Kanal macht aus einem Grundstück zwei
04.01.2012 | 14:19 Uhr 2012-01-04T14:19:00+0100
Langendreer. Der geplante Abwassersammler an der Ovelackerstraße sorgt für Streit zwischen der Stadt und den Anliegern über Grundbucheintrag
Es geht ein bisschen ums Prinzip, wenn Jürgen Große vom Kanal erzählt, der mitten durch seinen Garten an der Unterstraße verlegt ist. Seit 20 Jahren streitet er jetzt mit der Stadt um das Grundstück, das er von seinen Eltern geerbt hat – mittlerweile macht sich bei ihm allerdings Resignation breit.
„Der neue Kanal musste sein“, sieht auch Große ein. Weil der alte Kanal überlastet war, gab es bei Nachbarn immer wieder Überschwemmungen bei starken Regenfällen. Erste Gespräche über einen neuen Hauptsammler gab es 1987. 1991 wurde der neue Kanal dann verlegt. „Das war alles unkompliziert“, erinnert sich Große. „Als wir aus dem Urlaub zurück kamen, war alles vorbei“. Der Kanal war unter seinem Grundstück durchgeschoben worden.
Doch dann habe sich die Stadt nicht mehr an die Abmachung gehalten, so Große. „Das Grundstück der alten Trasse sollten die Anwohner kaufen, und das der neuen Trasse verkaufen“, erklärt er die alte Vereinbarung. Alles in allem sei das eine Trasse von rund zwei Metern gewesen. „Jetzt heißt es, im Grundbuch müsste eine Trasse von zehn Metern eingetragen werden“, empört sich Große.
Keine Unterschrift
Bisher ist wegen Widerspruchs der Anwohner nichts Neues im Grundbuch verzeichnet. Über einen weiteren Punkt regt sich Große schon gar nicht mehr auf: „Ich konnte keine Unterschrift finden, mit der meine Eltern der Stadt die Trasse des alten Kanals verkauft haben“, meint er. „Eigentlich müsste die noch mir gehören“.
Mit dem Ergebnis ist Große nicht einverstanden: Sein Garten wäre fast in der Mitte durch die zehn Meter breite Trasse geteilt. „Ich hätte dann auf einmal zwei Grundstücke“, meint er. Andere Anwohner haben ähnliche Probleme, Große kennt allein fünf, drei werden auch von seinem Anwalt vertreten. Der ist mit dem Fall nun schon seit zehn Jahren betraut. „Eine Chance auf Einigung sieht auch der kaum“, ist sich Große bewusst. „Das ist modernes Raubrittertum“, findet er, „seit 20 Jahren benutzt die Stadt unser Grundstück kostenlos“.
Große ist kein wütender Nachbar, der bei jedem Problem zum Anwalt läuft. Bei diesem Problem fühlt er sich etwas hilflos – auch die Politik konnte bisher nichts bewirken. „Leider haben wir nicht von Anfang an alles vertraglich festgehalten“, bereut Große nachträglich seine Gutgläubigkeit. Er ist sich sicher: die Stadt sitze das Problem einfach aus.
Parallel zur Unterstraße verläuft der Kanal unterirdisch auf Höhe der Ovelackerstraße. Dabei unterläuft er mehrere Grundstücke meist im Gartenbereich. Verlegt wurde er mittels Pressverfahren, so dass die Erde nicht auf der ganzen Länge aufgerissen werden musste. Spuren gibt es davon kaum - einige Stellen sind etwas abgesackt. Lange konnte sich die Stadt mit den Anwohnern nicht über einen Eintrag ins Grundbuch einigen. Dann ermahnte die Bezirksregierung in Arnsberg die Stadt einen Eintrag per Zwangsrechtsverfahren zu erreichen. Dagegen läuft nun ein Klageverfahren der Anwohner.

07:14
Der öffentlichen Hand, insbesondere einer Kommune, fast blind zu vertrauen, grenzt schon an "Dummheit". Die Interessenlagen müssten gerade Grundstücksbesitzern klar sein, zumal Behörden vorrangig eigene, nicht immer bürgernahe, Ziele verfolgen. Mündliche Absprachen mit Behördenvertretern sind erfahrungsgemäß nicht das Schwareze unter den Fingernagel wert.