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Blick für das fantastisch Realistische

28.04.2010 | 15:36 Uhr
Blick für das fantastisch Realistische

Langendreer.Robert Zgodda präsentiert surrealistische Bilder in der Sparkasse am Alten Bahnhof zur Kunstmeile

„Meistens fange ich mit einem Auge an“, Robert Zgodda deutet auf eines seiner Bilder, die in der Sparkassenfiliale am Alten Bahnhof, Maiwegstraße 7, ausgestellt sind. Rund 20 Bilder hängen an einigen Chartboards in der Mitte der belebten kleinen Zweigstelle an der Einkaufsmeile des Stadtteils. Mehr Platz blieb nicht für die surrealistischen Bilder des 55-Jährigen an diesem Kunstort der Kunstmeile.

„Das Auge ist ein Indikator“, fährt er fort, „gefällt es mir, weiß ich, dass auch das restliche Bild gut wird“. Mit seinen Bilder aus dem Bereich des fantastischen Realismus besetzt er eine Nische, „die zwar zurzeit nicht ‘in’ ist, aber ich muss zum Glück ja auch nicht davon leben“, so der Künstler.

Zwar entdeckte der in Iserlohn geborene Zgodda seine künstlerische Begabung schon früh, trotzdem lernte er auf Bestreben der Eltern „erst einmal ‘was Richtiges“: Nach der Ausbildung zum Elektriker absolvierte er auch die Grafiker-Lehre. „Für Werbeagenturen war ich dann aber leider schon zu alt“, erzählt er augenzwinkernd. Also arbeitete er freiberuflich. Seinen Stil und sein Können entwickelte der Autodidakt in dieser Zeit immer weiter – von aufwändigen Buntstifzeichnungen verlegte er sich immer mehr auf die Acryl- und Aquarell-Malerei.

Mittlerweile baut sich er sich nach einer weiteren Ausbildung ein zweites Standbein als Altenpfleger auf.

Die ausgestellten Bilder zeigen Werke verschiedener Schaffensphasen: Farbstiftzeichnungen, wie „Wächter der Zeit“, Acryl-Bilder mit Seepferdchen, Nixen und Schachfiguren. „Da ist Einiges aus meiner maritimen Phase“, gibt Zgodda zu. Für ihn muss ein Bild im kreativen Fluss entstehen. Das heißt auch, dass es keine allzu langen Warte- und Trockenzeiten geben darf. „Schon allein deswegen kommt Öl für mich nicht in Frage“, erklärt er lachend. Hat er einmal den Hintergrund auf die Leinwand gebannt, lässt er seinen Gedanken freien Lauf. So entstehen dann Motive wie ein an Don Quijote erinnernder Ritter mit Pinsel bewaffnet, der auf einem Fisch durch die Wüste reitet, auf der Suche nach einer Leinwand.

„Die Titel denke ich mir immer erst zum Schluss aus“, berichtet Zgodda, „dann muss ich zurücktreten und schauen, was ich da eigentlich alles gemalt habe“. Die Werke sind dabei keinesfalls einseitig, teilweise steht einfache Ornamentik im Vordergrund, manchmal treten einzelne Motive aus einer kargen Landschaft heraus. Immer wieder lässt der Künstler sich von Erfahrungen inspirieren, so etwa beim „Schneckenflüsterer“, einem alten Mann mit fantasievollem Helm, der mit einer Schnecke ins stumme Zwiegespräch vertieft scheint – inspiriert von seiner Arbeit als Altenpfleger. „Bei diesem Bild habe ich mich einfach vermalt“, lächelt Zgodda und zeigt auf den Hintergrund des „Damoklespinsels“. Durch mehrfaches Überarbeiten ist ein filigranes, detailverliebtes Werk a la Dali entstanden. Das ist auch Kunst.

Dank seiner langjährigen Erfahrung als Grafiker sind Zgoddas Werke nicht nur auf den Leinwänden zwischen Geldautomat und Bankschalter zu bewundern. Auch auf dem Flyer der Kunstmeile Langendreer 2010 prangt ein echter „Zgodda“. Die beiden bunten Fußabdrücke sind ein Entwurf und eine Kostprobe seiner grafischen Arbeiten. Und so hat er nicht nur mit seiner Ausstellung bei der Kunstmeile seinen Fußabdruck hinterlassen.

Lutz Tomala

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