Amtshaus-Sturm: Sieger feierten mit den Besiegten
23.02.2009 | 17:15 Uhr 2009-02-23T17:15:00+0100Werne. Der Widerstand beim Sturm auf das Amtshaus Werne währte nur kurz: Die jecken Angreifer unter der Führung des diesjährigen Cäcilia-Prinzen Michael II. griffen schließlich auf heimatlichem Boden und in Sichtweite des Kirchturms in deutlicher Überzahl an.
Bezirksverwaltungs-Chef Horst-Dieter Kuligga, Bezirksbürgermeister Norbert Busche und ihren Getreuen blieb da auch beim zwölften Mal in Werne nichts anderes übrig als die Aufgabe, kurz darauf gefolgt von der Übergabe.
Die fröhlichen Gewinner ließen es sich nicht nehmen, gemeinsam mit allen den Sieg zu feiern. So zog der Tross in einem bunten Zug durch den Stadtteil zum Bürgerhaus am Born und sorgte für Stimmung auf der Straße. Die Langendreerer Dorfmusikanten schritten mit zünftiger Musik voran. Der Prinz, seine Gefolgsleute und die gar nicht so traurig dreinschauenden Gefangenen folgten. Schließlich wartete auf alle schon das erste Bier und ein buntes Programm unter dem diesjährigen Prinzen-Motto „Kultur anne Ruhr”.
Michael II. (auf dem Foto zu sehen mit dem Kinder- und Stadtprinzen-Paar) nahm deshalb zusammen mit Moderator und Cäcilia-Geschäftsführer Reimund Strömer vor etwa 200 Jecken gleich die Amtsgeschäfte auf. Sie verkündeten dabei nicht nur „Wir haben den Schlüssel in der Hand und damit die Regierung”, sondern gaben auch gleich Busche und seinen anwesenden Politikerkollegen bis einschließlich Karnevals-Dienstag frei. Schließlich will der Prinz sich selbst nun um alles kümmern. Sein Motto dabei: „Gute Laune, Spaß und Fröhlichkeit. Ich nehme mir für jeden Bürger Zeit.”
Amtsvorsteher Kuligga (ein bisher unentdeckter Maulwurf der Karnevalisten?) erhielt hingegen gleich seine erste Ehrung. Sein Motto sei, so Strömer, „Habt ihr Probleme, sagt mir Bescheid”. Das habe über die Jahrzehnte gut geklappt, erklärte Strömer. Den offiziellen Orden vom Prinzen gab es später dazu. Die Laudatio dazu hielt allerdings Norbert Busche, so dass Kuligga – um im Geheimdienst-Vokabular zu bleiben – sogar ein Doppelagent gewesen sein könnte.
Weitere Orden gingen an Prinz Michael II., Gerhard Wawrzyniak (Cäcilia), Dieter Kuhlmann (Dorfmusikanten), Karl-Heinz Stemberg (Organisator des Hiltroper Karnevals), Reimund Strömer, Jochen Gruschwitz sowie Rosemarie Busche. Weitere Ordensträger wurden Dorothea Knop (CDU), Wolfgang Lehmann (SPD), Norbert Westerwick (stellvertretender Amtsleiter Ost) sowie Detlef Schoppmeier (Organisation der Verpflegung im Karneval). Eberhard Franken, Journalist und Verfasser des Textes über die Cäcilia-Prunksitzung (siehe unten), kam zudem zu diesen Ehren, weil er, so Strömer, 1985 den Amtshaussturm mit aus der Taufe gehoben habe.
Strömer erinnerte zudem daran, dass man noch kein Jubiläum feiern könne, obwohl es laut Kalender eigentlich der 25. Sturm sein müsste: Prinz Ralf I. konnte nämlich wegen des Golfkrieges Anfang der 90er Jahre keinen Karneval feiern (er durfte jedoch 1996 als Ralf II. nachlegen).
Das Bühnenprogramm gestalteten u.a. Gerhard Wawrzyniak, Schutzmann Theo (Kraushaar), die Langendreerer Dorfmusikanten sowie die Ruhrunken. Während letztere eigene Lieder sowie Schunkelmusik („Rote Rosen”) darboten, stellten sich Wawrzyniak und Kraushaar in die Bütt. Sie thematisierten dabei vor allem aktuelle Probleme im Stadtteil. Wawrzyniak fragte, zünftig mit Bierglas in der Hand, was aus dem schönen Werne geworden sei. So sei beispielsweise der Wochenmarkt, mangels Förderung, nicht mehr der Besuchermagnet, und im Werner Park trete man nur noch auf Hundehaufen. Und die schöne Fontäne funktioniere schon lange nicht mehr. Wicho Herrmann

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