Lachsalven unterm Förderturm
23.02.2009 | 17:24 Uhr 2009-02-23T17:24:00+0100Werne. Die „Ruhrunken” sind fertig mit Bochum, sie wollen sich ihr „Häusken” nicht „anne Ruhr” bauen. Und das hat gar nicht zwingend mit der ungewissen Zukunft des Opelwerks zu tun, wie sie jetzt bei der Prunksitzung des MGV Cäcilia im Pfarrsaal am Höltwerweg erklärten.
Es gibt genügend andere Punkte, die sie in ihrem vom Revier-Barden Erwin Weiss entlehnten Liedchen bei der Prunksitzung des MGV Cäcilia satirisch aufs Korn nahmen.
Dabei hatte die elfköpfige Truppe noch kurz gesungen, dass die „Menschen von der Emscher bis zur Ruhr gar nicht stur” sind – von hinten immer kräftig unterstützt vom (traditionell nicht elfköpfigen) Elferrat. „Demnächst versorgen wir den Elferrat mit Texten”, witzelte Unke Reimund Strömer über die mangelnde Textsicherheit der Herren. „Dann bilden wir die mal zum Background-Chor aus.”
Die altbewährte, mit Keyboard unterstützte Truppe heizte den Besuchern kräftig ein, wobei sich die Unken auch bei beliebten Melodien der Kölner Fastnacht bedienten: Das „Wasser von Kölle” und das „Spanienlied” dienten als Basis für die politisierenden und unterhaltsamen Texte. „Ypsilanti war die falsche Wahl, schon beim ersten Mal” und „Der kleine Mann verliert sein Haus, aber Acki (gemeint war der Chef der Deutschen Bank) ist fein raus”.
Vor den Unken hatte Büttenredner Norbert Kiese für Lachsalven gesorgt: Bezirksbürgermeister Norbert Busche und seine Frau Rosi amüsierten sich wie Bolle über die Witze, die der Nachfolger von Gerd Wawrzyniak auf der geschmackvoll gestalteten Bühne riss. Hans Slominski, das Bühnengestaltungs-Genie der Cäcilia, hatte wieder großartige Arbeit geleistet und das Motto „Kultur anne Ruhr” bestens umgesetzt: Rechts von der Bühne stand ein grüner Förderturm, links eine überdimensionale Grubenlampe.
Die Mädchen des in Dunkelrot gekleideten Balletts „Fidelio” aus Essen tänzelten im Umkleideraum neben der Bühne schon eine ganze Weile unruhig hin und her, bevor sie endlich – bei zwei Auftritten – ihr ganzes Temperament auf der Bühne austoben durften. Nicht nur Sitzungspräsident Thomas Vandrey hatte Spaß an den Tänzen der jungen Damen. Es sei ja in der Tat so, war in einem Gespräch neben der Bühne zu hören: Karneval ohne fliegende Mädchenbeine sei nichts Halbes und nichts Ganzes. Das – man konnte es am Applaus hören – sah das Publikum im proppevollen Saal nicht anders.
Achim Schmitt hatte seine Klampfe mit auf die Bühne gebracht und eiferte dem im Karneval groß gewordenen Ulk-Barden Bernd Stelter nach. Die „hustenden Regenwürmer” inszenierte er so, dass alle mitsingen konnten – auch die Mitglieder der Panzerknackerbande (Bild), die sich strategisch günstig vor der Bühne positioniert hatten.
Dass am Ende das große Finale kommt, und „Ur-Unke” Hans Slominski Stimmungslieder präsentiert, das hat eine lange Tradition – so wie die langen Nächte, die dem langen Programm schon lange, seit Norbert Lages' Zeiten folgen.
Die Schlange für die Eintrittskarten für die Veranstaltung 2010 soll schon wieder sehr lang sein.

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