krankhaft. Als würden manche Leute ihr heiliges Blech am liebsten noch mit ins Bett nehmen.

Hü und hott...
von Comedian | #5-2

Warum gallopieren sie denn mit ihrer ideologischen Argumentation jetzt so rasant zurück? Weiter unten haben Sie noch deutlich geschrieben, daß nach ihrer Auffassung nur die Eigentümer eines Grundstücks auch ein Auto besitzen dürfen.

Die Diskussion um die generellen Vorzüge oder Nachteile von Straßenbahnen ist schon bis zum Erbrechen geführt worden. Mag sein, daß eine Straßenbahn unter gewissen Voraussetzungen an bestimmen Orten sinnvoller ist als ein Bus. HIER geht es aber ganz gezielt darum, wie schädlich und überflüssig der Straßenbahnbau in Langendreer ist. Eigentlich müßte man noch hinzufügen: Es ist kein Bau, sondern nur eine Verlegung der Strecke.

Stresstest für die Anwohner
von Homer_Simpson | #5-3

Zumindest könnte/sollte man es so regeln, dass Haushalte, die mehr als 1 Auto besitzen (soll es ja geben) für jedes weitere Auto einen Stellplatz vorhalten müssen.

Stresstest für die Anwohner
von franzx | #5-4

Wenn man sich gewisse Straßenzüge anschaut, gerade in dichter bebauten Vierteln, dann fragt man sich schon, ob denn jeder ein bis mehrere Autos haben muss. Gerade da, wo man dann als Fußgänger kaum noch normal über den Bürgersteig gehen kann, weil einfach alles zugeparkt ist. Daher habe ich eine gewisse Abneigung gegen den Anspruch, einfach überall unmittelbar einen Parkplatz haben zu müssen.
Ob sie es nun glauben oder nicht, ich fahre auch ab und zu mit dem Auto und es macht mir sogar Spaß. Ich finde nur einfach, dass insgesamt in den letzten Jahrzehnten gravierende Fehler in der Verkehrsplanung gemacht wurden indem nahezu alles dem Autoverkehr untergeordnet wurde. Das Ergebnis sind hässliche, trostlose Städte. Auch im Ruhrgebiet gab es mal ein viel größeres und besseres Straßenbahnsystem. Das jetztige ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Stresstest für die Anwohner
von franzx | #5-5

Allerdings trat vielerorts ein Umdenken ein und das zurecht und mit großem Erfolg. Im Ruhrgebiet dauert dies leider etwas länger und bisher ist noch nicht viel passiert. Kaum gibt es aber mal ein positives Beispiel wie die Umlegung einer Strecke in Langendreer und schon geht das Gejammer los. Das muss doch wirklich nicht sein! Die Vorteile werden überwiegen.

Schauen sie sich doch mal diese beiden Links an:

http://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance_der_Stra%C3%9Fenbahn

http://www.spiegel.de/spiegelspecial/a-561628.html

Und mal diesen hier: was es alles mal gab:
http://www.tramtracks.de/streckenplaene_ruhrgebiet.htm

Nochmal. Mir geht es prinzipiell nicht darum, Autos zu verteufeln. Nur soll ihnen nicht einfach alles untergeordnet werden. Die Stadt muss in erster Linie für den Menschen da sein. Das Auto ist ein praktisches Transportmittel, für viele auch mehr, jedoch nichts, vor dem man alles unterwerfen muss.

Welche Mehrheit ???
von radfahrer.ruhr | #5-6

Ich kenne zwei alte sehr heimatverbundene Freunde aus Langendreer, die sich sehr auf die Straßenbahn als Verkehrsmittel freuen. Also sind wohl nicht alle Bürger gegen die Bahn, oder?

Wenn die Mehrheit der Bürger im Langendreer gegen die Straßenbahn wäre, dann merke ich davon aber nichts im Ort. Keine Protestumzüge, keine Mahnwachen, keine Aktionen, keine flächendeckende Plakatierung - ich sehe immer nur die Generation "Unruhestand mit 70+" und die auch nur in sehr überschaubaren Mengen.

Stresstest für die Anwohner
von Comedian | #5-7

Oh weh, lieber Radfahrer. Da haben Sie doch wahrlich zwei weitere (radfahrende?) Langendreerer gefunden, die sich auf die Bahn freuen.

