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Stabwechsel an der Flottweg-Spitze

22.02.2010 | 17:32 Uhr

Nach zehn Jahren übernimmt Peter Scholz den Vorsitz von Helmut Jensen. Neues Engagement für die Werbung.

Eberhard Franken

Langendreer. Traurig sind beide Seiten und der Schaden ist ebenfalls bilateral. Ändern aber können beide Parteien nichts: In Langendreer gibt es seit 2007 kein Radrennen mehr. Damit fehlt den Politikern nicht nur ein Publikumsmagnet in der Bürgerwoche und der Radsportverein Flottweg Langendreer hat keine Werbeplattform mehr für die Rekrutierung des Nachwuchses.

„Vom Straßenrennen kommt alles andere”, stellt Helmut Jensen ganz nüchtern fest. Der Ex-Vorsitzende des RV Flottweg weiß, wovon er redet, denn er hat in Bochum und Witten mit seinen engagierten Flottweg-Helfern nicht weniger als 60 Rennen organisiert. „Nach den Rennen stand das Telefon meist nicht mehr still.” Jetzt hat er nach 18 Jahren Vorstandsarbeit sein Amt in jüngere Hände gelegt: PeterScholz ist neuer Vorsitzender - und er hat nach zehn Jensen-Jahren beileibe kein leichtes Amt übernommen.

Scholz arbeitet als Software-Entwickler für das Gesundheitwesen. Obwohl der 50-Jährige schon seit seinem elften Lebensjahr radsportbegeistert ist, war er etwa 30 Jahre lediglich „Radsportkonsument”, wie er es nennt. Seit drei Jahren ist er Flottweg-Mitglied und Förderer des Breitensport-Gedankens. Dabei nimmt er, nicht leistungsorientiert, an Crosstourenfahrten (CTF) teil. Eine Leidenschaft, die auch sein Vorgänger inzwischen teilt: Die anspruchsvolle Tour entlang des Nord-Ostsee-Kanals steht bald zum zweiten Mal in Jensens Terminkalender.

„Die letzten drei Jahre im Berufsradsport waren keineswegs hilfreich”, bringt Scholz die Mitgliedermisere auf den Punkt. „Und auch die gesamtwirtschaftliche Situation ist nicht gut für den Sport.” Früher habe man die Absperrböcke kostenlos vom Bauamt ausgeliehen. Heute müsse man Unternehmen damit beauftragen, Absperrgitter und Schilder aufzustellen.

Auch das Internet hat seinen Teil zu den Schwierigkeiten beigesteuert, in denen nicht nur Flottweg steckt. „Man muss doch nicht mehr in einen Verein gehen”, erklärt der Vorsitzende, „um eine Gruppe zu finden, mit der man Radfahren kann.” Es gebe genug Foren und Terminbörsen, wo sich schnell Gleichgesinnte finden lassen. Die Mitgliederzahl beim RV Flottweg ging auf nur noch knapp 70 zurück, wobei aber das Durchschnittsalter auf 45 Jahre stieg.

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Helmut Jensen konzentriert sich jetzt auf seine neue Aufgabe, das Radrennen im Wiemelhauser Kirchviertel wiederzubeleben: Mit Micha Glowatzki und dem CycleTeam Bochum soll das alte neue Rennen am 4.Juni wieder an alter Stelle stattfinden. Peter Scholz wird sicher dabei sein.

Andererseits fördere sogar der Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der Dachverband der organisierten Pedaleure, die Entwicklung weg vom Verein. „Die vermitteln doch den Anfängern bei den sogenannten Jedermannrennen, dass dort ein echtes Rennen stattfindet”, sagt Helmut Jensen. Das seien aber keine echten Rennen und gerade Anfänger, die ohne Grundwissen starten, holen sich dort schnell eine „Biker-Pizza”. So nennen Radler die großflächigen Schürfwunden nach Stürzen.

Andererseits aber finanzieren die Veranstalter mit solchen Veranstaltungen ihre Profi-Rennen. „Die nehmen von Jedermannfahrern ab 30 Euro Startgebühr.” Bei etwa 20 000 (Cyclassics Hamburg) bzw. über 15.000 (Frankfurt) Jedermannfahrern kann man sich schnell ausrechnen, womit Veranstalter ihren Profit machen. Aber diese Rennen transportieren nach Ansicht der Ostbochumer Experten lediglich Illusionen. Der Unterschied zur Amateurklasse C sei enorm.

Scholz geht mit Optimismus und Engagement an seine ebenso neue wie schwere Aufgabe, die Mitgliederzahl wieder zu erhöhen und das Durchschnittsalter herunter zu schrauben. Beim Anspruchsdenken der jungen Leute und oft auch der Eltern wird es immer schwerer Nachwuchs zu rekrutieren, zumal der Radsport extrem trainings- und zeitintensiv ist.

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