„MiA“ – eine ganz besondere Wohngemeinschaft

Vor dem gemeinsamen Essen wird die Mahlzeit natürlich auch in großer Runde zubereit
Vor dem gemeinsamen Essen wird die Mahlzeit natürlich auch in großer Runde zubereit
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ-Fotopool
Was wir bereits wissen
An der Wittener Straße wohnen junge Menschen mit psychischen Erkrankungen unter einem Dach. Therapeutisch betreut, erhalten sie eine neue Perspektive.

Altenbochum..  Auf den ersten Blick hört es sich ganz cool an: Zehn Jugendliche wohnen in City-Nähe unter einem Dach – aufgeteilt auf zwei Etagen. Jeder hat sein Zimmer, einen eigenen Schlüssel und in Küche und Wohnzimmer kann man die Gemeinschaft unter Gleichaltrigen genießen. Besuch empfangen? Kein Problem. Der Traum eines jeden Heranwachsenden.

Nur dass in diesem Fall die Jugendlichen zuvor jeder für sich einen Albtraum durchlebt hat. Und so wird aus dieser Wohngemeinschaft an der Wittener Straße 227 beim zweiten Hinsehen ganz schnell eine besondere. „MiA“ heißt sie. Das steht für „Mitten in Altenbochum.“

Junge Menschen mit psychischen Erkrankungen – in erster Linie Persönlichkeitsstörungen, Autismus und Borderline – werden hier rund um die Uhr therapeutisch betreut und erhalten im Idealfall eine Perspektive für ein „normales“ Leben. Träger der Einrichtung ist die Reha Bochum Familien- und Krankenpflege.

„Bei fast jedem unserer Jugendlichen gab es besondere Lebensereignisse, die sie aus der Bahn warfen“, weiß Peter Schnieders, der Leiter von „MiA“. Seien es Trennungen der Eltern, Gewalterfahrungen, Versagen in der Schule. Das neunköpfige Team versucht, die Jugendlichen mit spezieller Betreuung wieder in die Spur zu bringen.

Dabei setzen „Herbergsvater“ Schnieders und seine Stellvertreterin Felice Stern auch auf die Eigenverantwortung der Jugendlichen. „Gemeinsam sind wir bemüht, eine geregelte Alltagsstruktur zu schaffen“, sagt Stern. Doch das ist gar nicht einfach. „Das fängt schon beim frühmorgendlichen Aufstehen an“, lacht Schnieders. „Manchmal klopfen wir uns die Finger wund.“ Doch Schule und Ausbildung sind wichtig. Ebenso die häuslichen Pflichten wie Wäsche waschen, Fenster putzen, kochen, einkaufen etc.

Freiwillig, aber meist alternativlos

Das Gros der Bewohner, die aus dem ganzen Ruhrgebiet kommen, bleibt am Ball. „Ist ja auch freiwillig“, sagt Felice Stern. „Für die meisten aber auch alternativlos.“ Das Fazit nach fünf Jahren „MiA“ fällt positiv aus: „Mehr als 60 Prozent schaffen es, allein in einer eigenen Wohnung zu leben“, freut sich Peter Schnieders. Um den Weg dorthin zu ebnen, wurde extra eine externe Trainingswohnung angemietet, nur ein paar Meter entfernt.