Na seis drum. Ich kenne jedenfalls keinen einzigen Langendreerer, der die Bahn begrüßt. Egal, wen ich treffe: Der Bau dieser Bahn (finanziell betrachtet quasi ein "Musikzentrum auf Schienen") sorgt überall für Unwohlsein. Und daß es keine Protestkundgebungen, Mahnwachen, etc. gibt, wird sicherlich auch dran liegen, daß die Leute hier berufstätig sind und für solche Aktivitäten keine Zeit aufbringen können.

Bleibt jetzt nur zu hoffen, daß die Bürger, die jetzt unter der Baustelle leiden, sich auch bei der nächsten Wahl daran erinnern, welche Parteien ihnen diesen Verkehrs-Krampf eingebrockt haben. Vielleicht tut sich ja was...

25.10.2012
09:12
Stresstest für die Anwohner
von franzx | #4

Statt das als Chance anzusehen wird bei einigen aber nur rumgejammert. Was wäre denn die alternative? Eine reine Auto- und Bus-Straße? Das kann ja nur irgendwann bergab gehen... Also freut euch und hört auf zu jammern. Bei einer Straßenbaustelle, die ohnehin irgendwann kommen würde, gäbe es auch kurzzeitig Lärm und Dreck!

25.10.2012
09:12
Stresstest für die Anwohner
von franzx | #3

Immer diese lächerlichen Parksorgen... Auto sollte nur der haben dürfen, der auch einen eigenen Parkplatz nachweisen kann. Natürlich auf eigenem Grund!
Wenn man sich die ganzen Klagen anhört klingt das wie in einem Theaterstück. Wenn ich schon das gejammer von "wirtschaftlichen Folgen" lese... Anscheinend wirklich keine anderen Sorgen.
Mein Gott! Es wird einfach eine Straßenbahn gebaut und danach ist wieder alles wie vorher, nur besser! Durch die Straßenbahn werden mehr Fahrgäste durch die betreffenden Straßen geführt, was auch sinnvoll ist, da dieser Bereich wesentlich zentraler liegt, als die bisherige Trasse. Mehr Fahrgäste, die in der Bahn sitzen (auch die, die Durchfahren) könnten die potenziellen Kunden von morgen sein. Würde man eine U-Bahn bauen, hätten die Geschäftsinhaber nicht viel davon, denn wer in der U-Bahn sitzt, sieht nicht, was oben los ist. Bei einer Straßenbahn könnte man auch mal auf die Idee kommen, auszusteigen und bei einem interessanten Geschäft auszusteigen.

24.10.2012
20:08
Stresstest für die Anwohner
von Querdenker79 | #2

An den Stau dürfen sich schon mal alle gewöhnen, wenn da nämlich die Strassenbahn schön durch die Bitte fortlaufend alles blockieren wird. Der Verkehr wird ja nicht weniger, nur weil da eine 310 fährt, die keiner haben will, außer dem paar Linksextremisten hier.

Die Umweltverschmutzung ist jetzt schon "riechbar".

Wieso wird an so einem kritischen Punkt nicht Tag und Nacht gearbeitet? Noch schlimmer schaut es paar Meter weiter rein nach Witten aus, der nackte Supergau. Und das alles für Jahre!

Multimillionengrab.

2 Antworten
Stresstest für die Anwohner
von Homer_Simpson | #2-1

An dem "nackten Supergau", den ich persönlich bis her nur am letzten Sonntag erlebt habe, sind aber auch die Autofahrer schuld, die ja z.B. mal auf das Auto verzichten könnten oder zumindest eine komplett andere Route fahren könnten, wenn sie wissen, dass dort eine Baustelle. Mal ganz davon abgesehen, dass dort irgendwann auch ohne Straßenbahn-Umbau Baustellen nötig gewesen wären.

Immerhin konnte aber die Vollsperrung, allen Unkenrufen zum Trotz, bereits heute statt am Sonntag (28.10.) wieder aufgehoben werden.

Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2-2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.10.2012
21:55
Stresstest für die Anwohner
von Homer_Simpson | #1

Wenn jetzt schon wegen der Lautstärke (die nach Feierabend der Arbeiter geringer ist, als vor Beginn der Baustelle!) und über den Geruch des wenigen verbauten Asphalts gejammert wird, was bricht dann erst für eine Hölle los, wenn die Straßendecke abgefräst und neu asphaltiert wird?

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