"Stachel gegen Gleichgültigkeit"
21.11.2007 | 17:25 Uhr 2007-11-21T17:25:14+0100Pfarrer Limpert betonte am Werner Mahnmal die Bedeutung, welche die Feierstunde am Volkstrauertag besitzt.In Langendreer gedachten Knappen und Bürger der Opfer der Grubenunglücke auf Zeche Neu-Iserlohn
Ost. Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg bis heute, Erinnern an die tödlich verunglückten Knappen während der Bergbauzeit und Dankbar-Sein über mehr als 62 Jahre Frieden in Deutschland: Die Redner bei den beiden Feierstunden am Volkstrauertag - am Werner Mahnmal und auf dem evangelischen Friedhof an der Hauptstraße - zeigten die Vielfalt der nach dem 2. Weltkrieg gewachsenen Erinnerungskultur für diesen Gedenktag auf.
"Dieses Erinnern hier ist ein Stachel gegen Gewöhnung und Gleichgültigkeit", betonte beispielsweise Pfarrer Karsten Limpert von der evangelischen Kirchengemeinde Werne am Mahnmal an der Ecke Bolte-/Wittekindstraße. Sie lasse die Bürger aufmerksam bleiben gegen Tendenzen, Gewalt und Krieg wieder zum Mittel der Politik zu machen, so der Seelsorger weiter: "Die Frage nach Gerechtigkeit in der Welt ist dadurch für uns zum Thema geworden." Sein Wunsch am Ende: "Wir sind hier, um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in die Welt zu tragen."
Karl-Josef Schiffer, der stellvertretende Bezirksvorsteher im Bochumer Osten, hatte zuvor die rund 200 Besucher und Aktiven am Werner Ehrenmal begrüßt. Dabei erinnerte er an die wechselvolle Geschichte dieses Gedenktages, der 1919 auf Betreiben des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge zum ersten Mal stattfand. Dabei hatte er die erste offizielle Gedenkfeier im Reichstag anno 1922 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ebenso im Blick wie dessen spätere - aus heutiger Sicht zynische - Veränderung zum "Heldengedenktag". Heute sei der Tag einer der Garanten für mehr als 60 Jahre Frieden im Lande, obwohl vor allem die Jüngeren sich das bewusst machen müssten, so der Tenor von Schiffers Rede: "Wenn die jungen Leute beim 120-jährigen Jubiläum hier stehen und der Opfer gedenken, haben wir viel erreicht."
18 Knappen vom Verein St. Barbara legten zudem - begleitet von 25 Besuchern - am Ehrenmal für die Opfer des Grubenunglücks auf der Zeche Neu-Iserlohn auf dem evangelischen Friedhof Langendreer einen Kranz nieder. Dabei gedachten sie nicht nur der 81 Opfer der Schlagwetter-Explosion vom 15. Januar 1868, sondern auch der Kumpel, die bei zwei weiteren schweren Unglücken zwischen 1868 und 1880 ums Leben kamen.

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