Silvesterfeier mit Flüchtlingsfamilien als Zeichen

Traute Kosel ließ sich gern zu einem Tänzchen auffordern.
Traute Kosel ließ sich gern zu einem Tänzchen auffordern.
Foto: Privat
Anfang der 90er setzten einige Laersche in aufgeheizter Atmosphäre ein Zeichen und feierten mit Asylbewerbern den Jahreswechsel. Eine folgenreiche Party . . .

Laer..  Flüchtlinge – ein brandaktuelles Thema in unserer Stadt. Im Südwesten schwappt den Neuankömmlingen eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegen. Und auch im Norden werden sie dieser Tage mit offenen Armen empfangen. Vom in Bochum beheimateten Flüchtlingsrat gibt es ein dickes Lob für so viel Gastfreundschaft und Entgegenkommen. Anfang der 90er Jahre in Laer wäre das Urteil bei einer ähnlichen Situation wohl anders ausgefallen.

„Damals trat man den Flüchtlingen, die zu uns kamen, sehr unfreundlich gegenüber“, erinnert sich Karl Kosel, zu jener Zeit – Ende 1991 – ev. Pfarrer vor Ort. In einem Haus an der Suntumer Straße/Ecke Laerfeldstraße seien die Familien untergekommen, in der alten Schule. „Und drei Container wurden in Havkenscheid errichtet“, so Kosel, der von einer „kritischen Situation“ berichtet: „Ich habe noch nie eine so aufgeregte Gemeinde erlebt.“

Was also tun, um die Lage zu entspannen? Eine kleine Gruppe Laerscher hatte schnell eine Idee: Ein Zeichen setzen und gemeinsam mit den Flüchtlingsfamilien Silvester feiern! Als Initiatoren taten sich neben Kosel besonders Johanna Langendorf (SPD-Ortsvereinsvorsitzende) und Tochter Carina Gödecke, Ludwig Schweig (Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes), der kath. Pfarrer Gerhard Michel und Peter Michalski hervor.

Aus dem Zusammenspiel lokaler Akteure ging die Laersche Runde hervor

Was damals noch niemand wusste: Aus diesem partei- und gemeindeübergreifenden Zusammenspiel sollte wenig später die Laersche Runde entstehen, die sich bis heute regelmäßig zum Austausch trifft.

Die gemeinsame Silvestersause übertraf alle Erwartungen. In geselliger Runde taute man schnell auf. Traute, Kosels Frau, sauste über die Tanzfläche, Kindern hüpften vor Freude auf den Tischen. „Es war herrlich“, schwärmt Karl Kosel. „An diesem Abend sind einige schöne Freundschaften entstanden. Und die ganze Aktion hat sich sehr positiv auf das Miteinander im Stadtteil ausgewirkt.“

Bis heute. Aktuell leben elf Flüchtlingsfamilien in einem Haus an der Alte Wittener Straße. „Auch hier wurden teilweise Angstszenarien aufgebaut“, weiß Stephan Kosel, des Pfarrers Sohn und Sprecher der Laerschen Runde. Deshalb gehe die Laersche Runde ganz bewusst auf die Flüchtlinge zu. Zeitgleich spricht der ev. Kinder- und Jugendtreff, den Stephan Kosel leitet, gezielt Kinder und Jugendliche aus den Flüchtlingsfamilie an und lädt die Mütter wöchentlich in ein Café ein. Auch das Ambulante Jugendhilfezentrum Ost steht den Flüchtlingsfamilien etwa durch Mitarbeiter mit speziellen Sprachkenntnissen zur Seite.

Toll, was sich aus einer Silvesterparty so alles entwickeln kann . . .

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