Benefizabend für Flüchtlinge wird riesiger Erfolg

Das Publikum fühlte sich prächtig amüsiert und spendete immer wieder begeistert Beifall.
Das Publikum fühlte sich prächtig amüsiert und spendete immer wieder begeistert Beifall.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
„Ausverkauft“ heißt es bei der Comedy-Veranstaltung in der Waldorf-Schule Langendreer. Das Programm begeistert – und bringt Geld für die Flüchtlingshilfe

Langendreer..  Ein wenig unsicher war sie schon: Ob der Saal wohl voll wird? Ist die Stimmung tatsächlich „gekippt“? „Wir mussten uns einiges anhören“, sagte Iris Sanftenschneider. „Das fand ich alles so grauselig. Wir haben uns gedacht: jetzt erst Recht.“ Es hat sich gelohnt: Dank 300 Besuchern war das Nachtschnittchen-Benefiz für Flüchtlinge in Langendreer restlos ausverkauft.

Sechs Künstler boten im Festsaal der Rudolf-Steiner-Schule bissiges Kabarett mit klarer Kante, aber auch unpolitische Klamauk-Kunst auf höchstem Niveau – und das ohne Gage. Etwa das Duo Diagonal „aus der Stadt des Glamours, Wattenscheid“, wie Moderator Helmut Sanftenschneider das Tanz- und Pantomime-Pärchen ankündigte: Ob grotesker Paarkampf in Zeitlupe oder die herrlich ulkige „Feuershow ohne Feuer“ – Duo Diagonal brachten das Publikum nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Staunen über ihre beeindruckende Körperbeherrschung.

Alt-Hippie Guntmar Feuerstein sorgte für musikalische Comedy und bot einen unterhaltsamen Einblick ins Leben und Leiden eines Musikers, dem der große Ruhm versagt geblieben ist. Dabei habe er sich durch alle Genres gespielt, kenne die Vor- und Nachteile: „Mit Reggae wirst du zwar berühmt, aber du kriegst es nicht mit“, klagte er und zog am imaginären Joint. Obgleich am selben Abend noch ein Auftritt in Herne anstand, nahm sich Feuerstein Zeit für das Flüchtlings-Benefiz.

Wie immer großartig: Esther Münch alias Putzfrau Waltraud „Walli“ Ehlert

Genauso wie sein türkischer Kollege Serhat Dogan, der trotz Sportverletzung auf die Bühne humpelte und seine ersten Eindrücke von Deutschland schilderte. Ausgerechnet in Bayern landete sein Flieger, wo sein Hochdeutsch aus dem Sprachkurs wenig nutzte: „Ich glaube, mein Deutschlehrer hat mich verarscht.“

Momadou Sow freute sich besonders über den Abend: Schließlich kam er selber vor 14 Jahren als Flüchtling nach Deutschland. „Besonders hat mir der Moderator gefallen und dieser Blonde“, sagte er. Gemeint ist der Bottroper Kabarettist Benjamin Eisenberg: Der begeisterte mit einer großartigen Parodie des AfD-Einpeitschers Björn Höcke und setzte klare Statements gegen Rechtsaußen: „Ja, ihr seid das Pack.“ Harte Worte, aber: „Das ist ein Luxus, den man sich als Kabarettist leisten kann – eine Meinung“, sagte er. „Wir müssen zusammen halten: Es gibt Doofe auf allen Seiten.“

Einer der großartigsten Beiträge des Abends kam von Esther Münch alias Putzfrau Waltraud „Walli“ Ehlert: Sie nahm nicht bloß die Rechten aufs Korn – von denen wohl sowieso niemand im Publikum war – sondern kritisierte auch die deutsche Willkommenseuphorie: Wie würden Sie sich fühlen, fragte sie, wenn man nach Monaten der Flucht „am Bahnhof beklatscht wird wie Affen im Zoo“? Unbequem, mutig, bissig – so geht Kabarett. Abschließend appellierte die Bochumerin, die auch selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, an ihr Publikum: „Aufrechte Demokraten, begnügt euch nicht mit der Arbeit in der Kleiderkammer – steht auf.“ Denn: „Der Magen meldet sich, wenn er leer ist – das Gehirn nicht.“