Choleriker liebt Trübsinnige

Die Jugendlichen der Rudolf-Steiner-Schule begeisterten ihr Publikum bei der Theaterinszenierung von „Das Haus der Temperamente“.
Die Jugendlichen der Rudolf-Steiner-Schule begeisterten ihr Publikum bei der Theaterinszenierung von „Das Haus der Temperamente“.
Foto: Wicho Herrmann

Langendreer.. Wenn auf der Bühne gleich vier Spielorte nebeneinander sind, die in Teilen zeitgleich bespielt werden, ist immer etwas los. Die Akteure agieren ständig an wechselnden Orten. Die Zuschauer orientieren sich andauernd neu.

Das erlebte das Publikum, als die 31 Schülerinnen und Schüler der Klasse 8a von der Rudolf-Steiner-Schule ihr Theaterstück „Das Haus der Temperamente“ von Johann Nepomuk Nestroy an der Schule aufführten. Vier Mal standen sie damit auf der Bühne und begeisterten.

Familie von Braus und Familie von Froh

Zum gelungen Auftritt trugen sie selbst viel bei. Sie spielten ihre Rollen mit den - wortwörtlich - sehr unterschiedlichen Temperamenten intensiv und gekonnt. Das waren die Choleriker (namentlich bebildert: Familie von Braus), die Phlegmatiker (Familie von Fad), die Melancholiker (Familie von Trüb) sowie und die ständig lustig aufgelegte Familie von Froh. Was damit die einen (Phlegmatiker, Melancholiker) in der Handlung erschüttert, treibt den anderen entweder die Zornesröte ins Gesicht oder führt zum Ausspruch: „Welch ein Spaß!“

Indem diese unterschiedlichen emotionalen Ausbrüche im Geschehen immer wieder (fast) parallel ablaufen, führen sie – quasi wie ein Echo – selbst in dramatischen Momenten zu einer aberwitzigen Situationskomik. Etwa, als die Väter die jeweiligen Liebhaber ihrer Töchter beim gemeinsamen Fluchtversuch stellen. „Zurück, Du Elender!“, schreit da der Choleriker, während der Melancholiker weinend fast schon in sich hinein klagt: „Welch ein Unglück!“

Das Publikum feierte diese Einlassungen mit Szenenapplaus.

Von den Schülern gesungene und zum Teil selbst geschriebene Musikstücke bildeten einen tollen Rahmen. Zum Auftakt gab es den „Begrüßungs-Rap“. Im zweiten Akt hieß es „Ein Freund, ein guter Freund“ zur versöhnung. Die Toten Hosen bildeten mit „An Tagen wir diesen“ das Happyend.

Die Handlung der von Nestroy 1837 in Wien uraufgeführten und wenig gespielten Komödie ist hingegen einfach gestrickt. Die Söhne der vier so unterschiedlichen Familien kehren nach einem längeren Auslandsaufenthalt zurück. Sie lieen jeweils eine Tochter des anderen Temperamentes (Gegensätze ziehen sich an) und wollen diese heiraten. Die Väter bevorzugen jedoch Ehemänner des gleichen Schlages, die sie für ihre Töchter schon ausgewählt haben. Die Auseinandersetzungen und Intrigenspiele bis zum Happy-End nehmen ihren Lauf. Der Kleiderputzer Hutziputz und Barbier Schlankel mischen fleißig mit auf; beiden fallen im Zweiakter tragende Rollen zu.

Regisseurin Anna Lena Dieberg studierte die Komödie zusammen mit Klassenlehrer Folkert Neumer und Schulmitarbeiter Karl-Heinz Scharpey ein. Die beiden letzteren schrieben das Stück zuvor aus dem Wiener Dialekt ins Hochdeutsche um. Neumer: „Wir konnten dadurch die Szenen, die zeitgleich zu spielen waren, besser zusammenfassen.“