Schülertheater der Extra-Klasse
03.11.2008 | 16:41 Uhr 2008-11-03T16:41:00+0100
Lessing-Gymnasiasten bekommen für ihre Aufführung des Strawinsky-Ballets "Der Feuervogel" Lob von allen Seiten. Felicitas Hartisch und Felix Kaiser glänzen in den Hauptrollen
Langendreer. Bill Kaulitz und Tokio Hotel ließen grüßen bei der Aufführung des "Feuervogel" in der Aula der Lessing-Schule. Nein, wir wollen nicht despektierlich sein. Nichts liegt ferner, als den großen Russen Igor Strawinsky herunter zu ziehen auf das Niveau der deutschen Pop-Gruppe, aber der böse Zauberer Kastschei, dargestellt von Felix Kaiser sah mit schwarzen Haaren und weißem Gesicht dem stets deutlich überschminkten Deutschrocker sehr ähnlich: Kunstfiguren sie beide.
Mit Felicitas Hartisch, die den weiblichen Part des in einer Doppelrolle angelegten Zauberers spielte, und Felix Kaiser hat der Langendreerer Theater-Pädagoge Karl Linfert einen Glücksgriff gelandet: Die Performance dieses Duos war großartig - und in der Bewertung der Darsteller durchaus hervorzuheben. Die beiden Mimen glänzten unter anderem mit toller Akrobatik, die das Niveau von Schülertheater sprengte.
Überwiegend gedämpftes Licht, raumgreifende Bewegungen, eine ebenso nüchterne wie effektvolle Ausstattung charakterisierten die Aufführung. "Leitlinie zur Entwicklung der Choreographie war die Musik in ihrer Struktur, Qualität und Aussagekraft", merkt Regisseur Linfert selbst an. Es sei nicht darum gegangen, die Handlung des Märchens vollständig darzustellen. Vielmehr habe die Erfindung von überzeugenden, elementaren Tanzbildern - "passend" zur Musik - im Mittelpunkt der Arbeit gestanden.
Dass dies gelungen ist bei diesem einmal mehr alle Stufen übergreifenden Projekt, haben sich Karl Linfert und seine Mimen bei insgesamt drei Aufführungen mit viel Applaus bescheinigen lassen.
Als Premierengast hatte nach der Vorstellung Lessing-Boss Frank Saade das Wort ergriffen. Viel mehr Lob, als er zu Ausdruck brachte, kann man einem Projekt nicht zollen. "Die Musik von Igor Strawinsky ist schon toll", sagte der Rektor voller Begeisterung, "und es ist immer noch toller, was Karl Linfert aus den Stücken macht."
Das Stück thematisiert die russischen Märchen vom Feuervogel (gut) und vom Zauberer Kastschei (böse), in dessen Garten, wo auch der Feuervogel lebt, 13 Jungfrauen/Prinzessinnen gefangen gehalten werden.
Linfert kleidet die Prinzessinnen in weiße Kleider, den von sechs Schülerinnen dargestellten Feuervogel in feuriges Rot-Orange. Dieser Vogel wirkt durch seine Omnipräsenz und Bewegungsfülle wahrlich magisch.
Eine von den Prinzessinnen ist Prinz Ivans große Liebe - und er will sie natürlich befreien. Aber Kastscheis Dämonen wollen Ivan töten. Doch die magische Feder, die ihm der Feuervogel geschenkt hatte, als Ivan den bei der Jagd gefangenen Vogel wieder freiließ, beschützt den Prinzen. Der Feuervogel zwingt mit seiner magischen Musik die Dämonen zum Tanzen - später lässt er den Zauberer und seine Helfer in einen tiefen Schlaf fallen. Mit Hilfe des Feuervogels zerschlägt Ivan Kastscheis Zauberreich. Die 13 Prinzessinnen sind wieder frei, und der Prinz heiratet.
Wer das Stück gesehen hat, kann sich freuen, denn zwei weitere Termine, die nach der Premiere angesetzt waren, sind bereits gespielt. Vorerst ist an keine Wiederholung gedacht. Die für das kommende Jahr in Erwägung gezogene Neuauflage mit einer großen Besetzung ist nach aktuellem Sachstand noch in einer Überplanungsphase.

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